Eichstätt (epd). Forschende der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) wollen herausfinden, was Menschen besonders anfällig für Desinformation macht und wie man dagegenhalten kann. Das neue Forschungsprojekt "Innovative Kommunikationsstrategien zur Intervention und Prävention bei Desinformationskampagnen" (IKIP) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, teilte die KU am Mittwoch mit.
Zwar ziehe sich die gezielte Streuung von Desinformation durch die Geschichte der Menschheit. Doch die zunehmende Digitalisierung trage nicht nur dazu bei, dass seriöse Nachrichten jederzeit und überall verfügbar sind, sondern dass sich auch Falschinformationen rasant verbreiten, so die Mitteilung weiter. "Desinformationskampagnen benötigen für ihre Verbreitung aber nicht nur technische Möglichkeiten. Widerhall finden sie nur, wenn ihre Inhalte und Darstellungsweisen an Bedürfnisse und Gefühle des Publikums anknüpfen", sagte Friederike Herrmann, Professorin für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der KU.
Einen solchen Kontext würden Narrative etwa im Hinblick auf Rassismus und Antisemitismus bieten. Die Erzählungen griffen diffuse Ängste auf und rechtfertigten diese, indem sie scheinbare Ursachen und angeblich Schuldige dafür benennen. "Die Erzählungen bedienen affektive Bedürfnisse, doch bleibt dieser Zusammenhang meist unbewusst. Gerade in Krisensituationen haben Menschen die Tendenz, einfache Lösungen zu bevorzugen", sagte Herrmann. Auch die Corona-Pandemie sei ein gutes Beispiel für die Neigung, sich klare Ursachen und Schuldige zu wünschen.
Bisherige Ansätze gegen die Verbreitung von Desinformation operierten meist auf kognitiver Ebene. Doch mit rationalen Argumenten sei nur schwer gegen Emotionen anzukommen. Deshalb wolle das IKIP-Projekt die Funktionen der in Desinformation enthaltenen Narrative in ihrer Wirkungsweise bewusst machen. Ziel sei die Entwicklung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen.
Die Kommunikationswissenschaftlerin Herrmann koordiniert das dreijährige Forschungsprojekt und arbeitet dafür mit Forschenden der Media School Hamburg, der Polizeiakademie Niedersachen, der Frankfurter Goethe Universität und der Frankfurt University of Applied Science zusammen. Neben der Kommunikationswissenschaft sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Bereichen Psychologie sowie Medien- und Sozialpsychologie tätig.