Würzburg (epd). Eine wegen zweifachen Mordes angeklagte Pflegekraft aus Unterfranken muss für zwei Jahre und zehn Monate in Haft. Das Landgericht Würzburg sprach die 49-Jährige nach mehreren Prozesstagen wegen zweifacher versuchter gefährlicher Körperverletzung schuldig, der Vorwurf des Mordes aber bestätigte sich in der Verhandlung nicht, sagte ein Gerichtssprecher nach Verkündung des Urteils am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Frau stand vor Gericht, weil sie zwei dementen Bewohnerinnen eines Seniorenheims Insulin gespitzt hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer am Dienstag am Mordvorwurf festgehalten und diesen mit Heimtücke und niedrigen Beweggründen untermauert gesehen. Sie forderte deshalb eine Haftstraße von drei Jahren und drei Monaten. Die Verteidigung hingegen vertrat die Ansicht, es habe keine Tötungsabsicht gegeben. Die überforderte Pflegerin habe gedacht, die Seniorinnen würden sich wegen des Insulins nur übergeben müssen, so der Verteidiger. Er forderte daher für seine Mandantin eine Freiheitsstrafe von weniger als zwei Jahren zur Bewährung auszusetzen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Haftbefehl wurde im Hinblick auf bereits elf Monate erlittener Untersuchungshaft aufgehoben, sagte ein Gerichtssprecher. Es bestehe angesichts der noch übrigbleibenden geringen Haftstrafe keine Fluchtgefahr mehr, hieß es. Sollte für die bis zu dieser Tat unbescholtene Pflegerin eine Halbstrafe in Betracht kommen - also, dass sie nur die Hälfte der Haftstrafe absitzen muss, wären dies nur noch etwa sechseinhalb Monate. Das Gericht sagte, die Aussagen der Angeklagten vor Gericht seien "erkennbar von Einsicht und Reue" geprägt gewesen.

Zum Prozessauftakt Ende September hatte die Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt. Die Frau hatte dabei eingeräumt, am 8. November 2020 zwei dementen Seniorinnen in einem Pflegeheim in Volkach (Kreis Kitzingen) Insulin gespritzt zu haben. Den Tötungsvorsatz bestritt sie allerdings. Die Insulingabe hatte bei den 80 und 85 Jahre alten Seniorinnen lebensbedrohliche Zustände ausgelöst. Weil die beiden Opfer kurz hintereinander mit ähnlichen Symptomen in die Klinik eingeliefert wurden, ermittelte die Polizei. Die Frau hatte sich ungefähr drei Wochen nach der Tat selbst gestellt.

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