Seit mehr als 25 Jahren begleitet Jörg Cuno schwerkranke und sterbende Menschen, ambulant wie stationär. Mit seinem Bamberger Team PalliVIVO versorgt der Palliativmediziner erwachsene Patienten in deren Zuhause, mit dem 2018 gegründeten Sternenkinderzentrum fängt er trauernde Eltern auf, die ihr Kind verloren haben. Und doch, sagt Cuno, habe ihm über all die Jahre etwas keine Ruhe gelassen: eine Lücke im eigenen Versorgungsangebot, die genau dort klafft, wo sie am schwersten zu ertragen ist – bei den Kindern.

"Es fehlte uns die Möglichkeit, auch die Lebensphase von der Geburt bis zum Erwachsenenalter mit einer bedarfsgerechten Versorgung zu begleiten", erklärt er. Gemeint sind lebenszeitverkürzend erkrankte Kinder und Jugendliche und ihre Familien – von dem Moment an, in dem eine Familie erfährt, dass ihr Kind nicht gesund wird und nicht alt werden wird. Manche dieser Kinder werden nicht erwachsen, manche sterben als junge Erwachsene. "Von da an braucht es spezialisierte ärztliche und pflegerische Begleitung. Im Zuhause. Rund um die Uhr erreichbar. Durch Menschen, die wissen, wie man Schmerzen nimmt, wie man Atemnot lindert, wie man Nächte aushält", sagt Cuno.

Genau diese Lücke will er nun schließen – mit PalliVIVO Junior, einem spezialisierten ambulanten Palliativteam für Kinder und Jugendliche, kurz SAPV-KJ.

Der Anstoß kam von außen

Bemerkenswert ist, dass die Initiative nach Cunos eigenen Worten nicht von ihm selbst ausging. Hochqualifizierte Fachleute aus der Kinder- und Jugendpalliativmedizin und -pflege seien mit der Idee an ihn herangetreten, ein solches Team unter dem Dach von PalliVIVO zu gründen. "Die Kinder- und Jugendpalliativmedizin ist ein eigenes, hochspezialisiertes Feld", betont Cuno, dessen eigene Erfahrung bei den Erwachsenen liegt. "Ihre Idee war aber bei mir sofort hochwillkommen – weil ich immer das Gefühl hatte, dass in dem, was wir tun, etwas fehlte."

Die Fachleute hätten in der Arbeit von PalliVIVO eine Klarheit, Strukturiertheit, Empathie und Verlässlichkeit gesehen, die sich mit ihren eigenen Werten einer hilfreichen Begleitung deckten – und seien dafür bereit gewesen, sichere, angesehene Anstellungen aufzugeben. Für Cuno ist das mehr als eine Personalentscheidung:

"So einen Schritt macht man nicht für irgendeinen Arbeitgeber, sondern nur dort, wo man sicher ist, das Richtige tun zu können – ohne Abstriche. Dass sie diesen Ort bei uns gesehen haben, ist Anerkennung und Verpflichtung zugleich. Wer so zu einem kommt, dem darf man nicht weniger geben als das Beste."

Ein Name mit doppelter Bedeutung

Der Name trägt für Cuno eine doppelte Bedeutung. Zum einen umfasst "Junior" das gesamte Altersspektrum derer, die Anspruch auf SAPV-KJ haben: Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene – Menschen, die oft genau wissen, was mit ihnen geschieht, und die mitentscheiden dürfen, ganz unabhängig vom Alter. "Das verlangt Respekt, auch im Namen", sagt Cuno.

Zum anderen steht der Name, ganz ungeplant, auch im wörtlichen Sinn für die nächste Generation: Die Geschäftsführung von PalliVIVO Junior übernimmt Cunos Sohn Philipp Fuchs-Cuno, der seit August 2025 als kaufmännischer Leiter bei PalliVIVO tätig ist und die Strukturen des Unternehmens von innen kennt. "Das Zusammenfallen des Namens ‚Junior‘ mit dem Eintritt meines Juniors in unser Palliversum war nicht geplant – aber eine schöne Fügung", sagt der Vater.

Eine operative Rolle wird Cuno selbst bei PalliVIVO Junior nicht übernehmen. Seine Zeit gehöre PalliVIVO, der Palliativakademie, dem Sternenkinderzentrum und den weiteren Aufgaben im täglichen Betrieb. Sein Sohn Philipp werde das Team von Beginn an unternehmerisch führen; die medizinische und pflegerische Leitung liege bei den angestellten Fachkolleginnen und Fachkollegen. "Wir sind überzeugt, dass die Verantwortung dort liegen sollte, wo die Kompetenz ist", sagt Cuno.

Großes Versorgungsgebiet, Zentrale in Bamberg

Versorgen will PalliVIVO Junior ein großes, überwiegend ländliches Gebiet: ganz Unterfranken, ganz Oberfranken und die nördlichen Teile Mittelfrankens. Zentrale ist Bamberg, wo das Unternehmen verwurzelt ist; ein Außenbüro in Schweinfurt soll Fahrzeiten verkürzen und Abläufe effizienter machen. Gerade auf dem Land, so Cuno, bedeuten weite Wege eine reale Hürde – Wege, die sich kranke Kinder und ihre Familien schlicht nicht leisten könnten. "Genau dort setzen wir an", sagt er.

Zwar gebe es in Franken bereits Teams, die SAPV-KJ anbieten, doch keines mit Zentrale in Oberfranken. Als Konkurrenz zu den bestehenden Teams versteht Cuno das neue Angebot ausdrücklich nicht:

"Der Bedarf an SAPV-KJ wird kontinuierlich steigen."

Eine flächendeckende, gute Versorgung durch vertraute Teams sei so gewährleistet, ohne dass irgendjemand an Zeit bei den Patienten sparen müsse.

Sorgfältiger Start, geplanter Beginn 2027

Trotz der Dringlichkeit, die in Cunos Schilderung mitschwingt, will PalliVIVO Junior bewusst klein und sorgfältig beginnen. Die Zulassung durch die Krankenkassen müsse erfolgen, das Team von Beginn an vollständig sein – mit verlässlichen Strukturen. "Aber wir fangen an", sagt Cuno. Der Versorgungsstart ist, vorbehaltlich der Kassenzulassung, für das Jahr 2027 geplant.

Einen Satz, den Cuno seit Jahren sagt, sieht er durch PalliVIVO Junior nun vollständig eingelöst: "Palliativmedizin ist Lebensmedizin." Mit dem neuen Angebot, ist er überzeugt, werde die Idee dahinter komplett – vom ersten bis zum letzten Atemzug, für jedes Alter mit all seinen Besonderheiten der Betreuung. Es gehe darum, dass niemand allein bleibe – während der Erkrankung nicht, und danach auch nicht.

"Denn wenn ein junger Mensch stirbt, bleiben die Familien zurück. Sie sind es, die danach Begleitung brauchen – und auch dafür sind wir da."