"Demokratie ist kein Selbstläufer.“ Eva Döhla sagt diesen Satz ruhig, aber mit Nachdruck. Für die Hofer Oberbürgermeisterin ist er mehr als eine Floskel. Es ist die Essenz ihrer täglichen Arbeit. Im Rathaus, in der Stadtgesellschaft, auf Marktplätzen und in Klassenzimmern. Seit 2015 ist Hof Teil des Bundesprogramms "Demokratie leben“.
Was zunächst nach einem sperrigen Titel klingt, ist in der Region längst zu einem lebendigen Netzwerk geworden – mit unzähligen Projekten, Begegnungen und Initiativen, die eines gemeinsam haben: Sie stärken das demokratische Miteinander.
Auch im Landkreis Hof sieht Landrat Oliver Bär die Bedeutung des Programms: "Demokratie leben ist für uns ein Projekt mit vielen Facetten. Von kleinen Workshops bis zu großen Veranstaltungen. Und vor allem: mit starken Partnern – wie dem Evangelischen Bildungswerk."
Vom Rathaus bis zur Dorfmitte – Demokratie im Alltag
Doch was bedeutet das konkret? Eva Döhla bringt es auf den Punkt: "Wir wollen nicht nur lautstarke Einzelinteressen bedienen, sondern das Gemeinwohl stärken – auch für die, die sich sonst nicht so zu Wort melden." In ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin hat sie erlebt, dass Demokratie im Alltag oft unsichtbar bleibt. Deshalb setzt Hof auf Beteiligung: Jugendforen, Schulprojekte, Feste der Vielfalt.
Ein Beispiel, das Döhla besonders am Herzen liegt, sind die Erinnerungsstelen für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Gemeinsam mit Schulen und der Israelitischen Kultusgemeinde wurden die Biografien von Hofer Familien erarbeitet, deren Schicksale im Nationalsozialismus ausgelöscht werden sollten. "An deren früheren Wohn- oder Geschäftshäusern haben wir Stelen errichtet, versehen mit Informationen und QR-Codes", erzählt Döhla. "Das macht Geschichte im Stadtbild lebendig und schafft ein Bewusstsein für Verantwortung."
Vielfalt als Stärke
Auch im Landkreis Hof zieht das Programm Kreise. "Wir haben eine sehr gute Partnerschaft, die seit über zehn Jahren gelebt ist", sagt Oliver Bär. "Dadurch entsteht eine große Vielfalt, von der dann viele profitieren können."
Das zeigt sich in Projekten wie "Deine Anne", bei dem Jugendliche anderen Jugendlichen das Leben von Anne Frank nähergebracht haben. "Das war aus meiner Sicht wirklich beeindruckend, weil damit die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus noch viel intensiver wurde", so Bär.
Doch es sind nicht nur die großen Formate, die zählen. "Wir unterstützen viele kleine, niederschwellige Angebote", betont der Landrat. "Es ist für alle etwas dabei – vom Dorf bis zur Stadt."
Jugendliche im Fokus
Beide, Döhla und Bär, sind sich einig: Junge Menschen sind eine Schlüsselgruppe. In Hof gibt es ein Jugendforum, das Jugendlichen ermöglicht, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. "Dass junge Menschen selbst wirksam werden in unserer Gesellschaft, ist unheimlich wichtig für das Demokratiebewusstsein", sagt Döhla.
Im Landkreis fördert das Programm ähnliche Beteiligungsprojekte. "Demokratie lebt davon, dass wir alle mitnehmen – besonders die Jugend, aber genauso Ältere, Vereine, Initiativen und Engagierte", erklärt Bär.
Mehr als ein Projekt – eine Haltung
Das Bundesprogramm hat der Region nicht nur zusätzliche Bundesmittel gebracht, sondern auch nachhaltige Strukturen geschaffen. Netzwerke, die Menschen zusammenbringen. Räume, in denen Austausch über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg möglich wird. "Wir haben die Chance, hier vor Ort dauerhaft Strukturen aufzubauen und zu stärken", betont Döhla.
Auch Bär sieht darin einen wichtigen Faktor: "Demokratie ist ein Gut, das immer wieder neu erarbeitet werden muss. Denn nur dann können wir auch in Zukunft Freiheit und Rechtsstaatlichkeit leben."
Visionen von unten
Was beiden besonders wichtig ist: Die Visionen für "Demokratie leben" kommen nicht aus den Amtsstuben. Sie entstehen in der Bürgerschaft. "Es sind die Ehrenamtlichen, die Ideen und Herzblut mitbringen", sagt Bär. "Das bereitet mir große Freude."
Döhla formuliert es so: "Wenn es uns gelingt, jedem Einzelnen zu signalisieren: Macht hier mit, gestaltet die Stadtgesellschaft mit, bringt euch ein – dann hätten wir schon einiges erreicht."
Mit der eigenen Stimme etwas bewirken
Das Programm "Demokratie leben" läuft in der neuen Förderperiode bis 2032. Für Stadt und Landkreis Hof ist es eine Chance, nicht nur Projekte zu initiieren, sondern die Demokratie selbst zu stärken. "Es geht um Bewusstsein, um Wertschätzung, um Liebe zur Demokratie", sagt Döhla. "Und auch um die Bereitschaft, sie gegen Anfeindungen zu verteidigen."
Oliver Bär ergänzt: "Demokratie braucht Menschen, die mitgestalten wollen – und die spüren, dass ihre Stimme zählt."
Und vielleicht ist genau das die größte Wirkung von "Demokratie leben": Dass die Menschen in Stadt und Landkreis Hof merken, dass ihre Stimme etwas bewirken kann.