Warum tragen manche Menschen Kopftücher? Was feiern jüdische Kinder an Weihnachten? Und beten Muslim*innen wirklich fünfmal am Tag?

Interreligiöses Lernen: So gelingt Begegnung im Klassenzimmer

Für Kinder und Jugendliche gehört die Begegnung mit verschiedenen Glaubensrichtungen in einer multireligiösen Gesellschaft längst zum Alltag. Umso wichtiger ist es, Religionen, ihre Traditionen und Glaubensinhalte auch im Schulunterricht zu thematisieren.

Für Lehrkräfte stellt das jedoch oft eine Herausforderung dar: Religionen, die nicht die eigene sind, authentisch zu vermitteln, erfordert Hintergrundwissen und Einblicke in die Vielfalt gelebter Praxis. Fundierte Antworten auf Schülerfragen und die Aufarbeitung von Vorurteilen sind nicht einfach zu leisten.

Besonders wertvoll für den Unterricht ist es daher, wenn Kinder und Jugendliche persönlich Menschen anderer Religionen begegnen. Direkte Einblicke in deren Lebenswelt machen abstrakte Inhalte greifbar – und das vermeintlich Fremde ein Stück vertrauter. 

Wir präsentieren hier drei Projekte, die den Dialog zwischen den Religionen im Schulunterricht möglich machen.

1. Meet a Jew

Jüdisches Leben im Klassenzimmer entdecken

Im Projekt "Meet a Jew" besuchen junge Jüdinnen und Juden aus Deutschland Bildungseinrichtungen wie Schulen, Universitäten und auch Sportvereine. In einem 60- bis 90-minütigen Gespräch mit jeweils zwei Teilnehmenden können Kinder und Jugendliche ohne Hemmungen Fragen stellen – zum Glauben, zum Alltag, zur Lebensgestaltung und zum Judentum im Allgemeinen. Um die Vielfalt des Judentums sichtbar zu machen, kommen die Gäste bewusst aus unterschiedlichen religiösen Traditionen und Lebenswelten.

Das vom Zentralrat der Juden in Deutschland geförderte Projekt ist bundesweit aktiv und richtet sich an alle Alters- und Jahrgangsstufen. Für die Vor- und Nachbereitung stehen auf der Website kostenlos Ideen und Unterrichtsmaterialien zum Download bereit, jeweils angepasst an unterschiedliche Altersgruppen.

Mehr Infos und Anfragen zum Projekt gibt es hier.

2. Brücke-Köpru

Interreligiöser Dialog zwischen Christentum und Islam

Ein weiteres Projekt ist "Brücke-Köpru" der Evangelischen Landeskirche in Bayern (ELKB), das im Nürnberger Raum aktiv ist. Ziel ist es, den interreligiösen Dialog und das Zusammenleben verschiedener Religionen durch persönliche Begegnungen zu fördern. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem der Austausch zwischen Christentum und Islam.

Neben themenbezogenen Angeboten für alle Altersgruppen bietet die "Brücke" für Schülergruppen religionspädagogisch begleitete Besuche von Kirchen und Moscheen an und vermittelt Kontakte zu geistlichen Gesprächspartnern. Zusätzlich ermöglicht das Projekt individuell angepasste Workshops zur Vertiefung einzelner Themen wie religiösen Symbolen, Festen oder heiligen Texten.  In einem kostenlosen Praxishandbuch sind außerdem Tipps zum Gestalten von interreligiösem Lernen zusammengestellt.

Mehr Infos und ein Praxishandbuch gibt es hier.

3. meet2respect

Muslimisches und jüdisches Leben gemeinsam erleben

"meet2respect" ist ein staatlich gefördertes Projekt im Berliner Großraum, das Begegnungen mit muslimischen und jüdischen Personen durch Unterrichtsbesuche und Exkursionen zu Moscheen und Synagogen organisiert. Für die fünfte und sechste Jahrgangsstufe gibt es Gesprächsrunden mit einem Imam-Rabbiner-Tandem, die verschiedene religiöse Perspektiven ins Gespräch zu bringen und gegenseitigen Respekt fördern.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Schulen, die bereits Erfahrungen mit religiösen Konflikten gemacht haben. Dafür bietet das Projekt Workshops mit Kindern und Jugendlichen sowie Fortbildungen für Lehrkräfte zur Bekämpfung von Antisemitismus, Rassismus und anderen Formen von Diskriminierung an.

Das vollständige Angebot von meet2respect findest du hier.

Zusätzlich: Online-Ressourcen für den Unterricht

4. zwischentöne

Die kostenlose Materialsammlung "zwischentöne" bietet Unterrichtsentwürfe für verschiedene Fächer und Schularten, einschließlich didaktisch aufbereiteter Materialien und weiterführenden Literatur. Ziel ist es, eine Vielfalt an Perspektiven in den Unterricht einfließen zu lassen – darunter auch Einblicke in verschiedene Religionen, die direkt von deren Vertreter*innen aufbereitet wurden. Über die Suchfunktion lässt sich das Angebot gezielt filtern.

Weitere Infos und Materialien gibt es hier.

5. religionen-entdecken

Die Website "religionen-entdecken" richtet sich vor allem an jüngere Jahrgangsstufen und lädt zum spielerischen Kennenlernen der Weltreligionen ein. Sie bietet leicht verständliche Info-Artikel zu Traditionen, Glaubensinhalten und Perspektiven und beantwortet häufig gestellte Fragen. Die Inhalte sind interaktiv im Unterricht einsetzbar oder können als Materialsammlung verwendet werden.

Weitere Infos gibt es hier.

Materialheft "Weltreligionen"

Das Heft bietet eine umfangreiche Sammlung an Ideen und Arbeitsblättern für Schulen, Bildungseinrichtungen sowie die Arbeit mit Asylbewerber*innen und Geflüchteten. Enthalten sind über 20 einfache Gestaltungsideen und knapp 40 Kopiervorlagen zu den Weltreligionen sowie zu zentralen Themen wie Toleranz, Frieden, Werte, Moral und Ethik. Alle Inhalte sind praxisnah erprobt und leicht umsetzbar – ideal für Projekte oder den regulären Unterricht.

Hier gehts zum Materialheft "Weltreligionen".