Als erster Diakon in der über 125-jährigen Geschichte der Rummelsberger Brüderschaft ist der 37-jährige Philipp Flierl in Bad Windsheim zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt worden. Im ersten Wahlgang erzielte der Geschäftsführer für Kindertagesstätten aus dem Stand ein Ergebnis von 58,3 Prozent.
Er habe sich seine Kandidatur nicht selbst ausgedacht, sondern er sei darum gebeten worden, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Grundbedingung war für ihn, als parteiloser Kandidat für drei Gruppierungen ins Rennen zu gehen. Der Familienvater will ein Miteinander von Anfang an.
Warum wollten Sie Bürgermeister werden?
Philipp Flierl: Vielleicht spielte meine sozial-diakonische Perspektive eine Rolle.
"Ich sehe meine Stärken auch in der Kommunikation und will Menschen verbinden."
Ich kam also beim Nachdenken an den Punkt, dass ich mir das vorstellen konnte und mir die Aufgabe zutraute. Wenn die Wahl anders ausgefallen wäre, wäre ich auch völlig zufrieden mit mir, wegen der Art und Weise, wie wir in unserem Wahlbündnis aufgetreten sind. Wir haben nie von Wahlkampf gesprochen, sondern von einem Wahldialog.
Als Politik-Newcomer pflege ich eine andere Art und Weise des Umgangs. So habe ich in den letzten sechs Monaten meine Kontrahenten in keinster Weise angegriffen, habe aber meine fachliche Expertise ins Spiel gebracht. Es geht mir nicht ums Persönliche, sondern um einen sachlichen Diskurs. Das hat anscheinend die Wähler überzeugt. Das Reizvolle an diesem Amt ist der Gestaltungsspielraum und die Rolle, als Vorbild in einer Gesellschaft zu fungieren. Und ich will meinen Kindern eine Stadt hinterlassen, in der man gerne wohnt.
Sie sind evangelischer Christ, Diakon von Beruf. Welche Rolle könnte das im neuen Amt spielen?
Das ist die Grundlage meines Seins. Es bedeutet, dass ich unwahrscheinlich gerne mit Menschen arbeite.
"Deswegen bin ich Diakon geworden."
Es geht darum, seinen Nächsten zu sehen und wahrzunehmen, auch wenn ich inhaltlich mit ihm streite. Das will ich auch als Bürgermeister versuchen.
Worauf freuen Sie sich in diesem neuen Amt, und was werden Sie möglicherweise am alten Leben am meisten vermissen?
Also ich freue mich auf viele Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen. Die Nähe an politischen Entscheidungen macht einen unheimlichen Reiz aus. Und vermissen? Ich werde an der einen oder anderen Stelle eine gewisse Art von Freiheit vermissen, die ich bis jetzt hatte. Ich bin ein Familienmensch, habe zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren. Wenn ich dafür keine Zeit mehr habe, mache ich meinen Job falsch. Und dann mache ich auch dieses Amt falsch, und das ist für mich die Maßgabe.
Bürgermeister Philipp Flierl
Philipp Flierl (37) aus Aschaffenburg ist Diakon der Rummelsberger Brüderschaft. Er studierte Diakonik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg und wurde 2014 eingesegnet.
Beruflich arbeitete er zunächst mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Fürth, später als Dekanatsjugendreferent in Bad Windsheim. Seit Juli 2024 ist er Geschäftsführer der Kindertagesstätten im evangelischen Dekanat Bad Windsheim.
Flierl engagiert sich zudem in der Freiwilligen Feuerwehr der Kurstadt als stellvertretender Kommandant und Ausbilder. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und tritt sein Amt als Erster Bürgermeister am 1. Mai an.