Seit 1998 erinnert der "Tag der Diakonin" in Deutschland jedes Jahr am 29. April daran, dass Frauen in der katholischen Kirche noch immer nicht zum Amt des Diakons geweiht werden dürfen. Das Hauptargument der Gegner: Dass Jesus ein Mann war, ist kein Zufall.
Das Hauptargument der Befürworter: Männer und Frauen sind als Ebenbilder Gottes gleichberechtigt. Veranstaltet wird der "Tag der Diakonin", der dieses Jahr in der Münchner Benediktinerabtei St. Bonifaz stattfindet, vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB), der Katholischen Frauengemeinschaft, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sowie dem Netzwerk Diakonat der Frau.
Ute Zeilmann, gebürtige Bayreutherin und Pastoralreferentin im Bistum Hildesheim, ist seit 2022 Vizepräsidentin des Frauenbunds. Ein Gespräch über den Status quo und die Kunst des Geduldig-Bleibens.
Frau Zeilmann, die Forderung nach einer Öffnung des Diakonenamts für Frauen wurde schon 1975 von der Würzburger Synode der deutschen Bistümer an den Vatikan übermittelt. Was ist denn der aktuelle Stand in der Frage?
Zeilmann: Eine Kommission hat Ende 2025 entschieden, dass Frauen derzeit noch nicht zur Diakonin geweiht werden können, dass aber diese Entscheidung nicht endgültig ist. Trotz dieses abschlägigen Urteils gibt es daran positive Aspekte. Zum einen hat der verstorbene Papst Franziskus die seit 1975 offene Bitte der Würzburger Synode endlich ernstgenommen und eine Kommission damit beauftragt.
Zum anderen sehen wir in deren Abstimmungsergebnis, dass das alte Hauptargument gegen die Weihe von Frauen - nämlich, dass Jesus ein Mann war - nicht mehr verfängt. Die Hälfte der Kommissionsmitglieder lehnt dieses Argument ab! Jetzt müssen wir theologisch dran- und mit den Verantwortlichen in Rom im Gespräch bleiben.
"Die Argumente gegen das Diakonat der Frau sind schwach und widerlegbar."
Wenn man keine anderen stichhaltigen Gründe findet, muss man sie für dieses Amt zulassen.
Mit dem diesjährigen Tag der Diakonin befinden Sie sich in freundlichen Gefilden: Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich 2022 für das Diakonat für Frauen ausgesprochen…
… und trotzdem treffen wir uns nicht im Dom, obwohl ich das ein starkes Signal fände, sondern in der Benediktinerabtei St. Bonifaz. Letztlich hängt die Frage des Frauendiakonats nicht daran, was ein Bischof denkt.
"Erstaunlich finde ich eher, dass gerade auch jüngere Frauen unser Anliegen massiv in Frage stellen."
Wenn das Argument lautet "Jesus hat das nicht gewollt", ist theologisch allerdings schwer auf einen Punkt zu kommen. Manche Menschen sind der Meinung: Wenn Frauen zu Ämtern zugelassen werden, bricht alles zusammen, weil wir uns gegen Gott versündigen. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
Oft wird bei einer solchen Argumentation auf weniger progressive Teile der katholischen Welt verwiesen, die man mit Frauen in Weiheämtern vor den Kopf stoßen oder verlieren würde. Trifft das denn zu?
In Lateinamerika wird das Diakonat für Frauen schon lange gefordert, auch in Indien, den USA und Australien wachsen die Netzwerke. Wenn in anderen Regionen Frauen als Diakone noch nicht möglich sein sollten, ohne die katholische Weltgemeinschaft zu gefährden, muss man das berücksichtigen.
Genauso verlassen aber in Deutschland Menschen in Scharen die Kirche wegen eines Vertrauensverlusts, der viel mit den Missbrauchsfällen zu tun hat, aber auch viel mit der anhaltenden Benachteiligung von Frauen. Das Spaltungspotenzial ist also in beide Richtungen da. Grundsätzlich sollten wir jedoch nicht zulassen, dass in Ländern, wo Frauen unterdrückt oder als Besitz betrachtet werden, solche patriarchalen, diskriminierenden Muster auch noch theologisch begründet werden können. Das ist ein massiver Angriff auf die Werte des Evangeliums.
Der Tag der Diakonin in München trägt die Überschrift "Gott diskriminiert nicht". Ist das eine scharfe Botschaft ohne Effekt?
Ich finde es gut, dass dieser Satz als theologische Aussage dasteht, auf die sich alle berufen können. Dass Gott niemanden herabwürdigt, muss Konsens sein in der katholischen oder überhaupt der christlichen Kirche. Die Unterscheidungen trifft nicht Gott, sondern die Kirche selbst, wenn sie über das Wesen von Mann und Frau diskutiert und die Geschlechter ungleich behandelt.
Sie sind promovierte katholische Theologin und arbeiten als Pastoralreferentin in Bremen. Warum wären Sie gern Diakonin? Was fehlt Ihnen im Berufsalltag?
Frauen dürfen in der katholischen Kirche nicht geweiht werden. Daraus folgt in der praktischen Arbeit oft die unbewusste Unterstellung eines Kompetenzdefizits im Sinne von: Dann können sie wohl auch manches nicht. Für Frauen in Leitungspositionen führt das oft zu Schwierigkeiten, allein schon im Tonfall:
"Pfarrern wird großer Respekt entgegengebracht, Frauen müssen sich oft rechtfertigen."
Diakone dürfen in der Eucharistiefeier das Evangelium lesen und danach predigen - als ungeweihte Person darf ich das nicht. Gerade in der Diaspora haben Priester und Diakone aufgrund des Personalmangels zu wenig Zeit, zum Beispiel für Taufgespräche. Es wäre in jeder Hinsicht eine Bereicherung, wenn meine Kolleginnen und ich das auch übernehmen dürften.
Wagen Sie eine Prognose, wann der Diakonat für Frauen kommt?
Etwas in mir sagt, dass es schnell gehen kann, wenn die alten Gegenargumente nicht mehr genug Rückhalt finden und die Stimmung kippt. Vielleicht sieht die Lage in zehn Jahren schon anders aus. In den letzten fünf Jahren hat sich in der Debatte etwas verändert, auch viele Ordensfrauen im Vatikan unterstützen unsere Position.
Der weltweite synodale Prozess endet 2028 mit einer Versammlung - dann oder spätestens in den 2030er-Jahren wird das Thema sicher wieder diskutiert.
Wie schaffen Sie es, schon so lange geduldig zu bleiben?
Aus tiefer Solidarität zu den Frauen, die bisher für diese Sache gekämpft haben. Da gibt es auch eine Parallele zum Frauenwahlrecht: Viele Frauen, die dafür gekämpft, gehungert, gelitten haben, konnten selbst nie wählen. Aber irgendwann war das Ziel erreicht. Ich möchte über meine Zeit hinausdenken:
"Wenn ich den Diakonat für Frauen nicht mehr erlebe, dann erleben es hoffentlich nach mir andere."
Wir müssen uns wieder stärker als Gemeinschaft über die Zeit verstehen. Was andere vorbereitet haben, muss ich erhalten und weiterführen. Ob ich es für mich erkämpfe oder für andere, ist nach meinem christlichen Weltbild dabei erstmal egal.