Welche Partei lag bei den jüngsten Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz auf Platz eins in der Gunst der jüngsten Wählerinnen und Wähler? Es war die AfD.
In der Gruppe der unter 25-Jährigen lag die Rechtsaußen-Scheinalternative mit einem Stimmanteil von 21 Prozent unter allen Parteien vorn. In einem ihrer traditionellen Stammländer folgte die SPD mit mageren 19 Prozent bei den Jungen nur auf dem zweiten Platz.
Den Zahlen des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap zufolge konnte die Linke (die insgesamt an der Fünfprozenthürde scheiterte) ihren Zuspruch bei den unter 25-Jährigen dagegen auf 16 Prozent vervierfachen. Sie überholte sogar den Wahlsieger CDU (15 Prozent). Die Grünen brachen im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl in der Wählergunst der jungen Altersgruppe um die Hälfte ein und landeten bei nur noch 10 Prozent.
Warum wählt die Jugend zunehmend diese Ränder?
Fast 40 Prozent für die Ränder, die politischen Extreme? Das ist ein extremes Alarmsignal. Die AfD träumt, überspitzt gesagt, von einem ethnisch reinen Deutschland und von "Remigration". Die Linke hat sich in Niedersachsen mit ihrem "Antizionismus"-Beschluss endgültig als nicht nur für Antisemitismus offene, sondern hochgradig antisemitisch durchsetzte Partei erwiesen.
Warum wählt die Jugend zunehmend diese Ränder? Wer die Gründe in ausgefallenen Sozialkundestunden in den maroden rheinland-pfälzischen Schulen und ansonsten in den emotionalisierenden Algorithmen der Social Media sieht, mag einen Punkt haben. Viele junge Leute informieren sich heute fast ausschließlich über soziale Medien. Bei den "älteren" Parteien hapert es auf diesem Feld noch oft. Die AfD hat bewiesen, dass sie "TikTok kann".
Diese Ergebnisse sind vor allem eins: Ausweis der Verunsicherung
Doch diese Ergebnisse sind vor allem eins: Ausweis der Verunsicherung. In einer Zeit der Multikrisen scheint für junge Menschen immer weniger Zukunft in einer Politik des "weiter so" zu liegen. Eine teils gescheiterte Migrations- und Integrationspolitik, deren Probleme zu lange geleugnet oder beiseitegeschoben wurden, befeuert diese Verunsicherung. Zugleich verfangen hier vermeintlich einfache Lösungen und Parolen.
Hohe Mieten, sich immer härter verschärfende soziale Ungleichheit und immer weiter schwindende Chancen auf sichere Perspektiven rauben Zukunft. Und auch hier verfangen vermeintlich einfache Lösungen und Parolen.
Die "großen" Koalitionen der schwindenden Mitte haben eine natürliche Tendenz zum "weiter so"-Problem, weil sie sich politisch oft neutralisieren. Damit befeuern sie den Frust über eine Politik, "die es nicht schafft". Das Dilemma bleibt: Solange an den Urnen nicht echte politische Alternativen im Sinne von Richtungsentscheidungen zur Wahl stehen, werden die Ränder weiter wachsen.