Die Tafel in Schweinfurter versorgt derzeit mehr als 1.000 Haushalte aus der Stadt und dem Kreis Schweinfurt mit Lebensmitteln, sagte Ernst Gehling, Vorsitzender des Vereins dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mehr als 4.500 Menschen besäßen einen Berechtigungsschein, weil sie die Bedürftigkeitsprüfung von Diakonie und Caritas durchlaufen hätten:

"Und ich bin überzeugt, dass noch einmal ein Vielfaches an Menschen auch eine solche Bedürftigkeit nachweisen könnte - aber aus verschiedenen Gründen dies nicht möchten."

Gehling berichtet von Menschen gerade in ländlichen Regionen, die nur wenige Hundert Euro Rente bekämen und somit problemlos auch bei der Tafel Kunde werden könnten: "Sicherlich ist das Schamgefühl ein Grund, das Angebot nicht wahrzunehmen. Auch der eigene Stolz mag ein Hindernis darstellen."

Verzicht aus Scham

Oder, die Betroffenen hätten schon einmal selbst erlebt, wie wirtschaftlich Schwächere ausgegrenzt oder erniedrigt werden.

"Tafel-Kunden berichten uns vereinzelt schon mal, dass sie blöd von der Seite angequatscht werden - mit Sätzen wie: 'Und, wie haben die gammligen Tomaten von der Tafel geschmeckt?' Das trifft und schreckt andere ab."

Der Vorsitzende ist seit 2015 bei der Tafel engagiert. Er legt großen Wert darauf, dass die Lebensmittel, die von den Tafeln ausgegeben werden, in einwandfreiem Zustand sind. "Das ist einer der großen Unterschiede zum Containern: Bei uns wird keine Kühlkette unterbrochen. Wir wissen, woher die Waren kommen", sagte Gehling.

Respekt statt Missgunst

Von der Gesellschaft wünscht er sich im 20. Jahr des Bestehens der Tafel Schweinfurt "mehr Respekt allen Menschen gegenüber" sowie weniger Neid und Missgunst: "Niemand stellt sich freiwillig bei uns eine Stunde für Lebensmittel in die Schlange, wenn er es nicht wirklich dringend nötig hat", betonte er.

Die Ankündigung der Staatsregierung, die Tafeln in Bayern dieses Jahr mit einer Million Euro - und damit dem etwa Zehnfachen der sonst üblichen Jahressumme - zu unterstützen, sei zwar gut gemeint, erläuterte Gehling: "Aber es löst das Problem nicht." Schließlich sei es nicht Aufgabe der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, Lebensmittel zu kaufen und anschließend zu verteilen.

"Es ist Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass die Menschen gar nicht erst in eine solche Lage geraten." Am besten wäre es, es bräuchte Vereine wie die Tafeln in einem wohlhabenden Land wie Deutschland nicht, sagte er.

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