Im Umgang mit Trauer und Verlust fühlen sich viele Menschen überfordert. Dabei braucht es nach Einschätzung des Trauerbegleiters Jörg Kabierske in Situationen des Abschieds und Verlustes vor allem ein offenes Ohr, emotionale Zuwendung und lebenspraktische Unterstützung.
Der menschliche Support sollte so gestaltet werden, dass der Trauernde "wieder mehr Kraft hat, dass er sich nicht mehr um lästige Routineaufgaben kümmern muss", sagte der 58-Jährige, der sich wissenschaftlich mit den Themen Sterben, Abschied und Trauer auseinandersetzt, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch der Einsatz von Online-Hilfsprogrammen kann ihm zufolge unterstützend wirken.
Die Qualität eines zuhörenden und mitfühlenden Menschen an der Seite des Trauenden sei von unschätzbarem Wert, sagte Kabierske. Die Empfindungen des Gegenübers aufzunehmen, Resonanz zu geben, helfe dem Trauernden, sich in seinen Emotionen verstanden zu fühlen.
"Das ist eine sehr heilsame Situation, wenn der Trauernde merkt, da gibt es ein Gegenüber, das bemerkt, wie es mir geht und bewertet es nicht."
KI in der Trauer: Hilfreicher Begleiter oder digitale Sackgasse?
Einen Trauernden bei Haushaltsroutinen zu unterstützen, wie es in den USA der Brauch ist, indem Freunde und Nachbarn gekochte Mahlzeiten vorbeibringen, kann sehr entlastend wirken. "Ein gestresster Mensch in einer Verlustverarbeitungssituation muss sich dann keinen Kopf mehr machen, ums Einkaufen, Wäschewaschen, Kuchenbacken oder die Kinder wegbringen", sagte Kabierske.
Das gelte für alle Phasen der Trauer, zu denen er auch Verluste und Abschiede zählt, wie eine Trennung, den Auszug der Kinder aus dem Haus oder den Verlust des Arbeitsplatzes.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Trauerbewältigung sei ein dynamisches und kontroverses Thema. KI könne in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden, um trauernden Menschen niederschwellige Therapie-Empfehlungen zu geben, sagte Kabierske. KI-gestützte Chatbots oder Avatare könnten auch hilfreich sein, indem sie Erinnerungen an den Verstorbenen ermöglichen oder symbolische Abschiede gestalten helfen.
Schwierig werde es, wenn der Trauernde durch den KI-Einsatz "in der alten Beziehung zum Verstorbenen steckenbleibt".
Chatbots oder Avatare sollten immer zu einer "Neumodellierung der Beziehung zum Verstorbenen" verhelfen, sagte er.
Ist das nicht der Fall, wenn es zu einer "mumifizierten Trauer" komme, empfiehlt er einen realen Therapeuten.