Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Evangelische Kirche im Rheinland entwickeln gemeinsam mit der EKD-Digitalisierungseinheit eine eigene datenschutzkonforme KI-Plattform mit dem Namen ELOKI – Evangelisch. Lernend. Offen. KI. Der neue Dienst soll Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie eine sichere und verantwortungsvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz ermöglichen. Jens Palkowitsch-Kühl betreut das Modellprojekt und erklärt im Sonntagsblatt-Interview, was das Tool kann und künftig tun soll.
Kirche und KI - passt das zusammen?
Palkowitsch-Kühl: Die bayerische Landeskirche entwickelt gerade verschiedene Möglichkeiten, wie Digitalisierung und digitale Formate im kirchlichen Alltag Einzug erhalten – was das für die Gesellschaft, was das für die Veränderung von Kirche bedeutet. Und als einer dieser Veränderungsprozesse sehen wir Künstliche Intelligenz. Wir haben deshalb eine eigene KI-Strategie geschrieben und als Beispiel dieser KI-Strategie ein exemplarisches Anwendungsfeld – nämlich Eloki – ins Leben gerufen.
Was kann das KI-Tool Eloki?
Eloki ist ein Akronym und steht für: evangelisch, lernend, offen, KI. Und Das haben wir nicht zufällig gewählt, sondern jedes Wort wollen wir so ein bisschen als Programm darstellen. Es ist eine gemeinsame KI-Plattform aktuell von zwei Landeskirchen – der Bayerischen Landeskirche als auch und der Evangelischen Kirche im Rheinland –, unterstützt durch die Evangelische Kirche Deutschland.
Und wie funktioniert Eloki?
Man loggt sich ein, und auf der Oberfläche erinnert es erstmal an kommerzielle Dienste wie ChatGPT. Man tippt dann eine Frage ein oder eine Aufgabe, bekommt dann eine Antwort – und dahinter steckt dann aber vielleicht doch was etwas grundlegend anderes als in bei den anderen Systemen. Aber: Die Daten laufen nicht über US-amerikanische Server, sondern über europäische Infrastruktur – technisch auch umgesetzt mit europäischen Cloud-Anbietern. Und wir wollen Mitarbeitende dazu motivieren, eigene Wissensdatenbanken anzulegen, perspektivisch auch eigene Tools zu ergänzen und das System praktisch mit den Nutzenden gemeinsam zu erweitern – mit der Perspektive: Wie kann künstliche Intelligenz in Kirche eingesetzt werden?
Gibt es schon konkrete Beispiele?
Wir haben gerade eine Pilotphase mit 100 Testnutzerinnen und Testnutzern. Und Für die Anmeldung wurde immer angegeben, was so das Szenario ist, in dem gerne Eloki eingesetzt werden würde. Wir brauchen zum Beispiel eine Gemeindesekretärin oder ein Gemeindesekretär, der Spendenbriefe entwirft, Kirchgeldbriefe verfasst, Einladungen formuliert, aus Protokollen einer Kirchenvorstandssitzung bestimmte Zahlen heraus extrahiert und dann in einer Tabelle darstellt, vielleicht auch das Beschlussbuch vervollständigt.
In der Bildungsarbeit beispielsweise zeigt sich das in Form von Workshop-Ausschreibungen, aber auch, dass ein Jahresprogramm irgendwie strukturiert wird – bis dahin, dass wir auch IT-Enthusiasten haben, die vielleicht so eine Art Python-Script mal schreiben, um eine Datenauswertung zu starten – und das ganz ohne Programmierkenntnisse. Das ist ja das Tolle an künstlicher Intelligenz, dass ich mit menschlicher Sprache das in Maschinensprache umwandeln kann.
Gibt es denn bereits erste Rückmeldungen?
Wir werden wahrscheinlich nie auf demselben Stand sein, was jetzt gerade Anthropic, Google und so weiter an neuen Funktionen herausbringen. Aber das, wofür wir gesagt haben, diese die Anwendungsszenarien , die ich jetzt auch aufgezählt habe, entwickelt haben, da bekommen wir durchweg positive Rückmeldungen. Also Es funktioniert ganz gut, etwas aus Protokollen herauszuziehen. Und man braucht auch keine Angst zu haben, dass die Protokolle irgendwie außerhalb der Kirchenblase genutzt werden, sondern es ist auch für die Mitarbeitenden toll, dass es ein sicheres System gibt und dass sie darauf vertrauen können, dass nichts anderes mit den Daten dort passiert. Also Das ist zum Beispiel eine positive Rückmeldung.
Wie geht die Kirche mit dem Thema Ethik um?
Auf unterschiedlichen Ebenen und Arten und Weisen. Jede Nutzerin und jeder Nutzer wird darüber informiert erstmal, dass er mit einer KI spricht – und das weiß er schon durch die Nutzungsbedingungen. Das ist eine rechtliche Anforderung nach dem EU AI Act. Das andere ist, dass wir sagen: Transparenz ist wichtig, auch in der Systemarchitektur. Wir werden das System nach den DSG-EKD-Richtlinien betreiben, also dem kirchlichen Datenschutzrecht, was an manchen Punkten vielleicht noch ein wenig strenger ist als die Datenschutz-Grundverordnung. Und wir möchten nicht profitorientiert arbeiten. Das heißt, wenn irgendwie Gelder entstehen in diesem Eloki-Projekt, also Überschüsse, dann fließen sie zurück in die Plattform.
Wie ist das in der Struktur verankert?
Es sind keine Hochrisikoanwendungen erlaubt, oder in der Plattform dürfen keine Hochrisikoanwendungen stattfinden. Es wird ein Steuerungsgremium, in dem darüber entschieden wird, welchen Funktionsumfang, welche Sprachmodelle wir einbinden. Und wir wollen die Mitarbeitenden in der Richtung schulen, dass sie auch wissen, wie das System verantwortlich und werteorientiert eingesetzt wird.
Podcast zur nachhaltigen Transformation
Das Interview ist ein redigierter und gekürzter Auszug aus dem Podcast "Ermutigende Blickwinkel" mit Moderator David Bargiel von der Evangelischen Bank, die sich mit der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Untersucht wird, wie sich Arbeitsweisen verändern, welche Chancen neue Technologien eröffnen und wie Organisationen diese Entwicklung aktiv und werteorientiert mitgestalten können – insbesondere in Kirche, Gesundheits- und Sozialwirtschaft.