Großeinsatz der Polizei im Münchner Norden
Am Mittwochmorgen kam es zu einem Großeinsatz der Polizei im Münchner Norden: Ein Wohnhaus und mehrere Autos standen in Flammen. Der Tatverdächtige, der offenbar auch Sprengfallen gelegt hatte, ist tot. Bei dem Einsatz wurde ein Drohschreiben gegen das Oktoberfest gefunden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verkündete in einem Instagram-Video die Schließung des Oktoberfestes bis mindestens 17 Uhr. "Man kann das Risiko nicht eingehen, Menschen aufs Oktoberfest zu lassen", sagte er. Dabei bestätigte er den Zusammenhang zwischen der aktuellen Bedrohungslage und der Straftat im Münchner Norden. Gegen 16.30 Uhr gab Reiter auf Instagram bekannt, dass die Wiesn ab 17:30 Uhr wieder geöffnet werde.
Schausteller zwischen Sorge und Professionalität
Für die Beschäftigten auf der Wiesn – darunter Schausteller, Budenbesitzer und Bedienungen – sind solche Gefahrenlagen wie heute eine bedrückende Erfahrung. "Am Samstag fast eine Massenpanik, am Mittwoch nun eine Bombendrohung: Das ist sehr bedrückend für die Schausteller", sagt Torsten Heinrich, Leiter der Circus- und Schaustellerseelsorge der EKD.
Schausteller seien hochengagiert, wollten ihren Beruf ausüben und für die Besucher ein schönes Fest gestalten.
In schwierigen Situationen wie einer Bombendrohung oder drohender Massenpanik gebe es daher "Herzweh, Trauer und Wut".
Zugleich gehen sie sehr professionell mit Sicherheitskonzepten um, die auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten mittlerweile zum Job gehören. Die Schausteller wissen, dass sie im schlimmsten Fall hochgefährdet sind, lassen sich aber ihr Lebensgefühl nicht von Angst bestimmen.
Neben der psychischen Belastung kommen wirtschaftliche Sorgen hinzu: Wird das Oktoberfest geschlossen, fallen Einnahmen weg, weniger Besucher kommen, Fahrgeschäfte müssen aufgebaut, Standpreise bezahlt und Arbeitskräfte organisiert werden.
Seelsorge für Schausteller – ein besonderes Engagement
Auch Sascha Ellinghaus, Leiter der katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge, betont die Professionalität der Schausteller: Sie arbeiten eng mit Veranstaltern und Behörden zusammen und verstehen die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen. "Sicherheit hat für sie oberste Priorität", sagt Ellinghaus.
Der Schausteller-Beruf sei für viele auch eine Berufung. Sie wollen eine fröhliche Atmosphäre schaffen, Freude verbreiten und den Menschen eine Abwechslung vom Alltag bieten. Permanente Angst vor Unglücken und Katastrophen spiele kaum eine Rolle, die Freude über das Volksfest überwiege.
Schausteller-Seelsorger begleiten die Beschäftigten auf Volksfesten und Zirkussen, etwa bei Kasualien wie Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Auf der aktuellen Wiesn tauften sie ein Kind und segneten ein neues Fahrgeschäft ("Skylift") sowie einen neuen Ausschank. Torsten Heinrich betont:
"Wir dürfen diese Gruppe, die so viel für die Menschen und Feste bewegt, nicht allein lassen. Auch sie brauchen stabile Beziehungen – genauso wie Menschen in einer Ortsgemeinde."