Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski hat sich erneut einem seiner Lieblingsthemen gewidmet: der Jugend. In seiner neuesten Publikation fordert er die nächste Generation auf: "Nehmt eure Zukunft in die Hand! Message an die nächste Generation", wie sein neues Buch heißt, das im Münchner Claudius Verlag erscheint. Darin informiert er die Jugend, "was sie in Zukunft erwartet und wie sie ihr Leben bis dahin meistern kann", sagte er am Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz.

Während es in den 1970er Jahren noch eine Übermacht der Jugend gegeben habe, hätten sich die Lage heute umgekehrt. "Wir erleben eine Ohnmacht der jungen Generation." Opaschowski forderte die heutige Jugend auf, sich zu wehren und zu handeln. Obendrein machte er ihr Mut zum Tun. "Risiken minimieren und Chancen nutzen. Ich vertraue der Enkelgeneration", sagte er. Nur die jungen Menschen selbst könnten Akteure ihrer Zukunft sein.

Kritik an aktueller Politik: Zukunftsfähige Visionen fehlen

Junge Menschen wachsen ihm zufolge heute in einer Ära der Polykrisen auf, mit massiven ökonomischen Belastungen. Sie könnten nicht erwarten, den Wohlstand ihrer Elterngeneration zu halten. Dafür kritisierte er die aktuelle deutsche Politik, weil sie keine zukunftsfähigen Visionen liefere. Die Jugend solle sich aktiv gegen die Übertragung von Schulden wehren:

"Sonst erbt ihr die Schulden von heute als Steuern von morgen."

Dem Buch liegen empirische Daten zugrunde aus einer repräsentativen Befragung von Mai dieses Jahres. Dabei wurden 1.000 junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren befragt. Demnach sind 92 Prozent der befragten jungen Männer zur Gegenwehr bereit, weibliche Jugendliche zu 86 Prozent, sagte er. Das ließe hellhörig werden, weil es einen möglichen Generationenkonflikt mit einschließe. Denn die übrige Bevölkerung demonstriere mit 79 Prozent relative Gelassenheit. "Wir zahlen nicht für eure Krise."

Neuer Typus des "Lebensunternehmers"

Opaschowski machte deutlich, dass mit dem bisherigen Verständnis von Sozialstaat und gesetzlichem Generationenvertrag nicht weiterzukommen sei. Andernfalls lebten die Älteren auf Kosten der Jüngeren und brächten sie um ihre Zukunftschancen. Sein Lösungsvorschlag an die Enkelgeneration: "Ein neuer Generationenvertrag muss her."

Dieser Pakt sei nicht mehr nur staatliche Aufgabe, sondern "als privater Pakt muss er zum sozialen Netz der Zukunft und eine gelebte Solidarität zwischen den Generationen werden", sagte der Zukunftsforscher weiter.

Seine Untersuchung identifiziere die junge Menschen als Krisenprofis, Sinnsucher und stellte sie als" neuen Typus des Lebensunternehmers" heraus. Der abhängig und unselbstständig Beschäftigte könne in Zukunft nicht mehr das Leitbild sein, sagte er. Vor allem sollten junge Menschen "finanziell auf Nummer sicher" gehen und ihre "eigene Renten-Zukunft selber bauen". Es ging Opaschowski auch um Generationensolidarität. Dazu gehört ihm zufolge auch, dass die Boomer-Generation als "Gewinner des Lebens" bereit seien, an die "Gen Z" (1995 bis 2010) zurückzugeben.