28.10.2012
Das Beste aus der Bibel

Füße in der Bibel

Herbstzeit ist Wanderzeit. Manch müder Wanderer kommt da mit dampfenden Füßen zurück. Lange Fußmärsche kannten auch die Menschen in biblischen Zeiten. Kein Wunder, dass es damals zum guten Ton gehörte, Gästen zunächst ein Fußbad zu gönnen.
Füße einer Statue

Mit oder ohne Schuhe? - Matthäus 10; Markus 6, 7ff

Als Jesus seine Jünger aussandte, gebot er ihnen, "nichts mitzunehmen auf den Weg als allein einen Stab, kein Brot, keine Tasche, kein Geld im Gürtel und nicht zwei Hemden anzuziehen". Ob die Jünger auf den langen Fußmärschen Schuhe tragen sollten oder nicht, darüber sind sich die Evangelisten uneinig. Einig aber sind sie sich, dass Jesus die Jünger aufforderte: "Wo man euch nicht aufnimmt und nicht hört, da geht hinaus und schüttelt den Staub von euren Füßen zum Zeugnis gegen sie." (Matthäus 10, Markus 6, 7ff)

"Schüttelt den Staub von euren Füßen!"

Fußwaschungen - Johannes 13; Lukas 7, 36 ff

Anderen die Füße zu waschen galt zur damaligen Zeit auch als Demutsgeste. Nachdem Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, erklärt er daher auch: "Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht. Wenn nun ich euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat." Evangelist Lukas erzählt von einer Sünderin, die Jesu Füße mit ihren Tränen benetzte, sie mit den Haaren trocknete und sie mit kostbarem Öl salbte. Der Hausherr, bei dem Jesus zu Gast war, verstand nicht, warum Jesus sich von einer Sünderin anfassen ließ. Doch Jesus wies ihn zurecht: "Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet." (Johannes 13, Lukas 7, 36ff)

"Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt."

Siegerpose - Josua 10, 24

Einen Fuß auf den Nacken der am Boden liegenden, besiegten Gegner stellen: Das war zu biblischer Zeit die Pose des Überlegenen. Und so forderte Josua, der gerade dabei war, Kanaan zu erobern, seine Männer auch dazu auf, den Fuß in den Nacken der besiegten Könige zu stellen: "Als die fünf Könige zu ihm herausgebracht waren, rief Josua alle Männer Israels zu sich und sprach zu den Obersten des Kriegsvolks, die mit ihm zogen: Kommt her und setzt eure Füße auf den Nacken dieser Könige." (Josua 10, 24)

"Sie kamen und setzten ihre Füße auf ihren Nacken."

Fuß abhacken? - 5. Mose 19, 21; Markus 9, 45

Wenn jemand seinem Nächsten schaden will, "so sollt ihr mit ihm tun, wie er gedachte, seinem Bruder zu tun, damit du das Böse aus deiner Mitte wegtust, auf dass die anderen aufhorchen, sich fürchten und hinfort nicht mehr solche bösen Dinge tun. Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß", heißt es im 5. Buch Mose. Dieser grausam klingende biblische Ratschlag sollte nicht etwa der Gewalt Vorschub leisten, sondern sie eindämmen. Verbrechen sollten nicht mit immer noch härteren Strafen vergolten werden, sondern mit einer gleichwertigen. Aber die Bibel ruft auch zur Selbstkontrolle auf: "Wenn dich dein Fuß zum Abfall verführt, so haue ihn ab!" (5. Mose 19, 21, Markus 9, 45)

"Es ist besser für dich, dass du lahm zum Leben eingehst, als dass du zwei Füße hast und wirst in die Hölle geworfen."

Hand oder Fuß - 1. Korinther 12

"In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller", meint Paulus im Brief an die Korinther. Eine Gemeinde funktioniere daher auch wie ein Leib mit vielen Gliedern. Jedes bringe sein spezielles Talent in die Gemeinschaft ein. Keines sei nutzlos, jedes habe seinen eigenen Wert, betont Paulus: "Wenn aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte er deshalb nicht Glied des Leibes sein?" Denn "wenn ... alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib"? (1. Korinther 12)

"Wenn aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte er deshalb nicht Glied des Leibes sein?"

Auf ebener Bahn - Sprüche 4, 26; Psalm 31, 9; 40, 3; 121, 3

"Lass deinen Fuß auf ebener Bahn gehen, und alle deine Wege seinen gewiss", mahnt die Bibel. Doch sie weiß auch, dass es nicht immer so leicht ist, auf dem Lebensweg nicht ins Straucheln zu geraten. Gottvertrauen kann da hilfreich sein, wussten schon die Psalmbeter und dankten Gott. "Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht." Und auch wenn einmal ein Fehltritt passiert ist: "Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann." (Sprüche 4, 26, Psalm 31, 9)

"Du stellst meine Füße Gottes auf weiten Raum."

Der Fußschemel Gottes - Weisheit 14, 19; Sirach 38, 28

Die Bundeslade, ein wichtiges Heiligtum im alten Israel, galt als Zeichen der Gegenwart Gottes. In dem vergoldeten und mit Engelswesen, den Cherubim, geschmückten Holzkasten wurden nach biblischer Überlieferung die Tafeln mit den Zehn Geboten aufbewahrt. Im Tempel soll sie später als Fußschemel Gottes unter dem Cherubimthron gedient haben. Den Plan zu diesem Tempelbau hatte König David, gebaut hat ihn dann sein Sohn Salomo. Als David dem Volk seinen Sohn vorstellte, sagte er: "Ich hatte mir vorgenommen, ein Haus zu bauen als Ruhestätte für die Lade des Bundes des Herrn und für den Schemel der Füße unseres Gottes." (Weisheit 14, 19, Sirach 38, 28)

"Ein Haus für den Schemel der Füße unseres Gottes."

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