23.02.2020
Evangelische Morgenfeier

Predigt: Ein verrücktes Liebeslied (Psalm 73)

In den Mittelpunkt ihrer Evangelischen Morgenfeier stellt Professorin Johanna Haberer ein Kirchenlied, "Jesu meine Freude". "Ein furchtbar altes Lied ist das, aber man spürt: es ist eine Art Brautwalzer. Liebesschwüre für Jesus. Der Glaube als ein erotisches Abenteuer. Man spricht nicht oft darüber, aber unsere Kirchenlieder sind voll davon."
Jesu, meine Freude

Die Welt ist verrückt in diesen Faschingstagen. Wir schlüpfen in tausend Rollen und wir tanzen und singen und trinken und lachen. Die Kinder werfen ein Bärenkostüm über, werden zum kleinen Tiger, drohen als schwarze Ritter, treten auf als Indianersquaws oder der Welt schönste Prinzessinnen. Und die Erwachsenen stellen die Welt auf den Kopf, sie derblecken die Mächtigen und rütteln an den Ordnungen, die wir vorfinden und die unser Leben bestimmen. Und sie verlieben sich immer wieder und allenthalben. Es ist ein Riesenspaß und die Lachsalven werfen ihr Echo durchs Land von Köln über Mainz bis nach Veitshöchheim. Und dann am Dienstagnacht ist Schluss. Stopp um Mitternacht. Die äußere Welt wird abgeschminkt und die Innere macht sich auf den Weg.

"Siehe wir gehen hinauf nach Jerusalem" - das ist das Motto des heutigen Sonntags, und es markiert den Beginn einer inneren Pilgerreise für die nun kommenden Wochen der Passionszeit. ….Wir folgen jetzt einem anderen, der unsere Welt auf den Kopf stellt, einem anderen Verrückten, einem anderen, der zum Verlieben ist. Wir gehen den Passionsweg unseres Heilands. Der Weg für Liebhaber und Liebhaberinnen.

Der Glaube als erotisches Abenteuer

Jesu, meine Freude,
meines Herzens Weide,
Jesu, meine Zier.
Ach, wie lang, ach lange
ist dem Herzen bange,
und verlangt nach dir!
Gottes Lamm, mein Bräutigam,
außer dir soll mir auf Erden
nichts sonst Liebers werden.

"Jesu meine Freude": Ein furchtbar altes Lied ist das, aber man spürt: es ist eine Art Brautwalzer. Liebesschwüre für Jesus. Der Glaube als ein erotisches Abenteuer. Man spricht nicht oft darüber, aber unsere Kirchenlieder sind voll davon: "Ach wie lang ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach Dir."

Wenn die Kirchgänger sich heute in den Kirchenbänken sehen könnten, wie brav und bieder, wie spaßbefreit sie das singen, dann käme doch niemanden in den Sinn, den Glauben als das zu erleben was er ist: ein lebenswichtiger, spielentscheidender Faktor in meinem Leben. Ein Formatierung meines Lebens, in die ich alles eintrage, was da vorfällt. Das Grundvertrauen, die Zuversicht und die Liebe, die das Leben im Glauben durchzieht wie eine Musik. Die alten Dichter und Liedermacher wussten davon.

Niemand würde den liederdichtenden Ratsherrn und Juristen Johann Franck aus der Lausitz heute noch kennen, hätte er nicht dieses Lied geschrieben: Jesu meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu meine Zier.... Die Leidenschaft darin, die Wucht auch, die Wut und der Trotz, die Ermunterung, das Aufrechte darin hat Generationen von Menschen immer wieder beim Singen aufgerichtet und getragen.

Textvorlage Psalm 73

Der dichtende Jurist Johann Franck hat dabei nichts anderes getan, als einen dreitausend Jahre alten Text zu modernisieren. Nämlich: Den 73. Psalm. Dieser Psalm klagt über die Erfahrung, dass immer die zu gewinnen scheinen, die die Regeln brechen. Die sich nicht um Verantwortung und Gerechtigkeit scheren.

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten. Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging. Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt. Darum prangen sie in Hoffart und hüllen sich in Frevel. Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie tun, was ihnen einfällt. Sie höhnen und reden böse, sie reden und lästern hoch her. Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das soll gelten auf Erden. Darum läuft ihnen der Pöbel zu und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen. Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen? Wie sollte der Höchste etwas merken? Siehe, das sind die Frevler; die sind glücklich für immer und werden reich......Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. (Psalm 73, 1-11+23-26)

Johann Franck wird in dem Jahr geboren, in dem der Dreißigjährige Krieg ausbricht, in dem die katholische und die evangelische Welt, die Fürsten und die Kaiser und Päpste, die alte und die neue Zeit aufeinanderprallen. "Jesu meine Freude" das Gedicht schreibt er dann - mit etwas über 30 Jahren -  kurze Zeit nach dem Ende dieses mörderischen Vernichtungskampfes. Dreiviertel der Bevölkerung in Zentraleuropa ist tot. Vernichtet. Verbrannt. An der Pest verreckt. Das Land ist ein Friedhof. Es sieht so aus und es riecht so. Die Menschen sind verängstigt und verschreckt.

Und dann nimmt ein Mensch den Mund so voll...: "ach so lang ach lange war dem Herzen bange aber: außer Dir soll mir auf Erden sonst nichts Liebers werden". Wer singt da? Wer ist das singende "Ich"? Ich stelle mir vor, das Lied ist so etwas wie das Pfeifen im dunklen Wald. Trotzig singt da ein Ich gegen den Schmerz an, gegen die Schuld, die Angst vor der Zukunft, gegen den Hunger und den Tod. Und gegen das Unrecht, gegen die Volksverführer und Verhetzer, die die Menschen überhaupt in diesen totalen Krieg aller gegen alle hineingetrieben haben. Unser lyrischer Jurist hat die Wut und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit des 73. Psalms aus dem Alten Testament umgedichtet in ein Liebeslied auf Jesus den Heiland, ein Liebeslied: das es in sich hat.

Und - ein weiterer Künstler Johann Krüger, ein Musiker, der damals so bekannt war wie Abba, Sting oder Pete Seeger heute, hat dazu eine unsterbliche Melodie geschrieben. Und weil schon diese Kombination von Dichtung und Musik so toll war, hat hundert Jahre später Johann Sebastian Bach dieses trotzige und vollmundige Lied zu einem filigranen geistlichen Kunstwerk verfeinert. Er komponiert eine Mottete und kombiniert das Lied "Jesus meine Freude" mit leisen nachdenklichen Texten des Apostel Paulus aus dem Römerbrief.

Man kann an der Herkunft und Geschichte dieses Liedes "Jesu, meine Freude" wie unter einem Brennglas beobachten, wie sich Menschen leidenschaftlich auf den Weg machen, um ihr Verhältnis zu Gott zu klären: erst vor 3000 Jahren im Psalm, der sich über das unverschämte Glück der Systemsprenger und der Disruptoren beschwert. Dann vor 450 Jahre ein Dichter, der sich in die Liebe zu Gott schmiegt, um diese Ungerechtigkeit und die fast untröstliche Trauer zu überleben. Und dann wieder hundert Jahre später ein Komponist namens Johann Sebastian Bach. Er erkennt in dieser gewachsenen Lied-Text Kombination das Potential für einen Song, wie ein Mensch zu einem gewissen Glauben kommen kann, zu einem Glauben der ihn sturmfest werden lässt, gegen die Erschütterungen der persönlichen und der politischen Welt. Nicht unberührbar, nein sondern gewiss mit Christus auf der richtigen Seite zu stehen. Das ist nicht in jedem Fall die Seite der Gewinner, aber auf die lange Strecke schon, davon singen die Texte seit über 3000 Jahren.

Unter deinen Schirmen
bin ich vor den Stürmen
aller Feinde frei.
Lass den Satan wittern,
lass den Feind erbittern,
mir steht Jesus bei!
Ob es itzt gleich kracht und blitzt,
ob gleich Sünd und Hölle schrecken;
Jesus will mich decken.

Der Glaube als großes Trotzdem

Das Lied "Jesu meine Freude" ist 1656 gedichtet und aufgeschrieben. Es ist einem Liebeslied nachgedichtet... mein Bräutigam heißt es da von Jesus: außer Dir kann mir auf Erden, sonst nichts Liebers werden ... Das meint: ich kann zum Eigenschutz meiner Seele und meines Geistes in Christus eine geistliche Wohnung aufschlagen, in der mein Ich – meine Seele, mein Geist - beschirmt, beschützt, zugedeckt ist, auch wenn alle Gewissheiten um mich herum in sich zusammenbrechen.

Ich bin frei – innerlich. Ich folge dem Geist Christi, der auferstanden ist, der den Schmerz hinter sich gelassen hat.  Der mir eine Melodie der Freiheit schenkt. Diese Melodie zaubert die Welt nicht schön. Nimmt mir auch nicht Leid und Furcht. Aber lässt mich gelassen und gewiss werden. Ja fröhlich: Trotz! Trotz! Trotzalledem

Trotz dem alten Drachen,
trotz des Todes Rachen,
trotz der Furcht dazu!
Tobe, Welt, und springe;
ich steh hier und singe
in gar sichrer Ruh!
Gottes Macht hält mich in acht;
Erd und Abgrund muss verstummen,
ob sie noch so brummen.

"Tobe Welt und springe, ich steh hier und singe in gar sich´rer Ruh" Was ist das für eine Weltsicht, wie kommt einer zu solch einer getrosten Lebenshaltung und wer kann von sich sagen, er oder sie habe solche Gewissheit in sich? Sind das die, die sich Christen nennen? Die Kirchensteuerzahler, die Getauften oder die, die fehlerfrei und ohne Ruckeln das Glaubensbekenntnis aufsagen können?

"Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit", sagt Paulus...oder der Kirchenvater Augustinus sagt: "Liebe und tu was Du willst". Der Geist Christi ist also der Geist der Liebe zunächst ganz unabhängig davon, ob einer sich als getaufter Christ fühlt oder eine sich im Kirchenvorstand engagiert.

Die Kirche ist der wichtige Ort, wo diese Texte und Ideen aufbewahrt werden: Die Idee, dass die Welt zusammengalten wird vom Geist der Liebe. Das heißt umgekehrt, wir wissen auch sehr genau, wo der Geist Christi nicht herrscht. Bei denen, die hassen. Ganz einfach: bei Menschen, die andere Menschen hassen.

In Christi Namen geht das nicht. Wir sind seit Beginn des neuen Jahrtausends einer islamischen Hasskultur begegnet, die sich auf Muslime gleichermaßen wie auf Christen richtet. In den letzten Jahren begegnen wir immer stärker einer sich zusammenrottenden Hasskultur von selbsternannten Verteidigern des sogenannten "Christlichen Abendlandes". Sie sammeln sich im Netz, sie sprechen von "Invasoren" statt von Geflüchteten, sie zünden Asylbewerberunterkünfte an. Im Frühjahr vergangenen Jahres ging in Neuseeland ein Mann schwerbewaffnet in zwei Moscheen und erschoss betende Menschen, filmte sich dabei und Teile der Netzgemeinde jubelten ihm zu. Zum höchsten Feiertag der Juden, dem Versöhnungstag Jom Kippur, versuchte ein schwerbewaffneter Mann betende Menschen jüdischen Glaubens in der Synagoge von Halle zu erschießen.

Auf Christus kann sich keiner dieser Hasser berufen. Wer sich auf Christus beruft, ist auf der Seite der Opfer. Der hat eine unsichtbare innere Orientierung, die eine ganz eigene Integrität schafft. Ein Vollständig- und Ganz- und Heilsein, das seinen Ursprung nicht von dieser Welt hat. Wer sich auf Christus beruft, zwingt sich und andere in diesem reichen Land immer wieder die Perspektive der Armen einzunehmen, der Ohnmächtigen.

Wer Christi Geist hat, der sprengt die tödlichen Strukturen von Eigensucht und Selbstoptimierung: dieses letztlich Tödliche in sich selbst verkurvt sein, wie Martin Luther sagen würde. Wer diesen Geist der Freude hat, steht für Lebendigkeit. Eine Lebendigkeit, die Lust auf Leben hat, die aufbricht und riskiert und zukunftsfroh lebt. Die nicht in der Vergeblichkeit und in der Oberflächlichkeit, nicht in der Trauer und im Blick zurück erstarrt.

Weg mit allen Schätzen,
du bist mein Ergötzen,
Jesu, meine Lust!
Weg, ihr eitlen Ehren,
ich mag euch nicht hören,
bleibt mir unbewusst!
Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod
soll mich, ob ich viel muß leiden,
nicht von Jesu scheiden.

Schutzmantel der Liebe

"Denen, die Gott lieben, wird auch ihr Betrüben lauter Zucker sein...Duld ich schon hier Spott und Hohn dennoch bleibst Du auch im Leide: Jesu, meine Freude." Das klingt nach mehr als Pfeifen im Walde. Wo nur hat dieser Sänger seine Gewissheit her? Wie kommt er in diese schützende und schirmende Hülle von Zuversicht? Wer schickt ihm die? Wo wächst die? Um Himmels Willen, wo ist da der Trick? Wo pflückt man Tapferkeit, wo kauft man Mut ein? Wo erntet man Widerstand?

Eine solche Haltung zeugt davon, dass einer nach allen Kämpfen und Klagen über die Ungerechtigkeiten der Welt, nach einem langen inneren Weg, sich so etwas wie einen Schutzmantel zugelegt hat. Wir kennen so etwas ja aus den Superman-Filmen oder aus alten Mythen wie den Nibelungen, die vom scheinbar unverwundbaren Siegfried berichten. Oder Harry Potter, der mit der Narbe. Der umhüllt ist von der Liebe seiner Mutter, die ihn, als er ein Kind war, vor einem tödlichen Angriff gerettet hat, sich dazwischen wirft und stirbt. Die Jüngeren kennen das. Dieser Harry lebt bis heute von der Liebe seiner Mutter.

Dieses Motiv kennt auch unser Choral: Der Schutz des Christus, der aus Liebe gestorben ist, macht nicht unverwundbar, bewahrt nicht vor Leid und Krankheit und Tod, macht das Leben nicht glatt. Er erspart keine Scheidungen und keine drogenabhängigen Kinder, keine Schicksalsschläge, Verluste und Zurückweisungen. Der Schutz des Christus macht nicht unverwundbar. Er schenkt Trost in der Trauer, Zuversicht im Schmerz. Lachen mitten im Weinen. Leben mitten im Sterben. Unser Sänger ist einen langen Weg gegangen und dieser Weg führte ihn in ein großes Trotzdem.

Der Apostel Paulus schreibt in seinem weltbewegenden Brief an die Römer von seiner Unverwundbarkeit, die mit körperlicher oder seelischer Unversehrteit nichts zu tun hat. Er schreibt von einer Unverwundbarkeit vor Gott, die die Grenze des Todes irrelevant macht. Der den Tod lachhaft werden lässt. Er ist gewiss, dass Gott diese Grenze des Todes mit der Auferstehung Jesu Christi für nichtig erklärt hat. Es ist egal, ob unser Geist und unsere Seele in einem Körper stecken oder auf andere Weise mit Gott verbunden sind: Paulus schreibt in seinem letzten Brief als eine Art Vermächtnis:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Röm 8, 38-39)

Gewissheit der Mutchristen

Das ist das Geheimnis dieser Mutchristen, die das Liebeslied "Jesu, meine Freude" trällern: Sie sind gewiss. Sie haben eine Gottesbeziehung, die so vertraut und tief ist, dass sie wissen, dass weder das Sterben noch ein schweres Leben, dass auch keine Zwischenmächte, seien es politische oder geistige, sie von Gott und seinem Weg für die Welt trennen kann. Keine Zukunftsangst muss man haben, auch keine Angst vor der Gegenwart und ihren Gefahren. Keine Hierarchien machen klein und keine Abgründe schrecken.

Unser Sänger singt von einer unbeschreiblichen Geborgenheit, die den Höllen dieser Welt trotzt. Aber dieses große Trotzdem, das kann man nicht aus sich selbst heraus schaffen. "Siehe wir gehen hinauf nach Jerusalem ..." Das ist ein Weg, der immer wieder gegangen werden muss – durch die Passionen der Welt und der Zeit hindurch. Was unseren Sänger so kraftvoll macht ist, dass er gewiss ist, der Gegner des Menschen ist nicht der Tod. Er weiß, dass Lebendigkeit keine Frage der Hirnströme, des Herzschlages und der Nervenzellen ist, sondern, dass Lebendigkeit Verbindung bedeutet. Die Verbindung meiner Seele mit Gott und den Menschen in Liebe.

Ich denke, es ist für uns Menschen ein weiter Weg – einfach den Tod für nichtig zu erklären! Aber nichts anderes bedeutet die Botschaft von der Auferstehung. Wenn wir begreifen, dass Leben viel mehr ist als ein funktionierender Körper, dann begreifen wir auch, was die Religionen meinen – übrigens nicht nur die christliche – wenn sie gewiss sind, dass wir Gott gehören und dass unser Körper ein vorübergehendes Geschenk ist, das wir einst gerne zurücklassen, wie ein Schmetterling seine Larve.

Das meint Paulus auch, wenn er an anderer Stelle schreibt, dass der Glaube an Christus und die Predigt darüber Schrott und Mist und Scheiße sind – ja so drastisch formuliert er das! - , wenn wir nicht von der endgültigen Überwindung des Todes überzeugt sein können. Im immer wieder neuen Versuch, die Macht des Todes, den Todesrachen sozusagen zu überwinden, liegt das Geheimnis der Geborgenheit.

Wenn wir glauben dürfen, dass unser kleines Leben – ganz egal wie lange es dauert – von Gott gewollt und sinnvoll ist und wenn wir glauben dürfen, dass die Liebe zur Welt und zum Nächsten, die beste Idee Gottes für uns Menschen ist, dann wächst uns vielleicht dieses Trotzdem zu. Dieser Mut. Diese Geradlinigkeit, diese Lebensfreude, die sich auch durch Leiden nicht hinwegpusten lässt.Diese Lebensfreude, die uns aus allem Schmerz wieder aufwachen und aufstehen lässt. Weil es Wichtigeres gibt als Schmerz und Tod.

Weicht ihr Trauergeister
denn mein Freudenmeister,
Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben,
muss auch ihr Betrüben
lauter Freude sein.
Duld ich schon hier Spott und Hohn,
dennoch bleibst du auch im Leide,
Jesu, meine Freude.

Evangelische Morgenfeier vom 23.10.2020 mit Professorin Johanna Haberer, Erlangen, Thema: Ein verrücktes Liebeslied (Psalm 73)

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