Grönland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Protestant:innen weltweit. Den höchsten Anteil haben die Pitcairninseln mit 100 Prozent, allerdings leben dort nur 47 Menschen. Es folgt der Mikrostaat Tuvalu mit 98,4 Prozent Protestanten bei knapp 10.000 Einwohnern.
Grönland liegt in dieser Statistik prozentual auf Platz drei: Von den rund 56.000 Einwohner:innen gehören 95,5 Prozent dem protestantischen Glauben an.< /p>
Das hat viel zu tun mit dem Land, zu dem Grönland immer noch gehört: das Königreich Dänemark. Die Kalaallit (das grönländische Wort für "Grönländer:innen”) verwalten ihr Land zwar politisch weitgehend selbst, sind in vielen Bereichen aber noch von Dänemark abhängig und kulturell stark von dort beeinflusst.
Von der Inuit-Religion zum Christentum
Traditionell war in Grönland die Religion der Inuit verbreitet. Sie praktizierten den Animismus, also den Glauben, dass alle Tiere, Pflanzen und sogar leblose Dinge eine Seele haben, sowie den Schamanismus, der an götterähnliche Geister glaubt.
Im 18. Jahrhundert wurde dieser Glaube durch Missionare der Dänischen Mission und der Herrnhuter Brüdergemeine nach und nach durch das Christentum ersetzt. Im Jahr 1900 wurde die Herrnhuter Brüdergemeine in die Dänische Mission überführt.
Seit 1905 existiert die Grönländische Volkskirche als Teil der Dänischen Volkskirche. Ihre derzeitige Vorsitzende ist die Bischöfin von Grönland, Paneeraq Siegstad Munk.
Andere Religionen spielen in Grönland kaum eine Rolle:
- 0,2 Prozent der Bevölkerung sind katholisch.
- 0,4 Prozent gehören anderen christlichen Glaubensrichtungen an.
- 0,2 Prozent sind Atheist:innen.
- 2,3 Prozent sind Agnostiker:innen.
- 0,26 Prozent sind Bahai-Anhänger:innen, die einzige nicht-christliche Religionsgemeinschaft auf Grönland.
Obwohl Schamanismus kaum noch praktiziert wird, ist der Glaube an Geister in der grönländischen Kultur weiterhin tief verankert. Etwa die Hälfte der Bevölkerung glaubt daran.
Allgemein praktizieren die meisten Grönländer:innen ihren Glauben jedoch nicht aktiv. Dennoch ist die Kirche ein bedeutender Bestandteil des sozialen Lebens. Ein Großteil der Bevölkerung ist getauft, konfirmiert und kirchlich getraut. Gottesdienste sind gut besucht und in vielen Städten und Dörfern übernimmt die Kirche auch soziale Aufgaben.
Hans Egede: Der Missionar, der Grönland für Dänemark sicherte
Aktuell wird wieder darüber gesprochen, dass US-Präsident Donald Trump Grönland für die USA erwerben möchte. Dabei gehört Grönland bereits seit dem 18. Jahrhundert zu Dänemark – nicht zuletzt dank eines evangelischen Pfarrers.
Hans Egede segelte mit einem Boot zu einer Insel vor der Küste Grönlands und gab ihr den Namen "Håbets Ø” – also "Hoffnungsinsel”. Eigentlich war er auf der Suche nach einer jahrhundertealten Siedlung seiner Vorfahren im Nordatlantik. Doch er traf auf dem grönländischen Festland auf das Volk der Inuit.
Drei Jahre später taufte Egede die ersten Inuit-Kinder, baute eine Kirche und gründete eine Siedlung, aus der später die grönländische Hauptstadt Nuuk hervorging. Kurz darauf begann Dänemark mit der Kolonialisierung der Insel.
Noch heute erinnert eine im Jahr 1922 errichtete Statue in Nuuk an den Missionar. Doch seine Rolle in der grönländischen Geschichte wird mittlerweile kritisch gesehen. So wurde die für 2021 geplante 300-Jahr-Feier zu seiner Ankunft im Jahr 1721 abgesagt, da die Grönländer:innen die Kolonialisierung ihres Landes nicht feiern wollten.