Am Strand von Mallorca, wo normalerweise Bässe aus dem Megapark dröhnen und der Sangria fließt, geschieht in diesen Tagen etwas Unerwartetes: Unter einem beleuchteten Holzkreuz versammeln sich junge Christ*innen. Sie singen Lobpreislieder und sprechen über Gott – mitten am Ballermann.

"Würde Jesus heute über die Erde laufen, wäre er auch hier." Davon ist Johannes Baumann aus Bielefeld überzeugt. Seit 15 Jahren veranstaltet die Initiative "Reach Mallorca" aus Deutschland und der Schweiz Strandgottesdienste direkt an der Platja de Palma. In diesem Jahr finden sie vom 3. bis 10. August statt – insgesamt 14 Gottesdienste an sieben Abenden, begleitet von Musik, Straßenkunst und Gesprächen über Themen wie "Party, Sex und Sonnenbrand", wie es in einer Mittelung heißt.

Großes Interesse an Gott, wo man es nicht erwartet

Die Reaktionen der Passanten sind offenbar gemischt: Manche bleiben neugierig stehen, andere machen nur ein Foto und ziehen weiter.

Urlauberin Bianca aus Graz bringt es im WDR treffend auf den Punkt:

"Irgendwie ist es wie, in eine Eisdiele zu gehen und stattdessen eine Wurstsemmel serviert zu kriegen – sehr unerwartet."

Doch genau diese Irritation ist Teil des Konzepts. "Gerade da, wo man es nicht erwarten würde, erleben wir großes Interesse an Gott und spirituellen Themen", sagt Gernot Elsner aus Karlsruhe laut der Mitteilung.

Auch die Motivation ist klar: Die Jugendmissionsgemeinschaft Bielefeld, die den Einsatz mitorganisiert, erklärt dem WDR, sie wolle "Jugendliche und junge Erwachsene für einen Lebensstil von Erweckung und Mission animieren".

Geläuterter Drogendealer und HipHop-Gottesdienste

Die Veranstaltungen sind bewusst niederschwellig: Am Strand hören etwa 150 bis 200 Passanten zu. Der Abend ist eine Mischung aus Musik, kurzen Predigten und persönlichen Zeugnissen. So erzählt etwa Rapper Niels Petersen alias R.E.A.L im WDR von seinem Leben: "Ich bin als Drogendealer im Knast in Kolumbien gelandet. Dort ging es mir richtig schlecht." Er habe gemerkt, wir bräuchten Halt im Leben:

"Ich brauche Jesus Christus und die Vergebung durch ihn."

Ein besonderes Highlight in diesem Jahr ist ein Partyboot-Gottesdienst mit DJ und Jesus auf dem Meer vor Cala Ratjada. Und auf dem Plaza de los Pines im Zentrum des Urlaubsortes wird ein HipHop-Gottesdienst gefeiert – in Kooperation mit spanischen Gemeinden. Mit diesen sei in den letzten Jahren eine enge Partnerschaft entstanden, erklärt Elsner.

Praktische Hilfe für Betrunkene

Neben den Gottesdiensten engagieren sich die jungen Christ*innen auch ganz praktisch: Als sogenannte "Street Angels" helfen sie betrunkenen Tourist*innen u, sicher zurück ins Hotel zu kommen – erkennbar an gelben Warnwesten.

"Viele sind so voll, dass sie kaum noch stehen können – und froh, dass jemand sie an die Hand nimmt", berichtet Helfer Tim Zimmermann im WDR. Ziel sei es, Diebstähle oder Übergriffe zu verhindern – die häufigsten Risiken einer Partynacht.

Es ist ein interessantes Bild: Zwischen Bikinis, Bier und Ballermann ein Kreuz im Sand – und junge Menschen, die mit Überzeugung von ihrem Glauben erzählen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit offenen Händen.