21.10.2017
Lutherischer Weltbund

Der Augsburger Friedenspreis geht an den LWB-Generalsekretär Martin Junge. Dieser erklärte, die Auszeichnung verstehe er als Zeichen für die »Versöhnung zwischen Kirchen und Religionen«.
Martin Junge Generalsekretär Lutherischer Weltbund (LWB)
Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischer Weltbunds (LWB) in Genf

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Martin Junge, bekommt den Augsburger Friedenspreis 2017. In Junges Denken und Handeln verbinde sich »ein klares Bewusstsein für den geistlichen Charakter der Kirche mit engagierter Weltverantwortung«, begründete Augsburgs evangelischer Regionalbischof Michael Grabow als Juryvorsitzender die Wahl. Zugleich setze sich der LWB-Generalsekretär »nachdrücklich für ein globales Selbstverständnis der lutherischen Kirche ein«.

Generalsekretär Martin Junge will Versöhnung zwischen Kirchen und Religionen

Junge selbst sagte zu seiner Ehrung, der Friedenspreis »ermutigt uns im Lutherischen Weltbund und mich persönlich, den Weg der Versöhnung zwischen Kirchen und Religionen fortzusetzen«. In einer Welt, die von Konflikt und Spaltung geprägt sei, lohne es sich, im Dialog zu bleiben. »Unterschiede können überwunden werden«, betonte Junge: »Dies zeigt die Annäherung zwischen Lutheranern und Katholiken in den 50 Jahren des Dialogs zwischen LWB und Vatikan eindrücklich.«

Der Preisträger warnte in seiner Ansprache zur Preisverleihung davor, Flüchtlinge mit Hinweis auf den Schutz der religiösen Identität von Europa fern halten zu wollen. »Wer behauptet, Europa müsse seine Grenzen dichtmachen, um dadurch seine christliche Identität zu schützen, hat nichts vom christlichen Glauben und von seinem Gebot der Nächstenliebe verstanden«, betonte Junge laut Redetext.

Mit Abschottung werde christliche Identität »keinesfalls geschützt«, sagte Junge: »Abschottung widerspricht der Grunddynamik des christlichen Glaubens.« Junge mahnte dazu, beim Umgang mit Flüchtlingen deren Menschenrechte zu wahren. »Flüchtlinge lassen Vieles zurück, wenn sie fliehen, jedoch nie ihre Menschenrechte«, betonte er. Darum dürften sie auch nicht in Gefängnissen gehalten oder in unsichere Herkunftsländer zurückgeschickt werden. »All das passiert jedoch zurzeit«, so Junge.

Martin Junge wurde 1961 in Chile als Sohn einer österreichischen Mutter und eines chilenischen Vaters geboren. Er studierte Theologie in Deutschland und arbeitete anschließend in Deutschland, Chile und der Schweiz. Er war Präsident der evangelisch-lutherischen Kirche in Chile. Seit 2010 leitet er das Büro des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Genf. Der LWB umfasst 145 lutherische Kirchen mit mehr als 74 Millionen Mitgliedern in fast 100 Ländern.

Augsburger Friedenspreis

Der Augsburger Friedenspreis ist mit 12.500 Euro dotiert und wird seit 1985 alle drei Jahre verliehen. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die sich um ein tolerantes und friedfertiges Miteinander der Kulturen und Religionen verdient gemacht haben.

Preisträger (die komplette Liste der Preisträger des Augsburger Friedenspreises ist hier einzusehen) waren unter anderem Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1920-2015), Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow und zuletzt die Frauenrechtlerin und Ordensschwester Lea Ackermann. Den Vorsitz hat Michael Grabow, Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben.

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