Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wird mit dem Augsburger Friedenspreis 2025 ausgezeichnet. Das gaben die Stadt Augsburg und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern am Freitag beim Hohen Friedensfest bekannt. Die Preisverleihung findet im November statt, die Laudatio hält der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Mit der Auszeichnung würdigt die Jury Schusters langjähriges Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus sowie seinen Einsatz für Dialog, Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Oberbürgermeisterin Eva Weber erklärte bei der großen Friedenstafel auf dem Rathausplatz:

"Dr. Josef Schuster engagiert sich seit Jahren gegen Rassismus und Antisemitismus. Kraft seines Amtes ist er eine unerlässliche Stimme für den interreligiösen Dialog und das gesellschaftliche Zusammenleben."

Auch Frank Kreiselmeier, Dekan der evangelischen Kirche in Augsburg und Vorsitzender der Jury, hob Schusters klare Haltung hervor:

"Er hat unzählige Male seine Stimme gegen Hass und Hetze erhoben und setzt sich für eine Erinnerungskultur ein, die Lehren aus der Vergangenheit zieht und kommende Generationen für die Gefahren von Intoleranz sensibilisiert."

Schuster sagte, er fühle sich geehrt, in einer Reihe mit vielen bedeutenden Preisträger*innen zu stehen - "darunter auch der langjährige Freund meiner Familie und Vorreiter seiner Zeit, Rabbiner Nathan Peter Levinson". Er sehe den Preis als Anerkennung seines bisherigen Engagements und zugleich als Ansporn, sich in schwierigen Zeiten weiterhin für ein gutes gesellschaftliches Miteinander einzusetzen.

Arzt, Brückenbauer, Ehrenamtlicher

Der 1954 in Haifa geborene Josef Schuster wuchs in Unterfranken auf, wo seine Familie 1956 eine neue Heimat fand. Nach dem Medizinstudium in Würzburg arbeitete er jahrzehntelang als Internist in eigener Praxis, bis er diese 2020 aufgab – als Notarzt ist er weiterhin aktiv. Neben seinem Beruf engagierte sich Schuster früh für jüdische Gemeinschaften: Zunächst als Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Würzburg, dann als Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern.

Seit 2014 steht Schuster an der Spitze des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Position ist ein Ehrenamt – doch ihre Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Als Vertreter der jüdischen Gemeinschaft ist er Ansprechpartner für Politik, Medien, Kirchen und Gesellschaft. Zudem ist er Vizepräsident des World Jewish Congress und des European Jewish Congress.

Friedenspreis in außergewöhnlichem Jahr

Der Augsburger Friedenspreis wird seit 1985 alle drei Jahre verliehen – traditionell am Hohen Friedensfest, einem weltweit einzigartigen Feiertag, der auf den Religionsfrieden nach dem Dreißigjährigen Krieg zurückgeht. In diesem Jahr wird der Preis ausnahmsweise außerhalb des regulären Turnus vergeben: Anlass ist das 375-jährige Jubiläum des Hohen Friedensfestes.

Mit dem mit 12.500 Euro dotierten Preis ehren Stadt und Kirche Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für Toleranz, interkulturellen Dialog und ein friedliches Miteinander einsetzen. Frühere Preisträger*innen waren unter anderem Richard von Weizsäcker, Sumaya Farhat Naser und Michael Gorbatschow.

Mit Josef Schuster reiht sich eine Stimme in diese Reihe ein, die laut Oberbürgermeisterin Weber "Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven baut."