5.06.2019
Außergewöhnliche Andacht

Bayreuther Pfarrer feiert Gottesdienst im Reisebus

Mit dem Gottesdienst im Reisebus setzt der Bayreuther Pfarrer und Kabarettist Hannes Schott die Tradition der außergewöhnlichen Gottesdienste fort. Bereits im November letzten Jahres verloste er über Facebook Wohnzimmergottesdienste. "Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg halt zum Propheten kommen", sagt der 39-jährige Pfarrer.
Gottesdienst im Reisebus
Selbst das Abendmahl reicht Pfarrer Hannes Schott der fahrenden Gemeinde im Reisebus.

"Unterwegs im Namen des Herrn", so steht es an der Fensterscheibe des Reisebusses geschrieben, mit dem Busfahrer Klaus gleich mit einer ganzen Gottesdienstgemeinde zu einer "Kreuzfahrt" durchs Bayreuther Umland aufbrechen wird. Die ersten Fahrgäste sitzen schon erwartungsvoll im Bus, die anderen genießen draußen vor der Lutherkirche noch ein wenig die Sonne und beobachten die letzten Vorbereitungen von Pfarrer Hannes Schott und den Mitwirkenden. Nur noch ein kurzes Gebet für einen gelingenden Gottesdienst, dann kann er los gehen, der erste Bayreuther Busgottesdienst. 

Es ist die erste besondere Aktion, die sich der Bayreuther Pfarrer und Kabarettist Hannes Schott ausgedacht hatte. Bereits im November letzten Jahres verloste er über Facebook Wohnzimmergottesdienste mit sich selbst bei den Gewinnern zuhause - die Resonanz war groß. Mit dem Gottesdienst im Reisebus wollte er die Tradition der außergewöhnlichen Gottesdienste nun fortsetzen. "Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg halt zum Propheten kommen", sagt der 39-jährige Pfarrer.

Der Reisebus war fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Auf die Idee mit dem Busgottesdienst sei er gekommen, weil der "Busfahrer Klaus, der uns immer zur Konfirmandenfreizeit fährt, im Gottesdienst lesen wollte. Und da dachte ich mir, wir feiern doch einfach mal einen Gottesdienst bei ihm im Bus", erzählt der Pfarrer. Und auch dieses Mal stieß die außergwöhnliche Gottesdienstform auf eine große Resonanz, der Reisebus war fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Auf seinem Schoß hat der Bayreuther Kirchenmusikdirektor Michael Dorn ein kleines Keyboard aufgebaut und mit fröhlichen Klängen - gespickt mit der Melodie des bekannten Frankenliedes - kann die "Kreuzfahrt" losgehen. "Busfahren ist oft nur ein notwendiges Übel und man wartet darauf, bis man endlich wieder aussteigen darf", bemerkt Schott, "aber Busfahren kann eben auch schön sein, man kann ruhig werden und es einfach geschehen lassen." Nach dem Lied "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" erklingen die Worte des 104. Psalms - Zeit, um inne zu halten, aus dem Fenster zu blicken und Gottes wunderbare Schöpfung auf sich wirken zu lassen.

Als Thema hat sich der Pfarrer und Kabarettist das Leben als Busfahrt ausgesucht, ein Leben mit den unterschiedlichsten Stationen, mit Höhen und Tiefen und mit jeder Menge Mitreisenden. Und dennoch hakt für Hannes Schott dieser Vergleich auch ein wenig. "Das Bild von Gott als Busfahrer passt nicht ganz, auch wenn sich manche Busfahrer für Gott halten", sagt der Pfarrer mit einem verschmitzten Lächeln, "und außerdem kann ich die Strecke, die der Bus fährt, nicht ändern, aber ich habe ja selbst Einfluss auf mein Leben." Da gebe es zum Beispiel Lebensstationen, an denen man bewusst innehält, andere, die man am liebsten überspringen möchte, und auch viele Mitreisende sucht man sich selbst aus. Und doch ist die Botschaft für Pfarrer Hannes Schott klar:

Wir sind auf unserer Lebensreise nicht allein und dürfen mit Gott stets in Kontakt bleiben.

Die Besucher sind indes mit vollem Herzen dabei und auch der Gemeindegesang kann sich durchaus hören lassen. "Ich finde diesen Gottesdienst eine super Idee. Es ist eben einfach mal etwas anderen und nicht so steif wie in der Kirche", sagt Frieda Opel, die von ihrer Tochter von dem außergewöhnlichen Gottesdienst im Reisebus erfahren hat. In der Zwischenzeit hat Klaus den Bus schon durch viele wunderschöne Gegenden im Bayreuther Umland gesteuert.  

Selbst das Abendmahl wird bei einer Rast der fahrenden Gemeinde im Bus gereicht. Pfarrer Schott und zwei Abendmahlshelfer gehen von Platz zu Platz und geben den Mitfahrenden die Hostie und den Wein, eine Stärkung für die weitere Lebensreise. Nach einem Schlussgebet, einem letzten Lied und dem Segen endet die Fahrt wieder an der Lutherkirche.

"Es war ein super Gottesdienst und es hatte durch das Fahren auch etwas Beruhigendes", erzählt Anja Steier, die nach einem Anruf einer Freundin spontan dazugestoßen ist, "außerdem ist man hier viel näher beieinander als in einer Kirche." Auch für Pfarrer Hannes Schott war diese "Kreuzfahrt" spannend und etwas ganz Besonderes. "Es war ein herausragendes Gefühl, gemeinsam auf dem Weg zu sein. Ich bin ganz beseelt und es wird sicher nicht der einzige Busgottesdienst bleiben." Die logische Konsequenz in der Reihe der Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten wäre für den Pfarrer ein Gottesdienst im eigenen Wohnzimmer, vor dem er sich noch etwas scheut - aber vielleicht wird auch das irgendwann kommen.

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