11.02.2018
Fasching

"Wer, wenn nicht Christinnen und Christen, sollte sich am Leben freuen? Glauben sie doch, dass sie vergnügt, erlöst und befreit sind, weil Gott sie liebt." Davon ist der Bayreuther Pfarrer und nebenberufliche Kabarettist Hannes Schott überzeugt. Bei seiner Predigt in einem Gottesdienst zum Faschingssonntag ist Lachen ausdrücklich erwünscht.
Hannes Schott gibt bei seinen Kabarett-Auftritten auch den Schlagerstar Howard Carpendale.
Paraderolle mit Perücke: Hannes Schott gibt bei seinen Kabarett-Auftritten auch den Schlagerstar Howard Carpendale.

 

Kirche und Karneval – in den Hochburgen Köln, Düsseldorf oder Mainz ist das eine Art Partnerschaft, anders als in Franken, wo Würzburg mit seinem Traditionsgottesdienst für Karnevalsvereine eher die Ausnahme darstellt. Was sind Ihre Erfahrungen?

Schott: Ich kenne Kolleginnen und Kollegen, die am Faschingssonntag gereimte Predigten halten, in den Karnevalshochburgen wird man außerdem als kirchlicher Vertreter zu Prunksitzungen eingeladen. Insgesamt spaltet Fasching ja die fränkische Gesellschaft in Verfechter und Verächter und dazwischen gibt es wenig. Das ist in der Kirche nicht anders.

 

Das Bild des strengen ernsthaften protestantischen Pastors ist ja noch immer präsent. Wie hat die Kirche den Spaß an der Freude (wieder) entdeckt?

Schott: Das liegt schon in unserer Sache selbst begründet, zur Frohen Botschaft gehören natürlich auch der Humor und das Lachen. Ich glaube, dass Jesus ein ziemlich humorvoller Mensch war, sonst wären zum Beispiel die Mahlgemeinschaften mit ihm eine ziemlich zähe Angelegenheit gewesen.

 

Der Bestsellerautor, Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen schreibt dem Lachen eine heilende Wirkung zu – wie sieht das aus Sicht eines Theologen aus?

Schott: Lachen hat nicht nur eine heilende, sondern auch eine erlösende Wirkung. Bei lachenden Menschen blitzt für mich ein Stück Himmel auf.

 

Jetzt predigen Sie also in einem Faschingsgottesdienst. Was erwartet die Kirchgänger in der Bayreuther Stadtkirche und die Zuschauer vor den Bildschirmen?

Schott: Ein Gottesdienst mit toller Musik, stimmiger Liturgie und einer pointierten Predigt zum Thema "Vergnügt, erlöst, befreit". Und die eine oder andere Überraschung.

 

Sehen Sie eine Gratwanderung zwischen Büttenrede und Predigt? Wo sind die Stolperfallen?

Schott: Wie die Predigt hat die Büttenrede etwas Prophetisches und will Missstände anprangern. Wenn Büttenrede und Predigt nur unterhalten, sind beide überflüssig.

 

Zur Person

Hannes Schott ist 1980 in Bayreuth geboren. Während des Theologiestudiums in Neuendettelsau und Heidelberg blieb er seinen Hobbys Theater und Kabarett treu. Nach dem Vikariat in Hallstadt bei Bamberg kam er 2010 für seine erste Pfarrstelle nach Bayreuth zurück und arbeitet mit großer Freude in seinem Traumberuf. In Oberfranken ist er seit 2007 mit dem kabarettistischen Musik-Duo "Zammgebicht" zu hören. 2012 wurde er Mitglied beim bayrischen Pfarrerkabarett "Das weißblaue Beffchen". Bereits seit 2008 produziert er Andachten für diverse Radiosender; seine fränkische Nacherzählung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn (Radio Mainwelle) erhielt 2014 den Hörfunkpreis der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien.

 

Kabarett auf der Kleinkunstbühne, Faschingspredigt auf der Kanzel – was macht den Unterschied?

Schott: Auf der Bühne bin ich bei manchen Liedern und Nummern ziemlich sinnfrei albern, im Gottesdienst hoffentlich immer sinnvoll und sinnstiftend.

 

Was ziehen Sie an? Talar oder Narrenkostüm? Beffchen oder Pappnase?

Schott: Pappnase und Narrenkostüm brauche ich nicht, ich kann auch vermeintlich seriös in Talar und Beffchen die Menschen zum Lachen bringen. Für Prolog und Epilog werde ich aber in eine andere Rolle schlüpfen.

 

Und was ist mit den Kirchgängern? Kostüm erwünscht, Verkleidung erlaubt?

Schott: Wie ich das Bayreuther Gottesdienstpublikum kenne, bezweifle ich, dass die kostümiert im Fernsehen dokumentiert werden möchten. Aber wenn jemand direkt vom Faschingsfeiern in den Gottesdienst stolpert...

 

Das Motto "Ich bin vergnügt, erlöst, befreit" ist ein Zitat aus einem Text des großen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch (1925-2005), der sich immer wieder auch zu seinen christlichen Wurzeln bekannt hat. Was verbinden Sie persönlich mit seiner Person, seiner Haltung, seinem Werk?

Schott: Seine Vielseitigkeit und Sprachgewalt, wie er Philosophie und Glauben in seine Auftritte einfließen ließ und Menschen zum Lachen und Nachdenken brachte.

 

Ein paar Stunden nach dem Gottesdienst in Bayreuth haben Sie am Sonntagabend in der Kulmbacher Johanneskirche noch einen Auftritt als Duo "Zammgebicht" mit Ihrem lokalen Comedy-Partner Stefan Haußner. Ist da auch eine kleine Faschingspredigt von Ihnen zu erwarten?

Schott: Meine lustigen Moderationen zwischen den Liedern haben manchmal durchaus auch Kurzpredigtcharakter. Da sagt der Stefan dann immer: "Du willst doch mit Zammgebicht garnet so der Pfarrer sein!" Aber irgendwie sind die Rollen Humorist und Pfarrer nicht mehr so richtig zu trennen...

Faschingsgottesdienst

Das Bayerische Fernsehen überträgt den Gottesdienst am Faschingssonntag, 11. Februar 2018, um 10 Uhr live aus der Bayreuther Stadtkirche. Musikalisch wirken der Kinderchor der Kirchengemeinde unter der Leitung von Sabine Behr und die Akkordeonistin Yvonne Grünwald aus Berlin mit. Die musikalische Gesamtleitung hat Dekanatskantor Michael Dorn. Die Liturgie leitet Pfarrerin Ruth Scheil.

 

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Interview mit Sebastian Reich

Sebastian Reich
Sie ist der "Quotenrenner" des Bayerischen Fernsehens: die "Fastnacht in Franken" aus den Mainfrankensälen in Veitshöchheim. Der Bayerische Rundfunk (BR) überträgt sie am 2. Februar zum 31. Mal live, zum achten Mal dabei ist der aus Höchberg bei Würzburg stammende Bauchredner Sebastian Reich mit seiner Nilpferddame Amanda. Für ihn war der erste Auftritt bei "FiF" im Jahr 2011 ein Karrieresprungbrett. Er sagt dem "Sonntagsblatt", er habe der Sendung "viel zu verdanken".
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Sonntagsblatt