29.07.2017
Jugendarbeit

Dekanat Fürth stellt jeder Gemeinde einen Jugendleiter

Die Kirche verliert immer mehr Mitglieder, mancherorts werden Rücklagen für schlechtere Zeiten gebildet und die Zeichen der jüngsten Landessynode stehen eher auf Rückzug denn auf Vorwärts. Nicht so im Dekanat Fürth. 400.000 Euro hat man jetzt für ein bayernweit einmaliges Projekt locker gemacht, das jeder Stadtgemeinde in Fürth einen Jugendleiter bescheren soll.
Dekan Jörg Sichelstiel übt schon mal mit Jan Mrochen aus Roßtal, während Benjamin Greim, Jugendreferent der Stadt Fürth, zusieht.
Will der Jugendarbeit im Dekanat Fürth eine starke Schulter bieten: Dekan Jörg Sichelstiel übt schon mal mit Jan Mrochen aus Roßtal, während Benjamin Greim, Jugendreferent der Stadt Fürth, zusieht.

Wir wollen nicht weiter über Mitgliederschwund klagen und Rücklagen bilden, sondern selbst in Personal investieren", erklärt Dekan Jörg Sichelstiel. Ähnlich der Abwrackprämie der Bundesregierung, die vor wenigen Jahren mit Bonuszahlungen für den Kauf von Pkw die Konjunktur ankurbelte. "Es wird nicht gejammert, sondern einfach gemacht", so Sichelstiel. Bewusst sei nicht bei der Landeskirche lange um finanzielle Unterstützung gefragt worden, was das Gesamprojekt in die Länge gezogen hätte.

Die zwölf Gemeinden des Dekanats können für zwei Jahre, innerhalb des Zeitraums Januar 2018 und Ende 2020, eine entsprechende Kraft für bis zu zehn Stunden pro Woche beantragen. Die Person sollte pädagogische Grundkenntnisse sowie Lust an der Beziehung zu jungen Menschen haben und sich positiv mit dem christlichen Glauben und der Kirche identifizieren. Das müssen keine ausgebildeten Pädagogen sein, auch in Ehrenamt und Jugendarbeit Erfahrene sind willkommen. Dem Dekanat müsse lediglich die Person mitsamt Projektbeschreibung vorgelegt werden.

Fürth: Großer Bedarf an Jugendarbeit

Und der Bedarf ist da, wie eine Evaluierung mit dem Jugendreferenten der Stadt Fürth, Benjamin Greim, ergeben hat. Um nur zwei Beispiele zu nennen: In der Fürther Erlöserkirche müssten Konfirmanden nachbegleitet sowie der Kinder- und Jugendchor ausgebaut werden. Interessenten sind da, die können aber auch nicht alles in der Freizeit machen. Oder Burgfarnbach: Dort werden Interessenten gesucht, die eine Jugendband und Gottesdienste für die Zielgruppe 10 bis 18 Jahre aufbauen wollen. Dies alles könne beispielsweise auch durch Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr geschultert werden.

"Wo es Jugendleiter gibt, da funktioniert die Gemeinschaft der Heranwachsenden auch. Wo niemand da ist, dort ist auch die Jugend versprengt", erklärt Greim.

Bonus "Land" für evangelische Jugendarbeit

Auf dem Lande funktioniert evangelische Jugendarbeit erfahrungsgemäß übrigens einfacher als in der Stadt, auch wenn dort eigentlich mehr Geld vorhanden ist. "Aber bei uns gibt es eben nicht so viele Möglichkeiten und Anlaufpunkte", meint Jan Mrochen, der sich in seiner Heimat Roßtal engagiert.

Der Vorteil der evangelischen Jugend gegenüber den Vereinen: Es werden in der Regel kaum Vorgaben gemacht, die Jugend gestaltet ihre Freizeit selbst. "Den Jugendleiter benötigen wir aber dennoch als Organisator und Schnittstelle", sagt Mrochen.

Zum großen Teil sind die Probleme mit den fehlenden Jugendleitern hausgemacht. "Nachdem sowohl 2003 als auch 2010 seitens der Landeskirche bereits Stellen gekürzt wurden, sind im Dekanat Fürth nur wenige hauptamtliche Jugendleiter verblieben, und diese auch nur in Teilzeit", sagt Sichelstiel. Mancherorts würden Pfarrer neben ihrer eigentlichen Arbeit noch Angebote wie Jugendtreffs auf die Beine stellen, arbeiten dann aber nahe an der Belastungsgrenze. Oft hätten in den Gemeinden private Initiativen Geld gesammelt, um wenigstens Teilzeitkräfte zu finanzieren.

Fürther Dekanat fördert Jugendarbeit

Mit der Initiative des Fürther Dekanats soll nun Schluss mit der Sparflamme sein. Das Konzept hat die Gesamtkirchenverwaltung in ihrer letzten Sitzung beschlossen. Ab Herbst können die Kirchengemeinden Anträge stellen. "Wo es bereits Jugendarbeit gibt, kann die Stelle des Leiters aufgestockt werden. Wo noch nichts organisiert ist, wird nun etwas geschaffen", erklärt der Dekan.

Da ein Viertel des Kirchgelds im Dekanat Fürth für die Finanzierung des Projekts ausgegeben wird, erhofft sich Fundraiserin Sonja Merz hier zusätzliche Impulse. "Die Menschen geben vielleicht lieber ein paar Euro mehr, um eine Stelle zu fördern statt, eine Sache mitzubezahlen", meint Merz.

Rund 160 000 Euro Kirchgeld seien im vergangenen Jahr eingegangen. Der Altersdurchschnitt der Kirchgeldzahler liegt im Übrigen bei 64 Jahren.

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