6.10.2020
Denkmalschutz

Wie ein denkmalgeschütztes Pfarrhaus eine Kirchengemeinde zu entzweien droht

Sanieren oder neu bauen: Die Alternative ist manchmal so komplex, dass Laien daran verzweifeln. Generationen von Protestanten sind in dem alten Pfarrhaus in Karlshuld ein- und ausgegangen.
Historisches evangelisches Pfarrhaus in Karlshuld (Donaumoos).
Historisches evangelisches Pfarrhaus in Karlshuld (Donaumoos).

Sanieren oder neu bauen: Die Alternative ist manchmal so komplex, dass Laien daran verzweifeln. Generationen von Protestanten sind in dem alten Pfarrhaus in Karlshuld ein- und ausgegangen. An dem Gebäude hängen "viele Emotionen", sagt Manfred Müller, ehemaliger Kirchenvorsteher und Sprecher der Initiative "Rettet das Pfarrhaus". Das Haus aus dem Jahr 1927 ist eines von insgesamt nur drei historischen Gebäuden im Ort.

Weil das Donaumoos erst vor etwa 200 Jahren besiedelt wurde, sind Gebäude mit Geschichte eine Seltenheit. Deshalb steht das alte Pfarrhaus auch unter Denkmalschutz. Abgerissen werden darf es nicht. Sollte die Kirchengemeinde als Eigentümerin das Haus aufgeben, wäre das "ein Jammer", sagt Müller.

Initiative "Rettet das Pfarrhaus"

Die Sanierung wird auf eine Million Euro geschätzt. Müller, der von Beruf Bankkaufmann ist, hält das jedoch für zu hoch gegriffen. 667 Unterschriften hat die Initiative mittlerweile für den Erhalt des Hauses gesammelt und diese Anfang Juli dem Regensburger Regionalbischof Klaus Stiegler übergeben.

Doch das Fundament des Hauses steht auf wackeligen Füßen: "Der Boden senkt sich, es gibt Statik-Probleme", erklärt Pfarrer Johannes Späth. Das Haus habe Risse, durch die Fenster ziehe es und der Schimmel habe die Wände befallen. Das sei auch der Grund, weshalb er selbst nicht mehr in das zweifelsohne ansehnliche Pfarrhaus eingezogen sei.

Kosten für die Sanierung

Doch so oder so: Das Pfarrhaus muss vom Eigentümer erhalten werden. So sieht es das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege vor, das es schon in Augenschein genommen hat: "Das Gebäude ist stabil und weit davon entfernt, nicht sanierbar zu sein", teilte es auf Anfrage mit. Es bestehe zudem die Möglichkeit, das Pfarrhaus "bauerhaltend nachzufundamentieren". Die Kosten dafür hielten sich "im Rahmen".

Bei jedem Pfarrerwechsel musste das Haus saniert werden, zuletzt vor 17 Jahren, als 180.000 Euro hineingesteckt wurden. Das Landeskirchenamt beschloss deshalb vor mehr als vier Jahren zusammen mit dem Kirchenvorstand, das Pfarrhaus aufzugeben. Pfarrer Späth, seit 2016 in der Gemeinde, wohnt in einem Mietshaus. Lediglich im Erdgeschoss ist noch das Pfarrbüro.

Wie geht es weiter?

Diese Verwaltungsstelle hat seit drei Jahren sogar an Bedeutung gewonnen: Denn die drei Kirchengemeinden Karlshuld, Langenmoos und Untermaxfeld haben sich für ein zentrales Pfarramt in Karlshuld entschieden. Die Frage lautet nun: Wo könnte es künftig untergebracht werden, sollte das Pfarrhaus verkauft oder von wem auch saniert werden?

Bei einer vom Dekanat Ingolstadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie kristallisieren sich unterdessen zwei Optionen heraus: ein Anbau an das Gemeindezentrum, das auch auf dem Areal steht. Oder ein Neubau bei der Diakonie-Sozialstation in unmittelbarer Nachbarschaft.

Dekan Thomas Schwarz könnte sich einen Neubau, direkt an der Straße gelegen, mit "maximaler Präsenz" für das Pfarramt gut vorstellen. "Die guten Supermärkte stehen auch mit einladender Glasfront an der Straße."

Außerdem gibt er zu bedenken: Jede Lösung müsse ein Immobilienkonzept haben, "das alle Gebäude mit einbezieht". Jetzt eine Million Euro in ein altes Gebäude zu stecken und der Nachfolge-Generation weitere Lasten aufzubürden, sei der Öffentlichkeit nicht vermittelbar. Eine Mehrheit im Kirchenvorstand ist bis dato aus Kostengründen für den Anbau.

Doch noch sei alles "ergebnisoffen".

Bei einem Ortstermin mit Zuständigen aus dem Landeskirchenamt, Dekan, Ortspfarrer und Vertrauensmann würden alle Optionen durchgespielt, "auch der Lösungsvorschlag der Initiative", sagt Schwarz. Diese will das alte Pfarrhaus sanieren, den ersten und zweiten Stock vermieten.

Für eine solche Lösung könnte laut Späth auch die Lage des Pfarrhauses inmitten des Areals sprechen, wenngleich er den Verkauf als Ertragsobjekt in Erbpacht nicht ausschließen wollte. "Das wäre mir die liebste Lösung. Da müsste der Investor weniger zahlen, dafür aber das kirchliche Gemeindeleben ertragen." Glocken, Posaunenchöre und die Pfadfinderwiese am Rande könnten die Wohnqualität beeinflussen. "Das Gemeindeleben bei uns brummt", sagt Späth.

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