Mit der Reihe "Berge, Gott und Menschen: Erlebnisse aus dem Vikariat" gibt Johannes Göpffarth ab sofort einmal die Woche Einblicke in seine Zeit als Vikar in Oberbayern. Persönlich, nachdenklich und mitten aus dem Alltag erzählt er von Begegnungen mit Glauben, Kirche und Menschen. Heute lest ihr die erste Folge.
Die Taube am Tauftag – ein unerwarteter Besuch im Vikariat
Ich saß auf meinem Balkon und las ein Buch eines anderen Vikars über seine Gedanken zum Vikariat und zur Kirche. Einige dieser Gedanken konnte ich voll und ganz nachvollziehen, bei anderen war ich eher skeptisch.
Doch das Buch brachte mich mit seinen Überlegungen zum Nachdenken – über die Kirche im Allgemeinen und das Vikariat im Besonderen. Was sollte sich ändern? Was ist gut? Und wie erreicht die gute Botschaft die Menschen?
Fragen, die ich mir immer wieder stelle. Heute jedoch waren diese Gedanken besonders präsent – das Buch verstärkte und belebte sie in mir. Und heute war ohnehin kein gewöhnlicher Tag: Es war mein Tauftag.
Vor 21 Jahren ließ ich mich in einem See taufen. Vor 21 Jahren berührte der Heilige Geist mein Herz, sodass ich den Wunsch verspürte, mich taufen zu lassen. Ich war damals sieben Jahre alt. Seitdem denke ich immer wieder über den Glauben und die Kirche nach. Und immer wieder – mitten in meinem Grübeln – kommt der Heilige Geist vorbei.
So war es auch heute, an meinem Tauftag. Doch diesmal war es anders. Normalerweise ist der Heilige Geist ein Flüstern. Oder er zeigt sich in flüchtigen Gedanken, in einem Gefühl, in der Intuition.
Aber heute, während ich das Buch las und über die Kirche, den Glauben und mein Vikariat nachdachte, setzte sich plötzlich eine weiße Taube auf das Balkongeländer. Sie blieb dort einige Minuten sitzen.
Diese Taube besuchte mich an meinem Tauftag – während ich in Gedanken versunken über den Glauben, die Kirche und meinen Weg als Vikar nachdachte.
Was für ein unerwarteter Besuch das war: Die Taube am Tauftag.