13.11.2016
Dresden

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte bekommt die Kirche am Dresdner Neumarkt eine Pfarrerin. Angelika Behnke zieht von Berlin an die Elbe. Sie schätzt gute Rhetorik, Musik und die Öffentlichkeit.
Pfarrerin Angelika Behnke in der Dresdner Frauenkirche.
»Ich schätze die Arbeit in einer Kirche mitten in der Stadt«: Angelika Behnke ist die neue Pfarrerin an der Dresdner Frauenkirche.

Den Predigtplan für 2017 hat sie schon. Angelika Behnke freut sich darauf. Sie ist die neue Pfarrerin an der Dresdner Frauenkirche. Am ersten Advent wird die gebürtige Brandenburgerin offiziell in ihr neues Amt eingeführt. Berlin werde ihr fehlen, sagt die 43-jährige Theologin zum Abschied aus der Hauptstadt. Aber sie ziehe gern nach Dresden. Die neue Aufgabe komme ihren Begabungen entgegen. Sie schätzt die Arbeit in einer Kirche mitten in der Stadt.

Dass die Frauenkirche in der öffentlichen Wahrnehmung weit vorn steht, Tausende Besucher hat, aber keine eigene Gemeinde, davor sei ihr nicht bange. »Ich habe keine Scheu vor der Öffentlichkeit«, sagt die Frau mit dem herzlichen Lachen und den schnittig kurzen Haaren.

Das Profil der Frauenkirche als Ort der Versöhnung und des Friedens interessiere sie sehr. Sie freue sich auch auf die Kirchenmusik und die regelmäßigen Konzerte.

Auf Prominente ist sie nicht aus

Vielmehr interessierten sie die Touristen, die in die Kirche kommen, und wie sie erreicht werden können, etwa bei den Andachten und Kirchenführungen, »die missionarischen Charakter haben«. Behnke betont: »Die Leute kommen freiwillig in den Kirchraum und sollen dort auch Kirche erfahren.«

Die evangelische Theologin liebt das Rhetorische. Am Braunschweiger Predigerseminar habe sie gelernt, sehr anschaulich und bildreich zu predigen. Mit Wörtern könnten »Bilder gemalt werden«.

Behnke hat offenbar beste Voraussetzungen für ihren neuen Dienst in der evangelischen Kirche am Dresdner Neumarkt - mitten in der Stadt. Der wiederaufgebaute Barockbau zieht seit seiner Fertigstellung im Jahr 2005 jährlich etwa zwei Millionen Besucher an. »Mit ihren vielfältigen Erfahrungen an Schnittpunkten zwischen Kirche und Gesellschaft wird sie gute Impulse in die hiesige Arbeit einbringen«, sagt auch der Dresdner Superintendent Christian Behr.

Kirchengemeinden als Oasen

Schon als junger Mensch habe sie Kirchengemeinden als »Oasen« empfunden, sagt Behnke. Dort und in ihrer christlich geprägten Familie konnte sie - anders als sonst in der DDR - frei sprechen. Geboren wurde Behnke in Wriezen, aufgewachsen ist sie in Neuhardenberg, beides im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland.

In der Stadt ihrer Kindheit wurde sie mit einem ausgeprägten Geschichtsbewusstsein groß. In der Zeit des Nationalsozialismus trafen sich im Schloss Neuhardenberg wiederholt Mitglieder des deutschen Widerstands gegen Hitler. Nach dem misslungenen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Carl-Hans Graf von Hardenberg als Widerstandskämpfer wenige Tage später verhaftet.

Behnke studierte Evangelische Theologie an der Humboldt-Universität Berlin und war am Lehrstuhl für Praktische Theologie der Universität Göttingen tätig. Ihr Gemeindevikariat führte sie zunächst an die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, später war sie Pfarrerin in Frankfurt/Oder.

Die Theologin hat wissenschaftlich über Jugendweihe und Konfirmation in der DDR gearbeitet sowie über Kirchenökonomie und Fundraising. Bevor sie nach Dresden berufen wurde, betreute sie das Projekt »Erwachsen glauben«. Drei Jahre lang hat sie damit Glaubenskurse in der Region Brandenburg angestoßen.

 

  DER EINFÜHRUNGSGOTTESDIENST findet am 1. Adventssonntag, 27. November, um 11 Uhr in der Dresdner Frauenkirche statt.

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