Anlässlich des ersten bundesweiten Ehrentags am 23. Mai hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf das Ehrenamt in ihren Reihen aufmerksam gemacht.
Der Tag fällt auf den 77. Geburtstag des Grundgesetzes. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte ihn als deutschlandweiten Mitmachtag ausgerufen. Eingebettet ist er in einen Aktionszeitraum vom 16. bis 31. Mai, in dem Vereine, Kommunen und Einzelpersonen Aktionen organisieren können.
EKD: 1,5 Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich
Nach Angaben der EKD engagieren sich 1,5 Millionen Menschen ehrenamtlich in Kirche und Diakonie. Besonders hoch sei die Quote bei Jugendlichen: Laut einer EKD-eigenen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung engagieren sich 53 Prozent der evangelischen 14- bis 17-Jährigen ehrenamtlich – sieben Prozentpunkte über dem Bevölkerungsdurchschnitt.
EKD-Ratsvorsitzende Bischöfin Kirsten Fehrs erklärte, ohne ehrenamtliche Unterstützung sei "unsere gesamte Gesellschaft nicht denkbar". Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich räumte ein, die Möglichkeit zum Engagement hänge "noch immer zu stark von Einkommen, Bildung oder verfügbarer Zeit ab".
Die zitierten Zahlen stammen aus einer internen EKD-Studie, eine unabhängige Überprüfung der Erhebungsmethodik ist nicht möglich.
Steinmeier: Ohne Ehrenamt wird Gesellschaft kälter
Beim Katholikentag in Würzburg warnte Steinmeier vor einem Rückgang des Ehrenamts. Ohne freiwilliges Engagement werde die Gesellschaft "kälter und ärmer" – und das Ehrenamt beginne dort, wo jemand an "mehr denkt als an sich selbst", sagte er vor mehreren Hundert Zuhörer:innen.
Zugleich räumte das Staatsoberhaupt ein, dass veränderte Arbeitsbedingungen vor allem jungen Menschen eine ehrenamtliche Tätigkeit erschwerten. Er warb für bessere Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf.
Im Kontext der Debatte um einen neuen Wehrdienst erneuerte Steinmeier seinen Vorschlag einer sozialen Pflichtzeit – ein Vorhaben, das politisch weiter umstritten ist.