Die neue fünfte Vorständin der Rummelsberger Diakonie, Ellen Eidt, hält es für problematisch, dass sich auf dem sozialen Markt viele Träger gegenseitig Konkurrenz machen.

Diese Konkurrenz verhindere Entwicklungen und führe dazu, dass Kommunen oder Landkreise Ausschreibungen etwa für Familienzentren oder Flüchtlingsunterkünfte nicht nach Qualität, sondern nach Kosten vergeben, sagte die Expertin im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Eidt tritt am 1. Oktober ihre Stelle an, mit der sie auch eine Forschungsprofessur an der Evangelischen Hochschule Nürnberg innehaben wird.

Dort stehen empirische Praxisforschung und die Vernetzung von Diakoniewissenschaft, Theologie, Ethik und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Mit der neuen Vorstandsposition "Theologie und Bildung" will die Rummelsberger Diakonie aktuelle Erkenntnisse aus der Praxisforschung der Diakoniewissenschaft und diakonischen Theologie stärker in ihre Arbeit einbringen.

Das Evangelische in Alltagsbegegnungen bringen

Eidt sagte in dem Gespräch, weil es so viele soziale Träger gebe, sei es umso wichtiger herauszustellen, "was der Sinn ist, dass es evangelische Angebote gibt und worin sich der Unterschied zu anderen zeigt". Es gehe der Diakonie nicht darum, Menschen zur Taufe oder zum Kircheneintritt zu bewegen, "sondern darum, wie wir das Evangelische in unsere Alltagsbegegnungen kriegen". Eine Ebene "von Nachdenken, Gesprächsbereitschaft und Symbolen und Ritualen, die für die Menschen Bedeutung haben", sollte in dem Angebot mitschwingen.

Als Beispiel nannte Eidt einen Segen, der für die Menschen als Zuspruch, Begleitung und Schutz bedeutsam sei. "Denn die entscheidende Frage der Menschen von heute ist: Wem kann ich noch vertrauen?" Diakonische Einrichtungen könnten so zu Vermittlerinnen von Vertrauen ins Leben werden.

Eidt will auch "Wirksamkeitsreserven" in der Sozialwirtschaft untersuchen, um finanzielle Schieflagen zu vermeiden. "Wie können wir Dinge anders machen, um für die Menschen Besseres zu erreichen", formuliert sie ihr Ziel.

Wirksamkeit statt Kostendruck in der Sozialwirtschaft

So würden etwa die Sprachförderprogramme für Kinder in Kitas weniger erreichen und teurer sein als eine Sprachförderung im Alltag der Kitas. Das hätten solide Untersuchungen gezeigt.

In der Altenpflege könnte eventuell optimiert werden, wenn man auf die Kombination von Technik und menschlicher Zuwendung setze. Ein computergesteuertes Instrument könne heute einem dementen Menschen schon besser als Pflegepersonal das Essen reichen, aber ohne einen Helfer oder Ehrenamtlichen, der dabei sitze, würden die Senioren den Computer nicht akzeptieren.

Eidt hat unter anderem das württembergische Diakonat analysiert und ihre Forschungsergebnisse im Rahmen des Projekts "Diakonat - neu gedacht, neu gelebt" veröffentlicht. Die heute 62-Jährige hat nach einem begonnenen Theologiestudium Religionspädagogik studiert und als Lehrerin in der Schwerhörigenschule Religionsunterricht gegeben, für den sie das Material selbst erarbeitete. 

Weitere Karriereschritte machte sie bei der Berliner Stadtmission als Dienstbereichsleiterin Diakonie. Dort engagierte sie sich stark für das Thema Obdachlosigkeit und bemühte sich um Lösungen für die Menschen im sogenannten Roma-Camp gegenüber dem Berliner Hauptbahnhof. Eidt war zuletzt bei der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck beschäftigt, wo sie in der Fachstelle zum Umgang mit sexualisierter Gewalt arbeitete.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Ellen Eidt habe an der Universität Heidelberg geforscht und habe die Fachstelle zum Umgang mit sexualisierter Gewalt der EKKW geleitet. Richtig ist: Sie wurde während ihres Studiums in Heidelberg methodisch ausgebildet und arbeitet heute als Mitarbeiterin der Fachstelle. Die Leitung liegt bei Pfarrerin Sabine Kresse.