Die evangelische Kirche in Deutschland hat im Jahr 2025 so viel Kirchensteuer eingenommen wie nie zuvor – obwohl sie so wenige Mitglieder hat wie seit Jahrzehnten nicht.
Das Netto-Gesamtaufkommen stieg laut der am 20. Mai veröffentlichten Kirchensteuerstatistik der EKD auf rund 6,09 Milliarden Euro, ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 5,97 Milliarden Euro.
Gleichzeitig sank die Zahl der Kirchenmitglieder Ende 2025 auf knapp 18 Millionen – ein Rückgang von rund 586.000 Personen oder drei Prozent binnen eines Jahres.
Warum weniger Mitglieder nicht automatisch weniger Geld bedeuten
Das scheinbare Paradox löst sich auf, wer den Mechanismus der Kirchensteuer kennt: Sie wird als prozentualer Zuschlag auf die staatliche Einkommensteuer erhoben, typischerweise neun Prozent, in Bayern und Baden-Württemberg acht.
Steigen also Löhne, Gehälter oder Kapitalerträge, wächst das Kirchensteueraufkommen – unabhängig davon, wie viele Mitglieder zahlen.
Besonders der Zuwachs bei der Kirchensteuer auf Kapitalerträge fiel 2025 stark aus: Mit 458 Millionen Euro lag er 23 Prozent über dem Vorjahreswert von 372 Millionen Euro. Die Kirchenlohn- und -einkommensteuer hingegen war 2024 noch leicht gesunken und erholte sich 2025 nur moderat um 0,7 Prozent auf rund 5,82 Milliarden Euro brutto.
Im Dreijahresvergleich zeigt sich eine klare Kurve nach oben: 2023 lag das Gesamtaufkommen noch bei rund 5,9 Milliarden Euro, 2024 bei 5,97 Milliarden, 2025 nun bei 6,09 Milliarden. Ob diese Zahlen auch real, also nach Inflation, ein Wachstum darstellen, lässt die Statistik offen – eine Bereinigung um die Preisentwicklung fehlt.
Regionale Unterschiede bleiben im Dunkeln
Welche Landeskirchen von dem Anstieg besonders profitiert oder umgekehrt überproportional verloren haben, lässt sich aus der veröffentlichten Statistik nicht direkt ablesen. Die regionalen Daten beziehen sich auf Sechsjahresdurchschnitte, nicht auf das Einzeljahr 2025.
Offen bleibt auch, wie belastbar dieses Finanzierungsmodell langfristig ist. Wenn Lohnwachstum nachlässt, Einkommensteuerreformen das Aufkommen drücken oder die Mitgliederzahlen weiter sinken, könnte die Schere zwischen sinkender Gemeinschaft und stabilen Einnahmen schnell kippen. Der Staat zog für die Erhebung zuletzt rund 193 Millionen Euro pro Jahr ab – eine Gebühr, die mit wachsendem Aufkommen ebenfalls steigt.
Die entsprechenden Zahlen der katholischen Kirche für 2025 werden erst im Sommer erwartet.