28.03.2019
Landessynode

Kirche will Taufen und Trauungen stärken

Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen sind wichtige Berührungspunkte von Menschen mit der Kirche. Die bayerische Landessynode hat bei ihrer Frühjahrstagung 2019 in Lindau 3,25 Millionen Euro freigegeben, um die kirchlichen Angebote rund um diese Ereignisse auszubauen. Wie das Geld eingesetzt werden soll.
Hochzeitspaar

Die bayerische evangelische Landeskirche will Menschen an ihren Lebensübergängen stärker begleiten. Mit insgesamt 3,25 Millionen Euro sollen die Angebote rund um Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen bayernweit ausgebaut werden, wie die in Lindau tagende Landessynode beschlossen hat. Durch die Konzeption einer Art Agentur für Lebensbegleitung will sich die Kirche auch als moderner Dienstleister präsentieren.

Landeskirche plant zwei Fachstellen für Lebensbegleitung

Mit 1,8 Millionen Euro von der Summe sollen zwei Fachstellen für Lebensbegleitung eingerichtet werden: eine für Nord- und eine für Südbayern. Diese sollen Menschen zu kirchlicher Begleitung an Lebensübergängen informieren, zur Gestaltung von Kasualien - kirchlichen Amtshandlungen aus besonderen Anlässen im Leben - beraten und bei Sonderwünschen unterstützen, etwa wenn Trauungen an besonderen Orten stattfinden sollen. Laut Beschluss sollen sie durch gute Erreichbarkeit die Pfarrämter entlasten und für kirchliche Lebensbegleitung werben. Die Kirche hofft damit, die Chancen der Kasualien in einer sich wandelnden Gesellschaft zu stärken und in der wachsenden Konkurrenz zu privaten Anbietern wie etwa Trauerrednern zu bestehen.

Mit den übrigen 1,45 Millionen Euro sollen die Angebote kirchlicher Lebensbegleitung in der Fläche gestärkt werden. Zu den Maßnahmen, die finanziell unterstützt werden können, gehören etwa die Organisation von Tauffesten, die Ausgestaltung der Konfirmandenzeit oder der Umgang mit veränderten Wünschen zur Bestattungskultur.

Bammessel: Kirche darf sich nicht auf Dienstleistung beschränken

Aus dem Plenum der Synode kam die Forderung anzuerkennen, dass Kasualien für Pfarrer oft nicht lästige Pflicht, sondern ein "Lieblingsgeschäft" seien. Allerdings brauche es dafür Zeit und Entlastung von anderen Aufgaben. Dem bayerischen Diakoniepräsidenten Michael Bammessel zufolge besteht oft eine Spannung "zwischen dem, was wir theologisch für gut halten, und dem, was die Menschen von uns wollen". Früher sei etwa diskutiert worden, ob bei einer evangelischen Trauung ein katholisches "Ave Maria" oder der antireligiöse Song "Imagine" gesungen werden dürfe, sagte er vor der Synode. Heute seien die Fragen komplizierter.

Die Kirche dürfe sich "nicht mit Haut und Haar auf reine Dienstleistung" einer Agentur einlassen, sondern die Kasualien seien Sakramente und gehörten in die Gemeinde hinein, sagte Bammessel. Dennoch bestehe Nachholbedarf dabei, die Bedürfnisse der Menschen ernstzunehmen. Er forderte, eine intensivere Debatte über Kasualien und die Aufgaben der Pfarrer zu führen.

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Christen auf dem Land wissen meist noch, wo sie ihren Pfarrer oder die Pfarrerin finden. Städter tun sich da immer schwerer, stellen die Kirchen fest. Deshalb könnte es bald in Nürnberg eine Art "Agentur" geben, in der kirchliche Lotsen für Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen sitzen. Elke Wewetzer von der Kircheneintrittsstelle in Nürnberg plant mit an dieser neuen Einrichtung.