6.03.2020
Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze

Kirchliche Verbände protestieren gegen Abschottung der EU gegen Flüchtlinge

Mehrere kirchliche Verbände haben am Freitag die Situation für Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze als menschliche Katastrophe bezeichnet und schnelle Hilfe für die Menschen gefordert.
Ein Mann an einem Grenzzaun (Symbolbild)

"Grenzsicherung darf nicht über Menschenrechte gehen", sagte die Direktorin des Partnerschaftszentrums der bayerischen evangelischen Landeskirche, "Mission EineWelt", Gabriele Hoerschelmann, laut einer Mitteilung mit Blick auf die Polizeigewalt gegen Flüchtlinge.

Die rigide Abschottung der EU-Außengrenzen "widerspricht zutiefst unseren christlichen Werten und Überzeugungen".

Es sei Eile geboten, erklärte Hoerschelmann. Die Menschen an der türkisch-griechischen Grenze und in den Aufnahmelagern in Griechenland lebten schon viel zu lange unter menschenunwürdigen Bedingungen.

"Mission EineWelt" unterstütze daher eine Eil-Petition des Grünen-Europaabgeordneten Sven Giegold. Darin wird unter anderem der Stopp der Polizeigewalt gefordert. Außerdem soll die griechische Regierung von der Europäischen Union Hilfe erhalten, damit sie Schutzsuchende registrieren und ihnen ein ordentliches Asylverfahren gewähren kann.

Petition

Geflüchtete aus den Aufnahmelagern in Griechenland, die in Deutschland lebende Verwandte hätten, sollten zu ihnen reisen dürfen. Mit der Unterschrift unter die Petition könne man politischen Entscheidungsträgern zeigen, dass die große Mehrheit der Menschen in diesem Land für Nächstenliebe und die Wahrung der Menschenrechte stehe, erklärte Hoerschelmann.

Für die Evangelische Jugend Bayern (EJB) und den Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Bayern (BDKJ Bayern) sei es nicht akzeptabel, dass Familien und allein reisende Jugendliche bei Kälte und Regen im Grenzgebiet ohne jegliche Perspektive auf eine Einreise nach Europa ausharren müssten.

Paula Tiggemann, Vorsitzende der EJB, betonte, es sei nicht hinzunehmen, "dass die türkische Regierung das Leid von verzweifelten Menschen als diplomatisches Druckmittel benutzt".

Die beiden konfessionellen Jugendverbände aus Bayern fordern Akuthilfe und sichere Fluchtwege nach Europa. Die EU-Staaten müssten endlich über Kontingente sprechen und Menschen, darunter viele junge Flüchtlinge, aufnehmen.

Es brauche entschiedenes Handeln der Mitgliedsstaaten, die sich den Menschenrechten verpflichtet fühlten. "Junge Menschen wollen ein Europa der Mitmenschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit. Junge Menschen wollen kein Europa der Abschottung, der nationalistischen und rassistischen Propaganda", stellen die Vorsitzenden der Verbände fest.

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Glaube und Asyl

Gholamreza Sadeghinejad
Autor
Seit September 2018 hat Gholamreza Sadeghinejad bereits die landeskirchliche Projektstelle "Beheimatung Geflüchteter in der ELKB". Seine Berufung durch den Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche fand am 16. Februar in St. Markus in Nürnberg statt. Der Iraner hat in den langen Jahren der Flucht vor seinen muslimischen Landsleuten, die konvertierte Christen verfolgen, Geduld gelernt. Und Demut vor dem Glauben, den er auch den Iranern in Bayern nahebringt, die Christen werden wollen.

Asylsuchende

Immer wieder sind Ankerzentren in den Schlagzeilen. Mal gibt es Randale, mal fallen sie durch unmenschliche Bedingungen auf. Insgesamt sieben solcher Ankerzentren für je maximal 1.500 Asylsuchende gibt es seit einem Jahr in Bayern: in Deggendorf, Manching, Donauwörth, Schweinfurt, Bamberg, Zirndorf und Regensburg. Experten fordern ihre Abschaffung.