Vor den Toren der Erlöserkirche Bambergs stehen große Schilder, auf denen ein Pfeil in Richtung des Gemeindesaals zeigt. Als ich die Tür öffne, kommen mir warme Luft, der Duft nach Gemüsesuppe und ein freundlicher Herr entgegen, der mir die Hand schüttelt und mich begrüßt. Ich hänge meinen Mantel an der Garderobe auf, wo kaum noch Bügel frei sind, und nehme an einem der vielen Tische Platz.
Die Suppenkirche in Bamberg findet in diesem Jahr zum vierten Mal unter dem Motto "Suppenkirche – ein Teller Wärme" statt. Sieben Wochen lang gibt es im Januar und Februar mittags von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr unter der Woche in verschiedenen Bamberger Kirchen eine warme Suppe. Dazu gibt es Brot, Tee, Kekse und Wasser. Die verschiedenen Kirchen wechseln sich ab. Die Suppe ist kostenlos, es besteht jedoch die Möglichkeit, eine Spende am Eingang zu hinterlassen.
Innerhalb von zehn Minuten sind alle Plätze besetzt. Anette Simojoki, die Pfarrerin der Kirche, erzählt mir, dass sich bereits über hundert Menschen auf eine warme Suppe freuen. Überall wuseln ehrenamtliche Helfer:innen in Schürzen herum und bereiten die große Suppenausgabe vor. Auch der Bürgermeister von Bamberg, Herr Wolfgang Metzner, ist heute zu Besuch. Wir singen alle gemeinsam ein Lied, und wer möchte, betet vor dem Essen.
Fröhliche Stimmung, ein bisschen wie im Restaurant
"Einen guten Appetit" wünscht der Bürgermeister. Während jede:r seinen Teller direkt zum Platz gebracht bekommt und dazu Brot angeboten wird, unterhalten sich alle angeregt. "Darf ich Ihnen einen Tee anbieten?", werde ich von einer der Ehrenamtlichen gefragt. Es fühlt sich ein bisschen an wie in einem Restaurant, nur dass man die anderen Menschen am Tisch nicht kennt. Die Menschen tauschen sich über Geschichten aus dem Leben aus, von denen die meisten hier schon viele gesammelt haben. Es geht um Gesundheit, Hobbys, Bücher, Kirche und Musik. Ein Herr erzählt stolz, wie er "die Eisbahn fürs Eisstockschießen schrubbt”, denn dafür sei er mit seinen "75 Jahren noch fit genug”. Die Stimmung ist fröhlich und ich habe den Eindruck, dass alle froh sind, in Gesellschaft zu sein.
Nach kurzer Zeit habe ich das Gefühl, dass hier jede:r jede:n kennt. Man begrüßt sich quer über die Tische und findet schnell einen Platz. Keiner muss allein sein. Die Menschen erkennen sich auch von der vorigen Woche wieder und führen ihre Gespräche nahtlos fort. Die Pfarrerin steht immer wieder auf, um Menschen persönlich zu begrüßen oder zu verabschieden.
Nachdem alle eine Portion Suppe bekommen haben, setzen sich die Helfer:innen zu uns an die Tische und unterhalten sich mit den Besucher:innen. "Bewusst gibt es als Dienst ‚Zuhören und Gespräch‘ für jeden Suppenkirchentag. Ehren- und Hauptamtliche setzen sich mit Zeit und offenem Ohr an die Tische und hören zu oder beginnen ein Gespräch. Das ist einer der wärmsten Punkte der Suppenkirche", erzählt Anette Simojoki.
Kochen, spülen, Tische decken, aufräumen
Eine der vielen Helferinnen erzählt mir, dass pro Tag ungefähr zwanzig Personen zum Helfen da sind, denn "es gibt viel zu tun, vor, während und nach der Suppenkirche". Mir wird klar, dass hinter dieser Aktion viel mehr steckt als nur das Kochen und Ausgeben der Suppe. Der Saal muss schließlich erst vorbereitet werden. Einige kaufen vorher ein, andere treffen sich zum Vorbereiten und Gemüse schneiden. Sie kochen, spülen, räumen auf und decken die Tische. Jeder Tisch ist mit frischen Blumen dekoriert und es liegen Kärtchen aus, auf denen das heutige Gebet und der Liedtext stehen.
Anette Simojoki erzählt: "Kirchengemeinden sind Orte der Gemeinschaft. Bei dieser Aktion kann Kirche leuchten und ein wichtiger Teil der Zivilgesellschaft sein." Und diese Gemeinschaft spüre ich hier auch. Hier ist wirklich jeder willkommen. Allerdings muss man auch erkennen, dass nicht jeder dieses Angebot wahrnimmt oder wahrnehmen möchte. Ich bin mit Abstand die Jüngste hier und kann auch keine Menschen entdecken, die aussehen, als würden sie ihre Pause von der Arbeit hier verbringen.
Dafür aber sehr viele ältere Menschen, die sich freuen, hier zu sein. Einige von ihnen wären vermutlich allein zu Hause, hier können sie in Gesellschaft essen – und das kostenlos. Wenn man sie fragt, wie ihnen die Suppe schmeckt, geben sie alle eine positive Rückmeldung und sagen, die Suppe sei sehr gut. Da bin ich mit ihnen einer Meinung.
An freiwilligen Helfern fehlt es hier auch nicht. "Wir haben sogar eine Warteliste mit Menschen, die noch mithelfen wollen", sagt Pfarrerin Simojoki. "Unser großes Pfund in den Gemeinden sind die Ehrenamtlichen und ihre Haltung, etwas in ihr Umfeld einbringen zu wollen. Das wird bei der Suppenkirche ganz konkret erlebbar und zeigt, dass Kirche vor Ort ein wichtiger Teil des Miteinanders sein kann."
Vesperkirchen in Bayern 2026
- Vesperkirchen Nürnberg/Südstadt: bis 22. Februar; 10.30 - 15.30 Uhr (montags geschlossen), Gustav-Adolf-Gedächtniskirche, Menüpreis: ein Euro
- "MahlZeit" Nürnberg/Langwasser: 1. bis 8. Februar; täglich 12-14.30 Uhr; Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Kosten: ein Euro
- Suppenkirche Bamberg: bis 27. Februar; montags bis freitags, 12.30 und 13.30 Uhr , wechselnde kirchliche Räume, das Essen ist gratis
- Vesperkirche Schweinfurt: noch bis 8. Februar, täglich 11.30 bis 14 Uhr, St. Johanniskirche, Menükosten: 2 Euro (Kinder 1 Euro)
- Vesperkirche Augsburg: 1. bis 15. März, täglich von 11 bis 14:45 Uhr, St. Paul, Kosten: ein Euro
- Vesperkirche Memmingen: 1. bis 15. März, täglich 12 bis 14 Uhr, Christuskirche; Menüpreis: jeder gibt, was er kann
- Vesperkirche Coburg: 1. bis 15. März, 12 bis 14 Uhr, Morizkirche; Menüpreis; jeder gibt, was er kann