Demokratie. Ein großes Wort, zweifelsohne und man geht davon aus, dass sie schon irgendwie immer da ist. Erst wenn sie fehlt, merkt man, wie existenziell sie ist. Genau da setzt die Veranstaltungsreihe "Bamberg. Demokratisch.“ 

Zwischen Mai und Juli 2026 will in Bamberg ein breites Bündnis aus Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Kirche zeigen, was oft unsichtbar bleibt: dass Demokratie nicht nur im Bundestag stattfindet, sondern auf Marktplätzen, in Kitas, Theatern und Workshops. Über 40 Veranstaltungen sind bereits geplant – vom queeren Stadtrundgang bis zur Rap-Werkstatt. Ein bunter Mix, der eines sichtbar machen soll: Vielfalt ist keine Randnotiz, sondern Grundlage unseres Zusammenlebens.

Doch der Ton hat sich verändert. Das spürt auch Diakonin Andrea Hofmann. Wenn sie über Demokratie spricht, schwingt Sorge mit. Rechtsradikale Gruppierungen stellten zunehmend die Grundpfeiler des Rechtsstaats infrage, sagt sie. Was früher als gesellschaftlicher Konsens galt – Schutz der Menschenwürde, Gleichheit, Solidarität – werde heute wieder offen angegriffen. Und nicht nur im Internet. "Hass, Rassismus und Antisemitismus nehmen auch auf unseren Plätzen und in unseren Gemeinschaften zu."

Demokratie wirkt plötzlich brüchig

Das ist kein diffuses Gefühl mehr, sondern mittlerweile leider Alltag. Demokratie wirkt plötzlich brüchig. Und genau deshalb reicht es nicht mehr, sich auf ihre Stabilität zu verlassen. "Wir müssen erkennen, welchen Wert unsere Demokratie für unser Miteinander hat", sagt Hofmann. Bildungsarbeit spiele dabei eine zentrale Rolle.

Die Kirche sieht sie dabei nicht als Zuschauerin. Im Gegenteil: "Kirche kann gar nicht politisch genug sein." Hofmann meint damit keine Parteipolitik, sondern Haltung. Wer das Evangelium ernst nehme, müsse sich in gesellschaftliche Debatten einbringen. Neutralität sei da keine Tugend, sondern Ausrede.

Ein zentrales Ziel der Reihe ist es, Menschen aus ihren eigenen Denkblasen zu holen. Ein ambitioniertes Vorhaben in einer Zeit, in der Algorithmen uns zuverlässig nur noch das zeigen, was wir ohnehin schon glauben. Hofmann widerspricht allerdings der oft gehörten These, Engagement für Demokratie sei eine "linke Bubble". Demokratie, sagt sie, sei vielen Menschen wichtig – unabhängig von politischer Verortung. Die Vielzahl der beteiligten Akteure sei dafür der beste Beweis.

Raus aus den Denkblasen – aber wie?

Und trotzdem bleibt die Frage: Reden am Ende nicht doch wieder nur die, die sich ohnehin einig sind? Die ehrliche Antwort lautet vermutlich: teilweise ja. Aber vielleicht liegt der Wert genau darin, diese Kräfte sichtbar zu machen und zu vernetzen. In einer Zeit, in der Spaltung oft lauter wirkt als Zusammenhalt, ist allein das schon ein Signal.

Besonders heikel wird es beim Thema Meinungsfreiheit. Viele Menschen hätten das Gefühl, ihre Meinung nicht mehr frei äußern zu können. Hofmann nimmt das ernst. Sie verweist auf reale Erfahrungen von Anfeindungen, etwa im interreligiösen Bereich. Wenn Menschen Angst hätten, werde aus einem Gefühl schnell ein echtes Problem. "Ich schäme mich manchmal, dass solche Anfeindungen in unserem Land Menschen ängstigen."

Und dann kommt der Punkt, an dem es schwierig wird: Wie geht man mit denen um, die demokratische Grundwerte offen ablehnen? Dialog? Oder klare Kante? Hofmann zieht hier eine Grenze. Wer Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde infrage stelle, verlasse die Basis für einen Dialog auf Augenhöhe. Das klingt hart, ist aber eine notwendige Klarstellung in Zeiten, in denen alles verhandelbar scheint.

Wo Dialog endet und Haltung beginnt

"Konsequenter Widerstand" nennt sie das. Gemeint ist kein schriller Aktivismus, sondern ein klares Einstehen für Solidarität und Zusammenhalt – im Alltag, in Gesprächen, im eigenen Umfeld. Demokratie verteidigt sich nicht von allein. Sie lebt davon, dass Menschen widersprechen, wenn Grenzen überschritten werden.

Natürlich bleiben Zweifel. Auch bei Hofmann. Ob das alles reicht? Ob Veranstaltungen, Gespräche und gute Absichten gegen die Dynamik von Populismus und Spaltung ankommen? Ihre Antwort ist erstaunlich nüchtern und zugleich trotzig: Jeder müsse in seinem eigenen Bereich anfangen. Und jedes Zeichen für Menschenwürde sei ein Schritt.

Man kann nicht aus dem Stand eine große Lösung für alles präsentieren, sondern viele kleine, sichtbare Zeichen. Als Erinnerung daran, dass Demokratie kein Zustand ist, sondern eine Praxis. Eine, die gepflegt werden muss. Immer wieder.

Oder anders gesagt: Sie fällt nicht vom Himmel. Leider – wäre deutlich bequemer.

Bamberg. Demokratisch.

Die Veranstaltungsreihe "Bamberg. Demokratisch." läuft von Mai bis Juli 2026 und bringt über 40 Aktionen in die ganze Stadt – von Workshops und Konzerten bis zu Diskussionen und kreativen Formaten. Die Veranstaltungen finden an ganz unterschiedlichen Orten statt: in der Innenstadt, auf öffentlichen Plätzen, in Kultureinrichtungen und auch online. Hinter dem Programm steht ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Gruppen, unter der Schirmherrschaft des DGB und des Evangelischen Dekanats. Eine Übersicht aller Termine sowie die Möglichkeit, eigene Veranstaltungen einzubringen, gibt es online unter: bamberg-bleibt-bunt.de