13.10.2013
Regionalbischöfin

Nah am Menschen

Ab März kommenden Jahres wird der evangelische Kirchenkreis Ansbach-Würzburg erstmals von einer Frau geleitet: Die Bad Windsheimer Dekanin Gisela Bornowski tritt dann ihr Amt als Regionalbischöfin an. Gewählt wurde sie am 4. Oktober.

Die bisherige Bad Windsheimer Dekanin Gisela Bornowski wird neue Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg. Die 52-Jährige tritt im März kommenden Jahres die Nachfolge von Christian Schmidt an, der am 30. Oktober 65 Jahre alt wird und deshalb zum Jahresende in den Ruhestand tritt. Bornowski ist seit 2002 Dekanin in Bad Windsheim, dort ist sie für rund 17 500 Evangelische in 28 Gemeinden zuständig. Zuvor war die dreifache Mutter in Landgemeinden am Hesselberg als Pfarrerin tätig. Die aus der Nähe von Ansbach stammende Theologin ist mit dem Motorrad-Restaurateur Steven Bornowski verheiratet.

Mit Bornowskis Berufung sind gleich mehrere Premieren verbunden. Wie schon auf der Dekansstelle in Bad Windsheim ist sie auch die erste Frau im Amt des Regionalbischofs im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg. Zudem gab es bislang noch nie einen Regionalbischof in Bayern, der direkt vor seiner Berufung als Dekan oder Pfarrer im selben Kirchenkreis tätig war. Der Berufungsausschuss der bayerischen Landeskirche unter Vorsitz der Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll hatte die Landessynodalen aus dem Kirchenkreis Ansbach-Würzburg in Nürnberg zu der wichtigen Personalie für den Kirchenkreis angehört.

»Glaube ist nie nur Privatsache«

Sie freue sich auf die vielen Begegnungen, die es in den unterschiedlichen Landstrichen des Kirchenkreises geben wird, sagte Bornowski. Außerdem wolle sie »Kirche ein Stück weit mitgestalten«, sagte sie: »Ich wirke gerne mit, setze gerne Prozesse in Gang, setze gerne Impulse für Entwicklungen und ich denke, das kann ich in dieser Position gut.« Die Kirche im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg soll ihrer Ansicht nach eine sein, die »nah am Menschen« ist: Sie müsse die Fragen der Menschen ernst nehmen, aus dem Evangelium heraus Antworten anbieten und dableiben, wenn es Menschen schlechtgehe.

Kirche sei nie nur Privatsache, so die künftige Regionalbischöfin: »Die 'Welt' hat ein Recht darauf, dass wir unseren Glauben an den menschenfreundlichen Gott bezeugen und christliche Werte in unserer Gesellschaft und im politischen Diskurs hochhalten und vertreten.« Mit der Wahl von Gisela Bornowski bekleiden nun in Bayern vier Frauen und drei Männer das Amt des Regionalbischofs.

Ihre Familie habe sie bei der Bewerbung für das neue Amt ermutigt. Dass sie ab März 2014 einen noch volleren Terminkalender haben wird, sei allen klar. »Meine Familie ist das ja schon gewohnt«, sagte sie: »Ich war ja immer - bis auf die Mutterschutzzeiten - voll im Dienst.« Ihr Mann und sie seien seit mehr als 30 Jahren ein hervorragendes Team, was Arbeiten in Haus und Familie angehe. Über ihre Wahl habe sich die ganze Familie riesig gefreut: »Meine Kinder haben nach dem Bekanntwerden auch gleich im Internet Glückwünsche gepostet.« Trotz steigender Zeit- und Arbeitsbelastung will sich Bornowski familiäre Freiräume schaffen.

Gisela Bornowski wird mit der Ernennung zur Regionalbischöfin zugleich Oberkirchenrätin und Mitglied der Landeskirchenleitung. Sie wird am 1. März offiziell die Nachfolge von Regionalbischof Schmidt antreten, der Ende Dezember in den Ruhestand tritt. Der Einführungsgottesdienst unter der Leitung von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm findet am 2. März 2014 um 15 Uhr in der Würzburger St.-Johannis-Kirche statt.

Der Kirchenkreis Ansbach-Würzburg existiert in seiner heutigen Form seit 1987. In ihm leben in 19 Dekanatsbezirken und rund 450 Kirchengemeinden mehr als 430 000 Evangelische. Er umfasst das westliche Mittelfranken und fast ganz Unterfranken. Er reicht somit von Heidenheim am Hahnenkamm bis in die Rhön und bis kurz vor Frankfurt am Main. Im Kirchenkreis sind wichtige landeskirchliche Einrichtungen wie die Augustana-Hochschule, Mission EineWelt oder der Windsbacher Knabenchor angesiedelt.

ShareFacebookTwitterShare
Sonntagsblatt