Idyllisch inmitten von sanften Hügeln und Weinbergen gelegen und vom Main durchzogen, gilt Würzburg als Touristen-Hotspot. Die Würzburger Residenz, die Festung Marienberg, der Kiliansdom und viele weitere Kirchen und Klöster prägen das Stadtbild. Von Mitte März bis in den Spätherbst ist der Brückenschoppen, also das Trinken eines Glas Weins auf der Alten Mainbrücke, für Einheimische wie Gäste obligatorisch und steht sicher bei vielen Katholikentagsbesuchern ab dem 13. Mai auf der To-Do-Liste.
Beobachtet wird man beim Weintrinken von zwölf in Stein gehauenen Heiligen. "Unter diesen zwölf gibt es kaum eine Figur, die aus heutiger Sicht keine migrantische Geschichte mitbringt – von Schottland bis Italien", erklärt der katholische Hochschulpfarrer Burkhard Hose. Für ihn ist das ein schönes Symbol dafür, wie modern und weltoffen Würzburg heutzutage ist. Mehr als 25.000 Studierende bei rund 130.000 Einwohnern prägen die Stadt und sorgen dafür, dass Würzburg laut eigenen Angaben einen vergleichsweise niedrigen Altersdurchschnitt von 41 Jahren hat.
Würzburg: Gastgeber des 104. Deutschen Katholikentags
Vom 13. bis 17. Mai wird die Stadt zudem Gastgeber des 104. Deutschen Katholikentags. Unter dem Leitwort "Hab Mut, steh auf!" greift das Treffen die biblische Erzählung von der Heilung des Bartimäus auf. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, versteht die Ermutigung aus dem Markusevangelium ausdrücklich auch politisch: Der Katholikentag wolle Menschen bestärken, für ihren Glauben einzustehen und die Menschenwürde zu verteidigen. Zugleich richte sich der Blick gegen Hass und Hetze, die das gesellschaftliche Klima vergifteten.
Insgesamt sind rund 900 Veranstaltungen geplant – von großen Konzerten bis zu Gesprächen in kleiner Runde. Der Katholikentag konzentriert sich dabei auf die drei Bereiche "Geistliches – Kulturelles – Politisches" und will Antworten auf die Herausforderungen einer zukunftsfähigen Gesellschaft und Kirche suchen. Themen wie Krieg, Klimawandel, soziale Spaltung und Vertrauenskrisen in Politik und Kirche ziehen sich durch das Programm.
Auch politisch ist das Treffen hochkarätig besetzt. Zur Eröffnung in der Würzburger Innenstadt werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne), Bischof Franz Jung sowie ZdK-Präsidentin Stetter-Karp erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellt sich am 15. Mai unter dem Titel "Gemeinsam Zukunft gestalten" den Fragen junger Menschen. Zu den weiteren Gästen zählen unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD), Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), Bodo Ramelow (Linke), Ricarda Lang (Grüne), Manfred Weber (CSU) sowie die Klimaaktivistin Luisa Neubauer.
Schwerpunkt Demokratie und Zusammenhalt
Ein Schwerpunkt liegt auf Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Steinmeier spricht etwa bei einem Podium unter dem Titel "Wir sind die Demokratie" über die Rolle von Zivilgesellschaft und Ehrenamt. Weitere Veranstaltungen befassen sich mit Fake News, politischer Angst und Demokratiebildung. Auch die Vereinnahmung christlicher Symbole durch rechte Ideologien wird diskutiert – unter anderem mit der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich.
Kirchenpolitisch stehen Ökumene, Synodalität und die Aufarbeitung von Missbrauch im Mittelpunkt. Dabei diskutieren unter anderem ZdK-Präsidentin Stetter-Karp und Bischof Heiner Wilmer über den Synodalen Weg. Die Missbrauchskrise wird in mehreren Formaten aufgegriffen, auch mit der Frage nach staatlicher Verantwortung in der Aufarbeitung.
Der Schlussgottesdienst findet am Sonntag auf dem Residenzplatz statt. Der Katholikentag ist Teil einer langen Tradition: Alle zwei Jahre richtet das ZdK das Treffen in einem anderen Bistum aus, im Wechsel mit dem Evangelischen Kirchentag. Zuletzt fand der 103. Katholikentag 2024 in Erfurt statt, der nächste ist für 2028 in Paderborn geplant. Der Evangelische Kirchentag gastiert 2027 in Düsseldorf.
Das katholische Würzburg
Mit rund 133.000 Einwohnern ist Würzburg nach Nürnberg die zweitgrößte Stadt in Franken. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Stadt im Jahr 704 als "Castellum Virteburch". Nur kurze Zeit später, Ende 741, wird das Bistum Würzburg gegründet und der erste Bischof der Stadt durch den Heiligen Bonifatius geweiht. Bischof Burkard erbaute das heutige Andreaskloster als seinen Bischofssitz.
Nachdem Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1156 seine Hochzeit mit Beatrix von Burgund in Würzburg feierte, verlieh er den Bischöfen von Würzburg 1168 auf dem Reichstag die Herzogswürde. Sie durften von da an über ihr eigenes Territorium herrschen. Das Hochstift Würzburg stieg zum Herzogtum Franken auf.
Reformation setzt sich nicht durch
1525 kam es im Zuge der Reformationsbewegung in Deutschland zu einem Bauernkrieg, in dem die Würzburger Bevölkerung gegen die Herrschaft der Fürstbischöfe aufbegehrte. Die Bauern und Bürger unterlagen, die Reformation war damit abgewendet. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts blieb Würzburg katholisches Herrschaftsgebiet, bis 1802 bayerische Truppen das Hochstift besetzten und der letzte Fürstbischof abdanken musste.
Noch lange Zeit war ein überwiegender Teil der Bevölkerung in Würzburg katholisch. 2012 waren es laut Statistikatlas Würzburg noch 50,4 Prozent. In den folgenden Jahren nahm die Mitgliederzahl stetig ab, bis es 2024 nur noch 35,2 Prozent waren. Die evangelische Bevölkerung schrumpfte in derselben Zeit von 21,9 auf 16,5 Prozent.
Würzburg: Jung und nicht besonders katholisch
Das Stadtbild Würzburgs ist architektonisch traditionsreich, während die Bevölkerung jung und vor allem eines ist: nicht mehr besonders katholisch. War laut Statistikatlas 2012 noch jede zweite Person in Würzburg in der katholischen Kirche, sind es heute rund 35 Prozent. Im Bildungs- und Begegnungszentrum Matthias Ehrenfried macht sich das bemerkbar, sagt Leiter Alexander Kolbow.
"Wir haben bei unseren Angeboten einen großen Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte, es kommen auch viele Familien."
Zugleich nimmt er wahr, dass immer weniger Menschen überhaupt etwas über Religion und Kirche wissen. "Zu unseren Angeboten in spiritueller und liturgischer Bildung kommen vor allem die Menschen, die eh schon im katholischen Milieu verwurzelt sind." Für andere gebe es ergänzende Bildungsformate.
Auch das Selbstverständnis der katholischen Kirche in Würzburg hat sich gewandelt. Lange Zeit war sie prägend und machtbewusst. Kein Wunder bei einer mehr als 1.250-jährigen Geschichte. Ende 741 wurde der erste Bischof geweiht, im Mittelalter war Würzburg ein kirchliches Machtzentrum mit Reichs- und Hoftagen sowie zahlreichen Klostergründungen. Das Hochstift Würzburg wurde bis 1802 von den Bischöfen als Reichsfürsten regiert.
"Ich erinnere mich noch an Zeiten, als beim Neujahrsempfang der Stadt der Bischof die Ansprache hielt", sagt Burkhard Hose. Heute sei das Verhältnis stärker auf Kooperation ausgerichtet. Auch die Ökumene mit der evangelischen Kirche, die rund 16,5 Prozent der Bevölkerung ausmacht, spiele dabei eine größere Rolle.
"Es war immer die große katholische Kirche und der kleine Partner, die evangelische Kirche", sagt Hose. "Das merkt man nach wie vor." Pfarrerin Tanja Vincent sieht das differenzierter: "Es ist gar nicht so schlecht, in Würzburg evangelisch zu sein." Mit drei Kirchen in der Innenstadt und intensiver Zusammenarbeit erlebe sie vielerorts gelebte Ökumene – etwa bei der Nacht der offenen Kirchen.
Zum Katholikentag werden bis zu 30.000 Gäste erwartet. "Die Stadt hat eine enorm hohe Lebensqualität, die auch die Teilnehmenden wahrnehmen werden", sagt Alexander Kolbow. Die kurzen Wege, das kulturelle Angebot und die Mainlage prägen das, was viele als "Würzburggefühl" beschreiben.
Interview mit Regionalbischöfin Gisela Bornowski: "Großes Fest des Glaubens"
Die evangelische Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski freut sich auf die Begegnungen und Gespräche beim Katholikentag und erläutert, weshalb sie persönlich auch gut damit leben könnte, wenn es künftig grundsätzlich Ökumenische Kirchentage gäbe.
Welche Rolle spielt für Sie persönlich die Teilnahme am Katholikentag?
Gisela Bornowski: Ich werde vor allem einfach da sein, mitfeiern, Menschen begegnen, die Atmosphäre und die Gemeinschaft vieler genießen. Bei der Eröffnungsveranstaltung werde ich bei einer kurzen Podiumsdiskussion zum Thema "Synodale Kirche" mit dem katholischen Würzburger Bischof Franz Jung und Ehrenamtlichen ins Gespräch kommen und über unsere synodale Arbeit in der bayerischen evangelischen Landeskirche berichten.
Evangelischer Kirchentag, Katholikentag, Ökumenischer Kirchentag – braucht es diesen Dreiklang eigentlich noch?
Noch sind alle diese Veranstaltungen gut besucht, das spricht meines Erachtens für den Dreiklang. Mit der Gemeinschaft im Heiligen Abendmahl tun wir uns immer noch schwer. Das würde uns bei den Gottesdiensten vor eine Herausforderung stellen. Ich persönlich könnte mir auch grundsätzlich Ökumenische Kirchentage vorstellen. Das wäre ein gemeinsames christliches Zeugnis in die Gesellschaft hinein. Ich habe aber Zweifel, dass sich das schon umsetzen lässt.
Gibt es einen Termin beim Katholikentag in Würzburg, auf den Sie sich besonders freuen?
Natürlich habe ich die Eröffnung am Mittwoch besonders im Blick. Ich bin auch schon ein wenig aufgeregt. Aber ich bin vor allem sehr gespannt auf die unterschiedlichen Begegnungen und auch wie sich die evangelischen Gemeinden einbringen. Es wird ein großes Fest des Glaubens sein.