Die Vorsitzende des bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins, Corinna Hektor, hat mit Blick auf den sich abzeichnenden Personalmangel die Nachwuchsgewinnung der bayerischen Landeskirche kritisiert.
Obwohl etwa die Zahl der Theologiestudent:innen ohnehin schon äußerst gering sei und nur wenige überhaupt in den Pfarrberuf wollten, leiste sich die Landeskirche eine "Zugangsbegrenzung", sagte Hektor am Dienstag bei der Frühjahrstagung des Vereins in Nürnberg in ihrem Vorstandsbericht.
Warum Bewerber für den Pfarrberuf abgewiesen werden
"Das ist ein Problem", erläuterte Hektor, "es werden tatsächlich Menschen abgewiesen", die man als künftige Kolleg:innen gebrauchen könnte.
Als Erstes treffe es jene, die als "außerbayerische Ausländer" in der bayerischen Landeskirche arbeiten wollten. Auch bayerische Theolog:innen, die nach ihrem Vikariat etwa ins Ausland oder eine andere Landeskirche gegangen seien, "haben nur in Ausnahmefällen eine Chance, überhaupt genauer in den Blick genommen zu werden", sagte Hektor. Das sei "keine gute Idee".
Quereinsteiger und Vikariat: Neue Konkurrenz um wenige Plätze
In rund eineinhalb Jahren sieht Hektor noch ein weiteres Problem auf potenzielle Pfarrpersonen zukommen. Dann nämlich sei der erste Jahrgang der Quereinsteiger fertig und könne nach bestandenem Examen in das Vikariat einsteigen.
Die Kirchenleitung müsse nun jedoch dafür sorgen, dass diese gewollten und geförderten Quereinsteiger nicht den "grundständig" studierten Theologen die wenigen Vikariatsplätze streitig machen.
Der Pfarrerverein fordert deshalb einen zusätzlichen Vikariatskurs zum Abschluss-Zeitpunkt der Quereinsteiger.
Ausbildung im Vikariat: "Unglaublicher Organisationsaufwand"
Auch die Ausbildung im Vikariat selbst sieht Hektor kritisch:
"Besonders dringend sollte sich ändern, wie viele Menschen an wie vielen Orten inzwischen an der Ausbildung beteiligt sind."
Für einen Vikariatskurs komme das Evangelische Studienseminar für Pfarrausbildung der Landeskirche auf mehr als 100 Personen plus etwa 50 Einrichtungen. "Das ist ein unglaublicher Organisationsaufwand", mahnte Hektor. Erfreulicherweise habe man erreicht, dass das Team des Studienseminars das Konzept in diesen Punkten überarbeiten darf.
Widerstand gegen große regionale Einheiten wächst
Kritisch steht die Vorsitzende des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins den immer größer werdenden regionalen Einheiten in der Landeskirche gegenüber. Man sollte noch einmal darüber nachdenken, ob diese "wirklich alternativlos" sind, wie es aus der Kirchenleitung immer heiße, sagte Hektor: "Inzwischen formiert sich Widerstand."
Der sei beispielsweise schon in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" oder auch dem Magazin "Zeitzeichen" zu lesen gewesen: "Die Kritik ist fundiert und lässt sich nicht einfach als Wunschdenken Ewiggestriger abtun."