Wo finde ich die passende Fortbildung? Welche Materialien kann ich für meine Arbeit in der Gemeinde nutzen? Und wer hilft bei rechtlichen Fragen rund ums Ehrenamt? 

Die evangelische Kirche in Bayern will solche Fragen künftig leichter beantworten können. Mit dem neuen Servicepoint Ehrenamt bündelt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) Informationen, Materialien, Beratungsangebote, Fortbildungen und Möglichkeiten zur Vernetzung an einem zentralen Ort.

Dabei setzt die Landeskirche auch auf künstliche Intelligenz: Der Chatbot "espe" soll Fragen von Ehrenamtlichen rund um die Uhr beantworten. Die Idee für den Servicepoint entstand in der Arbeitsgruppe Mitgliederorientierung der Landessynode. Dort sei festgestellt worden, dass es zwar bereits zahlreiche gute Angebote innerhalb der ELKB gibt, diese aber auf viele verschiedene Stellen verteilt sind, erklärt Barbara Gruß vom Team Ehrenamt der Wirkstatt evangelisch.

Der Servicepoint soll deshalb vor allem Orientierung schaffen und den Zugang zu vorhandenen Angeboten erleichtern. Persönliche Beratung soll dabei ausdrücklich erhalten bleiben. "Der Servicepoint ist keine Sparmaßnahme", betont Gruß, sondern eine Investition der Landeskirche in das ehrenamtliche Engagement.

Viele Angebote, bislang an vielen Stellen

Ehrenamtliche finden auf der neuen Plattform unter anderem Fachinformationen, Checklisten, Vorlagen, Arbeitshilfen und Praxisbeispiele. Hinzu kommen Hinweise auf Veranstaltungen und Qualifizierungsangebote sowie Beratungs- und Vernetzungsmöglichkeiten. Die Angebote stammen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Landeskirche und werden auf dem Servicepoint gebündelt.

Der Servicepoint soll nicht nur denjenigen helfen, die bereits engagiert sind. Auch Menschen, die nach einem passenden Ehrenamt suchen, finden dort Orientierung. Sie können zunächst herausfinden, welche Interessen und Begabungen sie mitbringen und was sie zu einem Engagement motiviert. Anschließend soll der Servicepoint bei der Suche nach einer passenden Aufgabe helfen – über die direkte Kontaktaufnahme mit einer Kirchengemeinde oder eine digitale Vermittlungsplattform.

Auch die Gemeinden selbst nimmt das Angebot in die Pflicht. Der "Wegweiser durchs Ehrenamt" soll ihnen helfen, die eigenen Bedingungen für freiwilliges Engagement zu überprüfen. Denn die Frage lautet nicht nur, wie sich neue Ehrenamtliche gewinnen lassen. Sie lautet auch: Was muss eine Gemeinde bieten, damit Menschen sich dort gerne engagieren und langfristig dabeibleiben?

Ehrenamt wird kurzfristiger

Ob der neue Servicepoint allerdings dazu beitragen kann, mehr Menschen für ein dauerhaftes Engagement zu gewinnen, sieht Gruß differenziert. Gesellschaftliche und innerkirchliche Veränderungen hätten dazu geführt, dass Engagement häufiger kurzfristig oder projektbezogen stattfinde.

Diesen Trend werde der Servicepoint nicht aufhalten, sagt sie. Er könne aber Sicherheit in Veränderungsprozessen geben und dazu beitragen, dass Ehrenamtliche gute Bedingungen und hilfreiche Begleitung vorfinden. Auch Gemeinden könnten mithilfe des Wegweisers überprüfen, wie attraktiv ihre eigenen Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche sind.

Damit versteht die ELKB den Servicepoint nicht nur als digitale Informationsplattform, sondern auch als Werkzeug für die Ehrenamtsarbeit vor Ort.

"espe" beantwortet Fragen rund um die Uhr

Besonders ungewöhnlich ist der KI-Chatbot "espe". Er soll Fragen beantworten, die im Alltag von Ehrenamtlichen entstehen – unabhängig davon, ob gerade eine kirchliche Einrichtung geöffnet hat.

Die KI greift nach Angaben der Verantwortlichen ausschließlich auf Informationen zurück, die für sie hinterlegt wurden. Die Inhalte würden kontinuierlich ergänzt und der Chatbot entsprechend weiterentwickelt. Bei rechtlichen Fragen, etwa zu Versicherungs- oder Haftungsfragen, soll "espe" neben einer allgemeinen Einordnung auch auf die Dokumente verweisen, aus denen sich die Antwort ableitet. Nutzer können damit direkt zu den entsprechenden Gesetzestexten und anderen Quellen gelangen.

Ganz ohne menschliche Kontrolle soll die KI allerdings nicht auskommen. Die Nutzerinnen und Nutzer können die Antworten bewerten, zudem will das Team des Servicepoints "espe" regelmäßig selbst überprüfen.

"Gerade am Anfang" könne es vorkommen, dass Fragen noch nicht zufriedenstellend beantwortet werden, räumt Gruß ein. Deshalb sei auch die Rückmeldung der Nutzer wichtig.

Bei rechtlichen Detailfragen oder einer individuellen Beratung soll "espe" ohnehin nicht die Fachleute ersetzen. Dafür bleiben die zuständigen Referentinnen und Referenten sowie andere Fachstellen ansprechbar.

Keine digitale Sparmaßnahme

Dass mit dem digitalen Angebot gleichzeitig Personal eingespart werden könnte, weist Gruß zurück. Der Servicepoint sei ausdrücklich nicht zur Entlastung der Hauptamtlichen gedacht.

Vielmehr gehe es darum, Ehrenamtlichen einen besseren Service zu bieten. Hauptberufliche könnten zwar ebenfalls davon profitieren, dass Informationen gebündelt zur Verfügung stehen. Die persönliche Beratung bleibe aber Bestandteil des Angebots.

"Der Servicepoint ist keine Sparmaßnahme, sondern eine große Investition der Landeskirche, um ehrenamtliches Engagement noch mehr zu fördern", sagt Gruß.

Erfolg soll sich auch an Rückmeldungen messen lassen

Ob das Konzept aufgeht, soll sich in den kommenden Jahren auf mehreren Ebenen zeigen. Die Zugriffszahlen auf den Servicepoint können über ein datenschutzkonformes Analysetool erfasst werden. Daneben setzt die ELKB auf direkte Rückmeldungen von Ehrenamtlichen.

Bei ihrer nächsten regelmäßigen Evaluation zur Ehrenamtlichkeit soll zudem abgefragt werden, wie zufrieden die Engagierten mit dem neuen Angebot sind und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben.

Der Anspruch ist damit größer als der Start einer weiteren kirchlichen Website: Der Servicepoint soll zu einer zentralen digitalen Anlaufstelle für das Ehrenamt in der ELKB werden – mit menschlicher Beratung auf der einen und einem KI-Assistenten auf der anderen Seite.