25.03.2019
Reformprozess Profil und Konzentration

So beteiligen Sie sich mit Ihrem Kirchenvorstand an PuK

Rund 12.000 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher gestalten seit ihrer Wahl im November die Entwicklung ihrer evangelischen Gemeinden mit. Immer mehr von ihnen beschäftigt der innerkirchliche Reformprozess "Profil und Konzentration". Das PuK-Projektteam der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) bietet nun Arbeitsmaterialien an, um Kirchenvorstände dabei zu unterstützen.
PuK Sozialraum Orientierung Bayern

In gut 170 Veranstaltungen hat das Projektbüro "Profil und Konzentration" der evangelischen Landeskirche in den vergangenen anderthalb Jahren die PuK-Reformidee in die bayerische Fläche getragen. Jetzt sollen die neu gewählten Kirchenvorstände noch intensiver eingebunden werden. Für die mehr als 1.500 Gemeinden hat das vierköpfige Team ein Konzept aus Erklärvideos und Handreichungen erarbeitet, das bei der Beschäftigung mit PuK vor Ort helfen soll. Wählen können die Kirchenvorstände aus einem kleinen Arbeitspaket für eine Stunde oder einer ausführlichen Version für einen halben Tag.

Erste Voraussetzung für den Weg in den Reformprozess PuK sei die Bereitschaft, eingetretene Pfade zu überdenken und vielleicht sogar zu verlassen, erklärt Gemeindepädagogin Brigitta Bogner vom Reformprozess-Team. Das bedeute aber nicht – wie viele fürchten – alles über den Haufen zu werfen und um jeden Preis neu machen zu müssen:

"PuK soll Denkfreiräume eröffnen und ermöglichen loszulassen, wo Gewohntes nicht mehr zündet, um Platz für Neues zu machen."

Ein praktisches Beispiel: Mit seinen 85 Jahren sieht sich Organist Herr P. nicht mehr in der Lage, jeden Gottesdienst musikalisch zu begleiten. Einen Nachfolger zu finden, stellt sich als unmöglich heraus. Der Flötenkreis im Ort wächst hingegen stetig. Warum also nicht den Organisten entlasten und die Holzbläser fördern? "PuK will ermöglichen, dass die Gaben jedes Einzelnen noch besser zur Geltung kommen", sagt Brigitta Bogner.

PuK, so heißt es immer wieder, sei weitaus mehr als Diskussionen, nämlich eine Haltungsfrage. Der Blick, so beschreibt es Brigitta Bogner, müsse weg vom 'Das haben wir schon immer so gemacht'. Am Ausgangspunkt des PuK-Konzepts für Kirchenvorstände stehe darum der heutige Mensch: Wo lebt er? Wo findet er Ruhe, wo Spiritualität? Was ist ihm wichtig, was berührt ihn, macht ihm Hoffnung, wo ist er ansprechbar für die tieferen Fragen nach Ängsten und Sehnsüchten? Welche Angebote zieht er denen seiner Kirchengemeinde vor?

"Wir wollen zu einem Perspektivwechsel ermutigen, um zu ergründen, was Menschen bewegt und wie wir ihnen geistliche Heimat werden können", erklärt Brigitta Bogner.

Diese Ergebnisse würden in einem zweiten Schritt mit dem Auftrag der Kirche zusammengebracht. Die PuK-Begleitgruppe hat dafür Grundaufgaben von Kirche definiert, etwa Menschen seelsorgerlich zu begleiten. Das gelte insbesondere, wenn sie vor Veränderungen stehen – einem Schulabschluss oder dem Verlust eines Nahestehenden. Aber auch nachhaltig und verantwortungsbewusst mit den durch die Schöpfung anvertrauten Ressourcen umzugehen sei ein kirchlicher Auftrag.

Erst der dritte Schritt der Überlegungen führe die Kirchenvorstände zu der Frage, worin Energie steckt und etwas wachsen soll, aber auch an welchen Stellen etwas viel Energie kostet und kaum noch etwas bewegt. Miteinander gehe zudem vieles leichter: "Viele Beispiele für Vernetzung und Zusammenarbeit gibt es schon. Wir sehen sie oft nur nicht", betont Brigitta Bogner und verweist auf die drei "K"s.

In diesem Video der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) interviewt Brigitta Bogner aus dem PuK-Projektteam den Veitsbronner Kirchenvorsteher Markus Steinlein. Er erklärt, warum die Beschäftigung mit dem Reformprozess "Profil und Konzentration" wichtig für die Arbeit in seiner Kirchengemeinde ist.

Die Kommunikation mit Sozialverbänden, karitativen Einrichtungen oder Vertretern anderer Konfessionen bestehe meist schon. Bei der Koordination käme es sodann darauf an, nicht nur voneinander zu wissen und Terminüberschneidungen zu vermeiden, sondern auch gegenseitig auf Angebote hinzuweisen. "Das dritte 'K' ist die Kooperation und nicht immer letztes Ziel, aber eine Möglichkeit, ähnliche Angebote zusammenzulegen", so Bogner. Auf diese Weise würden Energien für andere Bereiche freigesetzt.

Zahlreiche evangelische Gemeinden in Bayern haben seit Beginn des Reformprozesses zu PuK gearbeitet. Brigitta Bogner hat ihre Erfahrungen ausgewertet und bereits zwei Gemeinden bei der Erprobung des neuen Konzeptes begleitet.

"Schön war zu erleben, dass auch Menschen, die mit Skepsis und Misstrauen an PuK herangetreten sind, den Ansatz Mensch-Auftrag-Struktur sinnvoll fanden."

Die Gemeindepädagogin unterstreicht aber auch, dass die Methodik immer wieder neu angewandt werden müsse, um langfristige Veränderungen zu erzielen und stets auf neue Begebenheiten reagieren zu können. "Wer Lust hat etwas zu verändern und sich auf den Weg zu machen, wird mit PuK ein gutes Angebot finden."

Alle Kirchenvorstände, die Interesse an dem Arbeitspaket haben, können sich per Mail an puk@elkb.de direkt an das PuK-Büro wenden. So möchten Brigitta Bogner und ihre Kollegen mit Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern in Kontakt kommen und signalisieren, dass sie bei Fragen, Problemen oder der Suche nach der richtigen Anlaufstelle ansprechbar sind.

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