Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) hat auf ihrer Frühjahrstagung in Bayreuth ein neues Präsidium gewählt. An der Spitze: eine Richterin mit Weltläufigkeit. Ihr zur Seite stehen ein 21-jähriger Student, ein jazzbegeisterter Pfarrer, ein Doktorand der Verkehrstechnik und eine Neurologin. 

1. Tanja Keller (60): Präsidentin

Die bayerische evangelische Landessynode hat eine neue Präsidentin: Mit 76 Stimmen wurde Tanja Keller am Montagnachmittag im ersten Wahlgang in das Spitzenamt gewählt. Die Münchner Synodale ist seit 23 Jahren Richterin am Arbeitsgericht Regensburg. "Ich bin überwältigt – gemeinsam werden wir die Synode auf einen guten Weg bringen", sagte die 60-Jährige nach der Wahl. In ihrer Bewerbungsrede hatte sie betont, Wege finden zu wollen, "die für alle gangbar sind", und dass ihr die "Balance zwischen Kontinuität und Veränderung eine Herzensangelegenheit" sei.

Keller wurde in Hamburg geboren, wuchs aber in Luanda, Namibia und Abu Dhabi auf – und brachte von dieser Kindheit ein Fernweh mit, das sie zunächst ins Jurastudium und schließlich nach München trieb. Gleichstellung, Umwelt, Demokratie und Spiritualität nennt sie als ihre Herzensthemen. Für die Leitung eines gut hundertköpfigen Gremiums dürfte auch ihre Ausbildung zur Mediatorin keine schlechte Vorbereitung gewesen sein.

2. Luca-Fynn Schieblich (21): Erster Vize-Präsident

Die Landessynode hat mit Luca-Fynn Schieblich ihr jüngstes Mitglied zum ersten Vize-Präsidenten gewählt. Der 21-jährige Kulmbacher setzte sich in einer Stichwahl mit 71 Stimmen gegen den Windsbacher Dekan Klaus Schlicker (30 Stimmen) durch.

Von seiner Wahl zeigte sich Schieblich "geplättet" und sprach von einem guten Signal nach außen. "Wir brauchen Energie und Motivation", so der Student der Religionspädagogik und kirchlichen Bildungsarbeit. Beides will er in die Arbeit im Präsidium einbringen.

Die Vize-Präsidentschaft ist für Luca-Fynn Schieblich nicht das erste Ehrenamt: Neben zahlreichen Aufgaben in seiner Heimatgemeinde engagiert er sich in der Dekanatsjugendkammer in der Evangelischen Jugend und ist Mitglied der Jungen Union. "Ich möchte zeigen, dass man auch als junger Mensch Verantwortung übernehmen kann", so Schieblich. Und: "Ich habe Lust auf Gremienarbeit und darauf, unsere Kirche voranzubringen."

Besonders am Herzen liegen ihm die Gemeinden und Menschen vor Ort sowie die Themen Jugend, Familie und Bildung. Und er möchte Partei und Lobby für die sein, die keine haben. In seiner Freizeit trifft sich Luca-Fynn Schieblich gern mit Freunden, liest oder geht spazieren.

Als jüngstes Synodenmitglied hatte Luca-Fynn Schieblich zu Beginn der Synodaltagung traditionsgemäß die Rolle des Schriftführers übernommen, bevor er sich als Kandidat ums Vizepräsidenten-Amt bewarb.

3. Pfarrer Frank Bienk (50): Zweiter Vize-Präsident

Den konstruktiven Austausch fördern und die vielen Meinungen zu guten Beschlüssen zusammenzuführen: Das ist das Ziel von Pfarrer Frank Bienk für seine neue Aufgabe als zweiter Vize-Präsident der Landessynode. Der 50-Jährige aus dem schwäbischen Günzburg hatte sich in einer Stichwahl mit 70 Stimmen gegen den Windsbacher Dekan Klaus Schlicker (34 Stimmen) durchgesetzt.

Besonders am Herzen liegt Frank Bienk, den Menschen nicht nur vom Evangelium zu erzählen. Er will authentisch ausstrahlen, "dass wir mutig und zuversichtlich aus dieser Kraft leben – als Einzelne und als Institution." Seine Vision: flexibleres Denken und flexiblere Strukturen. "Damit wir leichter reagieren und wieder mehr auf den Weg bringen können für unsere Kirche."

Auf die Zusammenarbeit mit seinen Präsidiumskollegen Tanja Keller, Luca-Fynn Schieblich sowie Daniela Senger und Joel Brodersen freut sich Frank Bienk sehr. "Das ist ein tolles Team und wir werden miteinander einiges bewegen können."

Frank Bienk sitzt seit 2020 in der Landessynode. Er ist außerdem stellvertretender Dekan im Dekanatsbezirk Neu-Ulm. Privat ist er verheiratet. Mit seiner Frau Katja hat er fünf Kinder im Alter zwischen fünf und 24 Jahren. Wenn es die Zeit zulässt, musiziert Frank Bienk mit großer Leidenschaft: Er spielt in einer kleinen Jazzcombo und lernt seit zwei Jahren Saxophon.

4. Joel Brodersen (28): Schriftführer

Der 28-jährige Joel Brodersen aus München ist zum Schriftführer gewählt worden und gehört damit dem erweiterten Präsidium an. Neben Vize-Präsident Luca-Fynn Schieblich (21) gehören damit zwei U-30-Jährige dem Gremium an.

Der Doktorand der Verkehrstechnik sitzt zum ersten Mal in der Landessynode. In seiner neuen Funktion will er die anstehenden "Transformationsprozesse zukunftsgerichtet angehen – und dabei besonders die Perspektive junger Menschen und Ehrenamtlicher berücksichtigen". Zugute kommen ihm dabei seine Erfahrungen in der Evangelischen Jugend, wo er zuletzt als Vorsitzender des Landesjugendkonvents fungierte.

Besonderen Wert will Joel Brodersen bei den Synodaltagungen auf "Effizienz" und einen "wertschätzenden Umgang" legen.

5. Daniela Senger (44): Schriftführerin

Sie ist Fachärztin für Neurologie sowie Palliativmedizinerin, und jetzt auch Schriftführerin des Präsidiums der bayerischen Landessynode: Daniela Senger (44) aus Pegnitz (Dekanat Bayreuth).

Sie gehört seit 2020 der Landessynode an und setzt sich seitdem dafür ein, die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen zu stärken. Sehr am Herzen liegt ihr auch, klare Strukturen zu schaffen, mit denen vor Ort in den Gemeinden gearbeitet werden kann – "ohne Überregulation zu fördern". Als Schriftführerin will sie eine gute Kommunikationsstruktur mitgestalten.

"Mir ist es großes Anliegen gute, kontroverse und auch ergebnisoffene Diskussionen zu führen, gleichzeitig aber um Konsens zu ringen, ohne einzelne zu übergehen und Resultate zu erzielen, die Menschen in unseren Gemeinden gut mittragen können."

(mit Material von epd)