Als Wolfgang Popp und seine Frau Petra und Sohn Moritz nach Pappenheim kamen, suchte die Familie einen neuen Wohn- und Wirkungsort irgendwo zwischen Städtchen und Großstadt. 21 Jahre später haben beide Elternteile im evangelischen Leben der Stadt und der Region ihre Spuren hinterlassen – sie als Katechetin, er als Dekan.

Die Jugendjahre hatte der gebürtige Hofer in Windsbach verbracht, wo er einer der Sängerknaben war und viele Facetten der Kirche kennenlernte. Auch wenn auf dem Studienplan noch Archäologie und Geschichte standen, entschied sich Popp doch letztlich für die Theologie und studierte in Erlangen, Heidelberg und Tübingen, bis es ihn als Vikar nach Fürth-Dambach zog.

Gleich die erste Pfarrstelle wurde zu einer Herausforderung – in Lautertal nahe der deutsch-deutschen Grenze erlebte er zwischen 1987 und 1991 den Vorabend sowie die Nachklänge der Wiedervereinigung mit – eine auch zwischenmenschlich sehr intensive Zeit, nach der seine Petra und er einen Tapetenwechsel brauchten.

Glück am Fuße des Schwanbergs gefunden

1991 ging es dann in die mainfränkische Weinregion nach Rödelsee am Fuße des Schwanbergs. Dort erwies sich Popp nicht nur als Innovator mit Ideen wie dem seither oft kopierten "Lebendigen Adventskalender", er baute auch einen ökumenischen Kindergarten auf und betätigte sich zusammen mit Ehrenamtlichen sogar als Winzer, um aus dem gemeindeeigenen Weinberg einen selbst angebauten evangelischen Kirchenwein zu kreieren – und mithilfe des Weins auch die Gemeindefinanzen zu stabilisieren. Gattin Petra wurde damals als erste Frau überhaupt in den Gemeinderat gewählt – zu einer Zeit, in der solche Gremien in der Regel ausschließlich männlich besetzt waren. 13 Jahre sollten vergehen zwischen den Lagen "Schwanleite" und "Küchenmeister" – eine prägende und wertvolle Zeit, wie der baldige Umzug ins benachbarte Iphofen zeigt, wo die Popps ihren Alterssitz haben werden.

Die Zeit in Pappenheim werden die beiden als arbeitsreich, aber erfüllend in Erinnerung behalten. "Mit den Kolleginnen und Kollegen im Süden Frankens habe ich immer vertrauensvoll zusammengearbeitet, das Team in der kirchlichen Verwaltung hier ist absolut verlässlich", kommt Popp ins Schwärmen.

Nur etwa zehn Prozent weniger Evangelische habe sein Dekanat in den zwei Jahrzehnten verloren. Eine Zeit lang habe es hier sogar mehr Ein- als Austritte gegeben. Mit rund 16 000 Christinnen und Christen in 22 Gemeinden sei Pappenheim zwar personell ein kleines Dekanat, aber eben eines, in dem die Menschen noch eine enge Bindung an die Kirche haben, meint Popp.

Pragmatiker mit Durchsetzungskraft

"Die Leute lassen sich durchaus immer noch gewinnen", ist er überzeugt. Auch, und vielleicht auch weil Wolfgang Popp schon immer einer war, der gerne angepackt und Dinge pragmatisch umgesetzt hat. Das sieht man in Pappenheim an den in seiner Amtszeit renovierten oder neu geschaffenen Einrichtungen und Gebäuden wie dem Gemeindezentrum, dem Pfarrhaus oder der Verwaltungsstelle.

Es gab auch Neuerungen wie die Zusammenschlüsse der diakonischen sowie Erwachsenenbildungswerke der Region, den Friedwald, der sieben Jahre Planungs- und Überzeugungsarbeit gekostet hatte und in dem in den zehn Jahren seines Bestehens schon rund 300 Beerdigungen stattfanden. "Und der auch ein touristischer Wirtschaftsfaktor für die Stadt ist", bekennt Popp.

Für sein Pappenheim und dessen evangelische Zukunft hat sich der Theologe bis zuletzt ins Zeug gelegt. So ist es seiner Initiative mit zu verdanken, dass es nach seinem Abschied keine sofortige Fusion mit dem benachbarten Dekanat Weißenburg geben wird, das rund 18 000 Evangelische in 30 Gemeinden beherbergt. Wer sich auf die im April im Amtsblatt der ELKB erschienenen Stellenanzeige bewirbt, ist nicht nur weiter etwa hälftig im Pfarr- beziehungsweise Dekansdienst in Pappenheim, sondern soll den Prozess der Zusammenlegung innerhalb von zwei Jahren vorantreiben und habe dann "gute Aussichten" auf die Leitungsstelle des neuen Großdekanats, das dann auch noch rund 100 Immobilien, einige Dutzend Angestellte und mehrere Millionen Euro an Rückstellungen und Krediten aufweisen wird.

Viel zu tun also für die Nachfolgerin beziehungsweise den Nachfolger von Wolfgang Popp. "Man macht’s halt im Endeffekt immer für die Leut’", gibt sich dieser abschließend bescheiden. Wenn er beziehungsweise er und seine Frau am neuen Ruhestands- ort gebraucht werden, wollen sie sich auch gerne weiter in den Gemeinden engagieren – ansonsten: alles auf sich zukommen lassen.

Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Dekan Wolfgang Popp findet am 20. Juli um 14 Uhr in der Stadtkirche Pappenheim statt.

Pappenheim: links das Pfarrhaus, in der Mitte das Gemeindezentrum und rechts die Stadtkirche.
Pappenheim: links das Pfarrhaus, in der Mitte das Gemeindezentrum und rechts die Stadtkirche.