5.10.2018
Kommentar

Schluss mit "to go"!

Kaffee "to go", Essen "to go", Cocktails "to go": Der Marketing-Trend, alles zum Mitnehmen zu kaufen, hat unsere Autorin voll vereinnahmt. Warum sie ab jetzt versucht, ihren Kaffee wieder an Ort und Stelle zu trinken. Ein Kommentar.
immer alles dabei: Kaffee trinken und Frühstück unterwegs
Frühstücken im Auto oder im Zug - alles "to go"

Sind wir nicht alle unglaublich hip? Anstelle morgens gemütlich in der Küche meinen Kaffee einzunehmen, fülle ich meinen hippen "Becher to go" mit Latte Macchiato und fühle mich total trendy, ihn dann später im Auto im Stau stehend kalt zu trinken. Der Marketing-Trend "to go" hat mich voll vereinnahmt. Euch auch?

Überall lese ich nur noch "to go". Ich fühle mich regelrecht verfolgt: beim Bäcker "Kaffee to go", im Supermarkt "Salat to go", in meiner Ex-Lieblingsbar "Cocktails to go", beim Arzt "Anti-Stress to go". Ganz geschweige von den Automaten, die rund-um-die Uhr, 24 Stunden, an sieben Tagen die Woche geöffnet sind, schnell und unkompliziert, wie scheinbar unser Leben. An Flughäfen und Bahnhöfen finden gestresste Manager "Hemden to go". Ein "Gold to go" - Automat steht in Berlin.

Ich will kein "to go" mehr!

Wozu brauche ich das? Letztens dann die Krönung des "to go-Wahnsinns". Ihr müsst wissen, ich wohne auf dem Land, dort, wo sich Kühe und Hühner persönlich Gute Nacht sagen. Und was bitte schön macht mein Bauern-Nachbar? "Kürbis to go". Kürbis to go! Nicht wahr, oder? Ganz ehrlich: Ich mag nimmer! Ich will kein "to go" mehr! Ich möchte nicht ständig in Bewegung sein. Dass immer alles schneller geht.

Vor vielen vielen Jahren hat mir eine Freundin zur Hochzeit "Zeit" geschenkt. Damals dachte ich, was ist denn das für ein Blödsinn. Heute weiß ich, wie wertvoll dieses Geschenk war und wie kostbar Zeit ist. Ich möchte innehalten. Ich möchte nicht mehr nebenbei alles "to go" mitnehmen.

Bye Bye "to go"

"Sex to go". "Kids to go". "Glaube to go". Ja, ich weiß, das alles gibt es. Eben ein Marketing-Trend. Doch irgendwann ist selbst der beste Trend vorbei. Für mich ist das jetzt. Bye Bye "to go".

Ich genieße ab sofort wieder meinen Morgen-Kaffee ganz in Ruhe bei uns in der Küche mit Blick aufs Feld. Ich trinke meinen Cocktail beim Barkeeper meines Vertrauens. Ich grabe meinen Kürbis selbst aus. Ich lebe meinen Glauben. Und ich nehme mir wieder Zeit für Gespräche, für Freunde und Familie, für Dinge, die mir gut tun. Ihr auch?

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