2.10.2018
Kultur

Dreieinigkeitskirche in Nürnberg wird Kulturkirche

Es bewegt sich was im kulturellen kirchlichen Leben in Nürnberg: Vier Gemeinden schmieden demnächst Pläne, wie man gemeinsam kreative Highlights setzen und sich dabei austauschen kann. Mit dabei auch die Dreieinigkeitskirche in Gostenhof. Dort hat man sich jetzt für das Konzept eines Eichstätter Architekturbüros und konkret für Pläne einer inneren Umgestaltung entschieden – die langfristig die Menschen wieder vermehrt in die Kirche locken soll. Am 9. Oktober werden die Pläne vorgestellt.
Innenraum der Dreieinigkeitskirche Nürnberg
Noch sieht der Innenraum der Dreieinigkeitskirche im Nürnberger Stadtteil Gostenhof so aus. Wenn das Haus zur Kulturkirche umgebaut ist, wird sich das Erscheingsbild komplett verändert haben.

Als die Dreieinigkeitskirche um das Jahr 1900 gebaut wurde, war die Gemeinde im Nürnberger Stadtteil Gostenhof riesig. "Mindestens 1000 Plätze musste die Kirche haben, die Bänke reichten bis knapp unter die Kanzel", erklärt Pfarrer Peter Bielmeier. Nach dem Krieg war die Gemeinde kleiner geworden, ein gutes Dutzend Bänke flog raus. Und da die Zahl der Kirchenbesucher bis heute stetig rückläufig ist, wurde bereits im Herbst 2017 beschlossen, das Haus zu einem Kulturzentrum umzubauen, "dass aber nach wie vor als sakraler Raum erkennbar und auch genutzt wird", wie Bielmeier versichert.

Längst war die Kirche als Veranstaltungsort für Konzerte und Ausstellungen in der Region bekannt. "Die Gemeinde geht diesen Weg schon lange Schritt für Schritt mit, meint der Pfarrer. Und auch die Landeskirche war schnell davon überzeugt, dass hier etwas Besonderes geschehen könnte.

Umbau der Dreieinigkeitskirche in Nürnberg-Gostenhof

Die ersten Schritte waren mehrere Informationsveranstaltungen und Workshops für die Gemeindeglieder, denen im Juli 2018 ein Ideenwettbewerb folgte, zu dem verschiedene Architekturbüros eingeladen wurden. Den "Zuschlag" erhielt nun das Konzept von Diezinger Architekten (Eichstätt). "Hier wird nicht nur umgebaut und angepasst, sondern etwas wirklich Neues geschaffen", sagt Bielmeier.

Wichtigste Elemente: Der bisherige Haupteingang, der vom Kindergarten teils verdeckt wird und ohnehin für Ortsunkundige manchmal schwer zu finden war, wird auf die Nordseite zur Veit-Stoß-Anlage hin verlegt. Die könne dann in Veranstaltungen mit einbezogen werden – wenn die Stadt mitmacht. Innen wird im nördlichen Seitenschiff ein langgestreckter Holzkasten eingebaut, der als "Nebenschauplatz" zum Hauptschiff genutzt werden kann. Die Bänke kommen zugunsten von Stühlen raus, eine Fußbodenheizung rein. Bielmeier denkt dabei auch an die Jugend: Umfragen zufolge würden viele jüngere Gemeindeglieder Gotteshäusern fern bleiben, weil sie ihnen zu kalt sind. Weichen wird auch die Besucherempore, die schlicht im Weg sein würde.

Der Altarraum bleibe im Wesentlichen jedoch unverändert. Vorstellen könne sich der Theologe, dass man einen beweglichen Taufstein wählt, sodass Taufgottesdienste auch mal beispielsweise zentral in der Mitte der Kirche stattfinden könnten.

Nachdem der Kirchenvorstand in seiner September-Sitzung das Vorhaben befürwortet hat, werden sich die Eichstätter Architekten jetzt an einen Kostenplan machen. Dann beginnt die Finanzierungsphase – Zuschüsse bei der Landeskirche und dem Dekanat werden beantragt, Kredite abgeschlossen und eigene Mittel abgeklopft, bevor es an die Auftragsvergabe geht. Auch Fundraising wird ein Thema sein. Und der Denkmalschutz: Alle Vorhaben an und in dem Gebäude müssen abgestimmt werden.

Dreieinigkeitskirche in Nürnberg wird bis 2021 umgebaut

Bis es ans Bauen geht, werden noch rund zwei Jahre ins Land ziehen, schätzt Bielmeier. Dann rechnet der Pfarrer mit etwa einem Jahr Bauzeit, sodass es Ende 2021 möglicherweise losgehen könnte mit der neuen Kulturkirche in Nürnberg, für die es dann auch einen Business-Plan und einen Koordinator geben wird, der mit Agenturen oder dem Kulturreferat der Stadt Nürnberg das Programm abstimmt.

Die Dreieinigkeitskirche wird in Nürnberg dann in bester Gesellschaft mit St. Egidien, der Jugendkirche LUX sowie der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche sein, die sich Ende November zum "gegenseitigen Wahrnehmen und Austauschen" treffen, wie Stadtdekan Jürgen Körnlein erklärt. "Leitende Frage wird sein: Wie können wir die Profile und Angebote so abstimmen, dass sie vom Menschen und von unserem Auftrag her einander gut ergänzen?", meint der Dekan. Und setzt damit – wieder einmal – eine Idee des kirchlichen Reformprozesses "Profil und Konzentration" um.

Veranstaltungstipp

Der Herbstempfang findet am Dienstag, 9. Oktober um 19 Uhr im Gemeindezentrum in der Müllnerstraße 29 statt.

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Reformprozesses "Profil und Konzentration"

Martin Brons und Annette Lichtenfeld
Autor
Während sich vielerorts Kirchengemeinden und Geistliche in Bayern fragen, wie man die "Strategischen Leitsätze" des im März 2017 auf der Landessynode in Coburg angestoßenen kirchlichen Reformprozesses "Profil und Konzentration" (PuK) in die Tat umsetzt, bleibt man in Nürnberg gelassen: Vier Gemeinden der Innenstadt setzen schon seit rund zehn Jahren gemeinsame Konzepte in die Tat um.
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