13.02.2019
Valentinstag

Herbert und Schnipsi: Humor als Lebenshaltung

Das wohl bekannteste Komiker-Ehepaar Bayerns sind Hanns und Claudia Schlenger-Meilhamer alias "Herbert und Schnipsi". Zum Valentinstag spricht Hanns Meilhamer im Interview über das Eheleben auf und jenseits der Bühne und macht sich seine Gedanken über die Komik des Paares, das seit 1982 auf der Bühne steht.
Hanns und Claudia Schlenger-Meilhamer
Hanns und Claudia Schlenger-Meilhamer alias "Herbert und Schnipsi" sind verheiratet und haben auch auf der Bühne Spaß miteinander.

Herr Meilhamer, Sie zeigen sich als Ehepaar sowohl privat als auch auf der Bühne. Lebt es sich im trauten Heim harmonischer, wenn man manchen Streit auf der Bühne austrägt? 

Hanns Meilhammer: Ja, das ist so ein Fall, wo einem der "humoristische Blick" helfen kann, den Ernst des Lebens zu relativieren. Wenn man einen bestimmten Konflikt schon in verschiedenen Sketchen durchgespielt hat, dann verliert er an Überzeugungskraft. Man weiß, worüber wir jetzt gerade streiten, das könnte der Stoff für die nächste Bühnennummer werden. Im aktuellen Fall, solang' die Aufregung zu groß ist, setzt man sich natürlich noch nicht zum Schreiben hin. Aber wenn es durchgestanden ist, dann ist halt auch wieder ein Stück Stoff zum Erzählen nachgewachsen. Ganz allgemein glaube ich, das Spielen unserer Schwächen auf der Bühne hat uns gegenseitig toleranter gemacht. Spiel und Ernst können fließend ineinandergreifen und müssen keine Gegensätze sein. Das Spiel auf der Bühne versöhnt mit vielen Unzulänglichkeiten des Lebens, auch des Ehelebens.

"Herbert und Schnipsi" gehören nach rund 40 Jahren Bühnen- und TV-Präsenz geradezu zur "bayerischen Leitkultur". Wie stark empfinden Sie Ihre Arbeit und Ihren Humor selbst von Bayern geprägt?

Meilhammer: Jeder schöpft natürlich aus dem, womit er aufgewachsen ist. In unserer Kinderzeit gab es Radiosendungen wie die "Weißblaue Drehorgel" oder das "Münchner Brettl" oder den Komödienstadel, in denen uns zum ersten Mal die großen bayerischen Komiker begegnet sind. Mich hat es damals schon elektrisiert zu hören, wie da eine Pointe fällt und sofort mit dem Lachen im Publikum beantwortet wird. Von diesem Wechselspiel aus Pointe und Lacher leben wir heute genauso wie die Komiker damals. Und natürlich sind wir in der bairischen Sprache aufgewachsen "wie der Fisch im Wasser": ich in Pocking im Rottal, Claudia in Bad Tölz in Oberbayern. Dadurch wurde die bairische Sprache unser natürliches Ausdrucksmittel und ist es bis heute geblieben. Abgesehen von der Sprache ist es schwer zu sagen, was an unserem Humor speziell bairisch ist, denn gute Komik funktioniert international und zeitlos.

Sie nehmen immer wieder auch leise Gesellschafts- und Religionskritik in Ihre Sketche auf. Warum ist die Leichtigkeit Ihrer Darbietung der bessere Weg anstelle des verbalen Dampfhammers?  

Meilhammer: Der Dampfhammer dürfte selten das bessere Werkzeug sein. Es funktioniert in keiner Familie, dem anderen "die Wahrheit" um die Ohren zu hauen. Es ist doch viel ergiebiger, reizvoller und angenehmer, auf gemeinsame Erfahrungen und Beobachtungen zu schauen und hinzuweisen. Die Verwandtschaft mit dem Gegenüber zu spüren und spüren zu lassen. Auf das bauen wir in unserem Kontakt zum Publikum. Dass wir ihm auf Augenhöhe begegnen. Schließlich wissen wir auch nicht besser als irgendjemand anderer, was "gut und richtig ist". Beim Schreiben unserer Nummern stellen wir uns oft die Frage: "Was würde passieren, wenn?" Diese Frage setzt die Fantasie in Gang und öffnet Möglichkeiten. Und Humor als Lebenshaltung kann einem helfen, immer wieder einen Schritt zurückzutreten, über sich selber und über die Komplikationen des Lebens zu lachen - und eine neue Blickrichtung zu finden.

 

Herbert und Schnipsi sind derzeit auf vielen Bühnen mit ihrem Best-of Programm “Zeitreise mit Schlaglöchern”  unterwegs. Weitere Infos und Termine finden Sie hier.

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Sonntagsblatt