20.11.2016
Literatur

Jack London: Matrose, Goldgräber, Sozialist, Schriftsteller

Gefährliche Stürme auf See, Kämpfe auf Leben und Tod: Jack London kannte, wovon er schrieb. Abenteuerromane wie "Der Seewolf" oder "Wolfsblut" machten ihn weltbekannt. Vor 100 Jahren starb er. Er wurde nur 40 Jahre alt.
Jack London auf einem 1903 in Boston veröffentlichten Foto.
Jack London auf einem 1903 in Boston veröffentlichten Foto.

Jack London (1876-1916) schrieb große Abenteuer-Romane und setzte sich auch mit Philosophie und Politik auseinander. Er führte ein exzessives Leben, war alkoholkrank. Ob er am 22. November 1916 an Nierenversagen starb oder Suizid beging, ist bis heute ungeklärt. Seine Bücher wie "Der Seewolf" oder "Der Ruf der Wildnis" sind Bestseller, wurden in mehr als 70 Sprachen übersetzt.

Geboren wurde er als John Griffith Chaney am 12. Januar 1876 in San Francisco. Sein Vater, ein Astrologe, verließ die Familie früh. John wuchs in Oakland bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf und übernahm dessen Namen "London".

Seine Kindheit war von Armut geprägt. Mit 14 verließ er die Familie und die Schule. Er arbeitete in einer Fabrik, danach als Matrose auf See, war auch Landstreicher. Zugleich las er sehr viel. Von einer guten Bildung erhoffte er sich einen Weg in ein besseres Leben. 1909 wurde das zum Hauptmotiv des Romans "Martin Eden", der an seiner Biografie orientiert ist und den der dtv-Verlag zum 100. Todestag in neuer Übersetzung vorgelegt hat.

Früher Ruhm

Kurz besuchte London die Universität von Berkeley, verließ sie aber bald wieder, schloss sich Goldgräber-Expeditionen an und schrieb darüber erfolgreiche Kurzgeschichten.

Seit er 24 war, lebte Jack London von seinen Romanen und Geschichten. Schnell machten sie ihn berühmt und wohlhabend. Mit einer eigenen Jacht fuhr er in die Südsee und bis nach Australien. Aber er vergaß nie seine Herkunft: Als Undercover-Reporter recherchierte er in den Elendsvierteln Londons. 1901 trat er der Sozialistischen Partei der USA bei, blieb Mitglied bis kurz vor seinem Tod.

Seine Bücher werden vor allem als Abenteuer-Literatur gelesen, was sie auch sind: Spannend, realistisch, genau beobachtet, voller Steigerungen und Zuspitzungen. Man spürt, dass der Autor heftige, gefährliche Stürme auf See kennt, die Eiseskälte in der Arktis, Kämpfe auf Leben und Tod. Hinter den Abenteuern aber findet man grundsätzliche Fragen zur Existenz des Menschen, aber auch der Tiere - angeregt durch Londons Lektüre von Charles Darwins Schriften zur Entstehung der Arten.

In vielen seiner Bücher geht es um das Leben als ständigen Kampf, um den Überlebenswillen in einer harten Natur. Damit wird London auch zum Vertreter sozialdarwinistischer Ideen, die Ende des 19. Jahrhunderts sehr populär waren und Darwins Konzept vom "Überleben des Stärkeren" auf die Gesellschaft übertrugen.

Der Literaturkritiker Denis Scheck sprach einmal von einem "explosiven Mix": Auf der einen Seite sei er "der sozialistische Revolutionär, der Hunger und Armut aus eigener Erfahrung kennt", auf der anderen Seite "verherrlicht er die Härte, die das Meer und das Nordland allen Geschöpfen durch ihre unbarmherzigen Bedingungen abverlangen".

Londons Bestseller

In "Wolfsblut" erzählt Weißzahn - halb Wolf, halb Hund - von seinen Kämpfen gegen Rivalen, ob sie nun Wölfe oder Hunde sind, aber auch von seinen Begegnungen mit Menschen. Einige von ihnen akzeptiert er als "Götter", die ihn schützen, denen er sich unterwirft. Als er aber auf einen Peiniger trifft, muss er sich erbittert gegen ihn zur Wehr setzen.

"Der Seewolf" (1904) - wohl Londons bekanntester Roman und verfilmt mit Raimund Harmstorf - stellt zwei Typen von Menschen einander gegenüber: Da ist einmal Wolf Larsen, Kapitän eines Robbenfängers, ein Mann von brutaler Stärke, der seine Besatzung tyrannisiert. Auf der anderen Seite stehen zwei Schiffbrüchige, die Larsen aufgenommen hat - Humphrey von Weyden, der Erzähler der Geschichte, und Maud Brewster, die einzige Frau im Roman.

Sie sind Intellektuelle, Büchermenschen, zunächst hilflos auf dem Meer und in der Konfrontation mit Larsen. Aber in der Gefahr wachsen sie über sich hinaus, werden zu Kämpfern und bleiben zugleich Menschen mit Gewissen und Moral. Ihren Retter und Gegner Larsen nennt Maud "Luzifer". Er ist morallos. Er mordet nicht, indem er selbst jemanden umbringt, sondern indem er ihm in höchster Not die Hilfe verweigert.

Jack London selbst sagte von seinem Roman, die Leser hätten nur das Abenteuer gesehen: "Keiner hat entdeckt, dass er eine Attacke ist gegen die Übermensch-Philosophie." Gemeint ist ein Konzept des Philosophen Friedrich Nietzsche, mit dem oft ein überlegener, starker Mensch charakterisiert wurde, der ohne Rücksicht auf andere vorangeht.

1910 zieht London sich auf seine Ranch im kalifornischen Glen Ellen zurück, 1913 erscheint sein Buch "König Alkohol", in dem er den Weg in seine Alkoholsucht nachzeichnet. Als Jack London 1916 auf seiner Ranch stirbt, ist er 40 Jahre alt.

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema:

Historische Bibeln

Amy Van Dyke vom Washingtoner Bibel­museum
Die persönliche Bibel des "King of Rock’ n’ Roll" Elvis Prestley, eine Bibel, die mit der Apollo-Mission zum Mond flog oder das Gebetbuch des katholischen Kaisers Karl V. - eine Ausstellung in Augsburg zeigt außergewöhnliche Bibelexemplare.