Das "Alphabet der Hoffnung" ist kein Ratgeber im üblichen Sinn, sondern ein Versuch, Hoffnung unter den Bedingungen einer krisenerschütterten Welt neu zu denken.
Die Angst nicht umgehen: Seidels zentrales Argument
Das Buch verweigert sich der Resignation. Hoffnung wird als innere Praxis verstanden, als "Alphabetisierung", die neu erlernt werden muss. "Hoffnung wächst von innen nach außen", heißt es programmatisch. Immer wieder verdichten sich die Gedanken zu prägnanten Formulierungen:
Hoffnung als "Leidenschaft für das Mögliche" (in Anlehnung an Kierkegaard), Angst als "Weggabelung", die in Enge oder Weite führt, oder die eindrückliche Beschreibung der Gegenwart als "Glocke schwelender Bedrohungen".
Geistiges Hinterland: Was unser Denken im Verborgenen prägt
Seidel geht an die Wurzeln. Er fragt nach dem "geistigen Hinterland", das unser Denken prägt. Und er insistiert darauf, dass Veränderung nicht ohne innere Umkehr möglich ist – "weg von Angst, Unterwerfung, Gewalt und hin zu Liebe, Verbundensein und Vertrauen".
In einer Zeit, die von Krisendiagnosen überflutet ist, setzt dieses Buch einen anderen Akzent. Es denkt Hoffnung neu – als geistige Praxis, als Widerstandskraft und als Einladung, das Mögliche nicht aus dem Blick zu verlieren.
Stefan Seidel
Stefan Seidel, geboren 1978, ist Theologe und Psychologe. Er leitet die evangelische Wochenzeitung "Der Sonntag" in Leipzig und ist als Autor und Referent zu Fragen der Spiritualität und Lebensorientierung tätig.
In "Durch die Angst gehen. Das Alphabet der Hoffnung" zeigt er, wie Angst und Hoffnung zusammenhängen – und warum wir die Angst ernst nehmen müssen, um sie durchqueren und verwandeln zu können.