23.02.2017
Fernsehfastnacht

Die 30. Ausgabe Fernseh-Prunksitzung »Fastnacht in Franken« im Bayerischen Rundfunk (BR) hatte so viele Zuschauer wie noch nie. Im Schnitt sahen 4,47 Millionen Menschen bundesweit ab 19 Uhr die Live-Sendung aus Veitshöchheim. Wiederholt wird die Veitshöchheimer Fastnacht am Faschingsdienstag um 12.30 Uhr.
Der Nürnberger Kabarettist Oliver Tissot als Reformator Martin Luther bei der Veitshöchheimer Fernseh-Prunksitzung 2017.
Der Nürnberger Kabarettist Oliver Tissot als Reformator Martin Luther bei der Veitshöchheimer Fernseh-Prunksitzung 2017.

Rund 2,6 Millionen Zuschauer der Veitshöchheimer Fastnacht kamen aus Bayern, der Rest von außerhalb des Freistaats. In Bayern entspricht dies einem Marktanteil von stolzen 52,6 Prozent. Die Fernseh-Prunksitzung des Fränkischen Fastnachtsverbands habe damit ihren bisherigen Quotenrekord aus dem Jahr 2010 mit 3,98 Millionen Zuschauern deutlich geknackt, vermeldete der Bayerische Rundfunk.

Die Sendung habe damit ihren »Rang als erfolgreichste Sendung des BR-Fernsehens eindrucksvoll bestätigt«, teilte der öffentlich-rechtliche Sender weiter mit. Der bisherige Rekord sei um fast eine halbe Million Zuschauer getoppt worden. Vermutlich war die Live-Übertragung vom 17. Februar damit die erfolgreichste Sendung überhaupt in der Geschichte des BR-Fernsehens, sicher jedoch die erfolgreichste seit dem Jahr 1991. Bundesweit lag der Marktanteil der Faschingssendung bei 14,8 Prozent. Die Aufzeichnung der Prunksitzung aus den Mainfrankensälen wird noch einmal am Faschingsdienstag (28. Februar) um 12.30 Uhr gezeigt.

BR-Intendant Ulrich Wilhelm freute sich, dass »das Interesse unseres Publikums an ›Fastnacht in Franken‹ gerade im Jubiläumsjahr so herausragend war«. Das Format sei »hochkarätige Unterhaltung«. Die Leiterin des BR-Studios Franken, Kathrin Deg­mair, bezeichnete die Sendung als »ein Stück gesamtbayerisches Kulturgut«, das beim Publikum eine hohe Verbundenheit auslöse. Bernhard Schlereth, der Präsident des Fastnachtsverbands Franken, zitierte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): »Qualität setzt sich durch.«

Reformationstag, Weltspartag und »Brotess-Tanten«

Inhaltlich spielte dieses Jahr das Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren eine große Rolle. So trat Kabarettist Oliver ­Tissot aus Nürnberg als Reformator Martin Luther auf. Der Reformationstag sei dieses Jahr auch in Bayern Feiertag und liege nach dem Weltspartag: »Weil man ihn sich hätte sparen können.« Wenn im Freistaat gerade einmal 19 Prozent der Bevölkerung Protestanten seien, könne man genauso gut einen Feiertag für die SPD einführen, lästerte er bei der Veranstaltung des Fastnachtsverbands Franken.

 

Die Komödianten Volker Heißmann und Martin Rassau bei der Veitshöchheimer Fernseh-Prunksitzung 2017.
Die Komödianten Volker Heißmann und Martin Rassau bei der Veitshöchheimer Fernseh-Prunksitzung: Heißmann (links) engagiert sich seit 1988 in einem Fürther Kirchenvorstand.

Luther sei ein Flüchtling gewesen und bekomme 500 Jahre später nun seinen Feiertag. »Christliche Entscheidungsprozesse sind etwas zäh«, kommentierte Tissot, deshalb heiße es ja auch »­Zäh-S-U«. In Franken glaube man, Ablass sei, wenn man Karpfenweiher abfische. Frauen, die nur noch Körner und Brot äßen, nannte er »Brotess-Tanten«.

Neben zahlreichen bayerischen Politikern wie Ministerpräsident Seehofer und Finanzminister Markus Söder (CSU) waren auch Kirchenvertreter in Veitshöchheim. Die evangelische Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kam als »Europa« verkleidet, Würzburgs katholischer Bischof Friedhelm Hofmann kam als er selbst, der gebürtige Rheinländer trug nur eine preußische Pickelhaube.

In zahlreichen Beiträgen der Künstler wurde die Asylpolitik und die von der CSU geforderte Obergrenze thematisiert. Der Karlstädter Matthias Waltz machte sich lustig über den Ausspruch des CSU-Generalsekretärs Andreas Scheuer, ein ministrierender, Fußball spielender Senegalese sei praktisch nicht abzuschieben. Der Begriff Generalsekretär komme schließlich von Sekret, also etwas Ekelhaftem, das er absondere. »Das macht er doch net schlecht«, fügte er an.

Komödiant Martin Rassau aus Fürth wandte sich klar gegen die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD): »Ich bin mit unserem Deutschland im Großen und Ganzen zufrieden, ich brauche keine Alternative dazu.«

 

INTERNET: Die Sendung in der BR-Mediathek sowie www.br.de/fastnacht

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