In vielen Küchen duftet es zu dieser Jahreszeit wieder nach Vanille, Zimt, Nelken und einem Hauch Kardamom, der am nächsten Morgen noch durch die Küche zieht. Am Wochenende verabredet man sich mit seinen Freund:innen zum Plätzchenbacken, formt mit den Kindern Vanillekipferl und übergibt das streng gehütete Familienrezept an die nächste Generation.

Warum Weihnachtsplätzchen unverzichtbar sind

Spätestens, wenn die halb geöffnete Mehlpackung auf dem Boden landet und eine kleine weiße Staubwolke aufwirbelt, stellt sich dann die Frage: Warum tun wir uns das eigentlich immer wieder an? Doch im nächsten Jahr ist alles vergessen. Das Chaos der heimischen Weihnachtsbäckerei – wie weggeblasen.

Die Dosen stehen wieder bereit, gefüllt mit Plätzchen oder Keksen – egal, ob selbst gebacken und auf Transparentpapier Schicht für Schicht gestapelt oder gekauft im Supermarkt. Denn mal ehrlich: Spekulatius kriegt man zu Hause sowieso nicht so hin wie die aus dem Laden.

So oder so gehören all diese mehligen Köstlichkeiten zum Advent wie die Lichter am Baum. Ohne sie ist die Zeit kaum vorstellbar.

Vom heidnischen Ritual zum christlichen Brauch

Woher aber kommt diese Tradition? So viel vorweg: Sie ist alt. Sehr alt sogar. Die Wurzeln reichen bis in die vorchristliche Zeit, rund 2.000 Jahre zurück zu den Kelten, lange bevor daraus das heutige Weihnachtsbacken wurde.

In der Nacht der Wintersonnenwende, am 21. Dezember, sollen die Kelten flache Brote aus Mehl und Honig gebacken haben – oft in Tierformen. Man glaubte, in der längsten Nacht des Jahres zögen Geister und Dämonen durch die Häuser. Die Teig-Tiere sollten die echten Tiere schonen, indem man sie symbolisch opferte – zum Schutz der Lebenden und der Seelen der Verstorbenen. Noch heute findet sich diese Tiersymbolik in Keks-Ausstechern – auch wenn kaum jemand beim Ausstechen eines Rentiers darüber nachdenkt.

Bemerkenswert ist, wie sich diese heidnischen Rituale entwickelten. Mit der Christianisierung ab dem 4. Jahrhundert wurden sie nicht verboten, sondern umgedeutet und in klösterliche Praktiken integriert. Eine Art religiöse Übernahme mit Rebranding. Aus der Wintersonnenwende wurde, platt gesagt, Christi Geburt – kurz: Weihnachten. Karl der Große verbot zwar die Opfer, nicht aber die Bräuche selbst. 

Aus den Opferbroten wurden die "Christbrote" – die Vorläufer des Stollens.

Noch kein süßes, üppiges Gebäck mit kiloweise Butter, das wir heute kennen. Die ersten Stollen waren ein sehr einfaches, karges Brot aus Mehl, Wasser und Hefe, das als Fastenbrot in der Adventszeit gebacken wurde und an Bedürftige verteilt – im Sinne der christlichen Nächstenliebe.

Klöster als Gewürz-Hotspots: Wie Zimt und Nelken Weihnachten prägten

Aus diesen einfachen Christbroten entwickelten sich über die Jahrhunderte verfeinerte Rezepturen – ein Wandel, der vor allem in den klösterlichen Backstuben vorangetrieben wurde. Mönche und Nonnen lebten nach strengen Fastenregeln, waren aber auch experimentierfreudig. Über Handel und Kreuzzüge gelangten Zimt, Nelken und Muskat in die Klosterküchen – Gewürze, die das schlichte Brot auf einmal nach fernen Ländern schmecken ließen. 

Butter durfte im Stollen aber erst nach päpstlicher Erlaubnis durch Innozenz VIII. im Jahr 1490 als Ersatz für Rapsöl verwendet werden. Damit wandelte sich das karge Fastenbrot zu dem üppigen Festgebäck, das wir bis heute kennen.

Das Mittelalter wurde so zur eigentlichen Schmiede des Adventsgebäcks: Die Klöster verfeinerten Brote und Gebäckformen und prägten die Gewürze und Geschmäcker, mit denen wir heute Weihnachten verbinden.

Im 17. und 18. Jahrhundert gingen die Klöster noch einen Schritt weiter: Aus den üppigen Stollen und Gewürzkuchen entstanden kleinere, süßere Gebäckformen – die Vorläufer unserer heutigen Plätzchen. Leicht zu portionieren und ideal zum Verschenken, wurden sie mit kunstvollen Reliefmustern versehen, die ihren festlichen Charakter unterstrichen.

So breitete sich aus einfachen Broten und Gewürzkuchen allmählich eine reiche Vielfalt an Weihnachtsgebäck aus, die bald in bürgerlichen und bäuerlichen Haushalten Einzug hielt.

Warum wir heute backen: Adventsrituale zwischen Besinnlichkeit und Genuss

Was als heidnische Tradition begann, fand also über die klösterlichen Backstuben seinen Weg in den gesellschaftlichen Brauch, in unsere privaten Bachstuben. Noch immer erfüllt das Backen, fast schon meditativ, die Funktion der Vorbereitung, der Einstimmung auf die Adventszeit.

Und verschenkt werden die Köstlichkeiten auch heute noch gern. Meistens jedenfalls. Manche behält man lieber für sich.