24.10.2019
Journalismus & Medien

Medientage München 2019: Kommt eine europäische Internetplattform?

Was tun gegen die Macht von Plattformen wie Google oder Facebook? Auf den Medientagen wurde eine eigene Plattform diskutiert.
Medientage München 2019 Zeynep Tufekci
Medientage München 2019: Zeynep Tufekci erläutert die Macht der Plattformen wie Google oder Facebook.

Politiker und Medienexperten haben auf den Medientagen in München eine stärkere Zusammenarbeit und eine eigene europäische Internetplattform gefordert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich zum Start der 33. Medientage 2019 in München für eine alternative europäische Internetplattform aus: "Entweder sind wir bereit, den Wettbewerb anzunehmen, oder wir werden am Ende nur Konsumenten sein von anderen Wettbewerbern."

Auch der BR-Intendant Ulrich Wilhelm forderte eine neue gesamteuropäische Plattform-Initiative, um der Macht von Google und Facebook etwas entgegenzusetzen. Nötig sei ein komplett neues Ökosystem für Browser, Suchmaschinen und Empfehlungsalgorithmen, das ähnlich wie die Airbus-Flugzeuge durch eine Art europäisches Konsortium realisiert werden könne.

Conrad Albert von ProSiebenSat.1 Media erklärte, es bleibe nicht mehr viel Zeit für die Entwicklung geeigneter Lösungen. Die ökonomische Macht der Online-Konzerne aus den USA nehme zu. Auch warnte er vor dem "eskalierenden Automatismus" und den "extremen Effekten bei Social Media".

Den Einfluss von maschinell trainierten Algorithmen auf die Meinungsbildung erläuterte die Medienexpertin Zeynep Tufekci von der US-amerikanischen Universität Chapel Hill. So hätten YouTube-Empfehlungsalgorithmen dazu geführt, dass Wähler bei den vergangenen US-Wahlen politisch "immer extremere" Inhalte angezeigt bekommen hätten. Die Folgen seien eine Radikalisierung der Nutzer und eine Fragmentierung des Publikums gewesen.

Ähnliche Effekte gebe es auch bei Facebook. Dies führe zu Filterblasen und Polarisierung und bewirke in der Summe schließlich eine Art "kollektive Verschmutzung" des Meinungsklimas. Als Alternative zu "autoritären Infrastrukturen", wie sie im Silicon Valley oder in China geschaffen würden, empfahl Tufekci, in Europa Tools und Empfehlungsalgorithmen zu entwickeln, die Werte wie Datenschutz, Meinungsvielfalt und Privatsphäre geschützt werden.
Bei den 33. Medientagen München werden bis Freitag rund 400 Redner und insgesamt 7.000 Teilnehmer erwartet. Das gesamte Programm kann unter diesem Link abgerufen werden.

Workshops auf dem Mediencampus

Auch die Sonntagsblatt-Redaktion ist auf den Medientagen - und zwar auf dem MedienCampus Bayern. Dort gibt es während der Medientage Workshops und Vorträge für Studenten und Studentinnen. Online-Chefredakteurin Rieke C. Harmsen und Redakteurin Christina Özlem Geisler laden am Donnerstag von 14 bis 15 Uhr zum Workshop für Nachwuchsjournalisten ein.

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