29.03.2020
Kirche im Privatfernsehen

Regionalbischöfin Greiner zur neuen Gottesdienstreihe auf TV Oberfranken

Als Antwort auf das allgemeine Gottesdienstverbot wegen der Corona-Krise nimmt der Privatsender TV Oberfranken eigens produzierte Gottesdienste in sein Sonntagsprogramm auf.
Dorothea Greiner, Regionalbischöfin des Kirchenkreises Bayreuth
Dorothea Greiner, Regionalbischöfin des Kirchenkreises Bayreuth

Am 29. März gibt es eine Premiere: Als vermutlich erster privater Fernsehsender in Bayern beginnt TV Oberfranken eine Reihe mit regelmäßigen Gottesdiensten aus der Region. Auch Lokalradios in Oberfranken machen Sendeplätze für besondere Gottesdienste frei. Dazu die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner im Gespräch.

Frau Greiner, Kooperationspartner des Senders TV Oberfranken (TVO) bei dieser Initiative ist der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Bayreuth. Wie kam die Aktion zustande?

Dorothea Greiner: Die regelmäßige Ausstrahlung von Gottesdiensten bei einem Privatsender ist gewiss sehr selten und hoch anerkennenswert. Der Geschäftsleiter von TVO kam von sich aus auf mich zu und machte mir ein Angebot. Natürlich müssen wir dafür etwas zahlen. Aber die finanziellen Forderungen sind überaus fair, weil TVO aus der Krise keinen Gewinn schlagen will und die Menschen sieht, die nicht nur körperliche Gesundheit ersehnen, sondern auch seelische Unterstützung brauchen.

Wer ist von kirchlicher Seite beteiligt und verantwortlich?

Greiner: Ich habe in die Runde der Dekane und Dekaninnen gefragt, wer daran Interesse hätte, dass von ihrer Gemeinde aus ein Gottesdienst gedreht wird. Daraufhin haben sich gleich einige gemeldet, so dass wir sofort starten konnten.

Am Donnerstag haben wir in der Bayreuther Stadtkirche gedreht, dafür habe ich selbst das "Drehbuch" geschrieben.

Beteiligt waren Dekan Jürgen Hacker, Stadtkirchenpfarrer Carsten Brall, mein Referent Florian Herrmann, Dekanatskantor Michael Dorn und ich. Und in den anderen Gemeinden werden ebenfalls kleine Teams entstehen. Übrigens: Es war sehr leicht, in einer großen Kirche beim Dreh immer zwei Meter Abstand voneinander einzuhalten.

Ist das Format auch offen, beispielsweise für die katholische Kirche?

Greiner: Bestimmt wäre die Geschäftsführung von TVO offen dafür, wenn auch die katholische Kirche mitmachen möchte. Die Zusammenarbeit zwischen dem Sender und dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Bayreuth ist eben eingespielt durch die bewährte Sendung "Grüß Gott, Oberfranken".

Wo werden die Gottesdienste aufgenommen und welche Gemeinden machen mit?

Greiner: Als nächstes ist Coburg der Ort des Geschehens und am Osterfest Thurnau, dann Pegnitz und Kronach-Ludwigsstadt. Vielleicht kommen weitere dazu. Sonst machen wir eine zweite Runde - wenn es sich bewährt.

Wer ist für die TVO-Gottesdienste die besondere Zielgruppe?

Greiner: Gegenwärtig ist in manchen Wohnungen die ganze Familie zu Hause. Bei manchen läuft der Fernseher den ganzen Tag im Hintergrund.

Im Bayreuther Gottesdienst erzähle ich eine Geschichte von mir als gerade Konfirmierte. Vielleicht spricht das auch eine Jugendliche an. Ich vermute freilich, dass viele ältere Menschen, die das Haus nicht mehr verlassen, vor den Bildschirmen sitzen.

Ein Ausblick: Ist es denkbar, dass es auch nach der Corona-Krise solche Gottesdienste gibt?

Greiner: Das will ich nicht ausschließen. Das wird sich aber weisen. Einen Gottesdienst aufzunehmen ist durchaus anspruchsvoll für die Kameraleute und für die Geistlichen. Und wenn sich die Gemeinde wieder in ihrer Kirche versammeln kann, dann sind wir Geistliche zuerst dort gefragt. Zudem gibt es ja jeden Sonntag hervorragende Fernsehgottesdienste im ZDF und im Bayerischen Rundfunk. Die Gottesdienste jetzt vermitteln "geistliche Heimat" durch ihren regionalen Charakter.

Mit den neuen Sendungen in Radio und TV entsteht auch eine neue, bunte kirchliche Landschaft. Dazu kommen immer mehr und vielfältige Aktivitäten im Internet. Ist das ein Gewinn oder ein Verlust für die Ortsgemeinden? Und könnte das ein Impuls für künftige übergemeindliche Aktivitäten sein?

Greiner: Das ist ganz bestimmt kein Verlust, weil wir die christliche Botschaft unter die Leute bringen. Und wir hoffen, dass auch Menschen, die sonst nicht in die Kirche gehen, angesprochen werden, so dass neue inhaltliche Verbundenheit entstehen kann.

Wir erleben gegenwärtig eine Schnellkurs in digitaler Fitness. Der tut uns gut. Streamen, ein YouTube-Filmchen hochladen, eine Andacht in einer Videokonferenz halten - auf einmal geschieht das alles zum ersten Mal und mit gar nicht so schlechtem Erfolg. Es macht Spaß und schafft neue Formen erfahrbarer Gemeinschaft.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Corona und Kirche

Die technische Ausrüstung im Alltag vieler Menschen.
Die Einschränkungen wegen des Coronavirus und das damit zusammenhängende Gottesdienstverbot zwingen Kirchen dazu, kreativ zu werden. Pfarrerinnen und Pfarrer verlagern ihre Gottesdienste ins Internet, Andachten werden über die sozialen Netzwerke verbreitet. Damit Sie den Überblick nicht verlieren, haben wir eine Liste mit Angeboten aus Bayern für Sie erstellt, die wir regelmäßig aktualisieren - gebündelt nach den sechs Kirchenkreisen und einzelnen Dekanaten.

Seelsorge digital

Das "Lob der Langeweile"
Autor
Kirche will Räume schaffen – ein ganz moderner Gedanke eigentlich. Was aber, wenn dieser Raum das Internet ist, weil sich die Menschen wegen eines Virus nicht mehr persönlich versammeln sollen? In Nürnberg wird das Netz mit Video-Gottesdiensten und -andachten in der Coronakrise nicht nur kreativ, sondern teils sehr professionell genutzt.

Jugend & Kirche

Blogger Frau Laptop Internet
Wegen der Beschränkungen durch Corona fallen alle Gemeindeaktivitäten aus? Du kannst Dich nicht mehr mit Deiner evangelischen Jugendgruppe treffen und hast auf einmal so viel freie Zeit, die Du sinnvoll nutzen möchtest? Wir haben den idealen Ausgleich: Eine Sammlung von YouTube-, Instagram- und Podcast-Empfehlungen - aus christlicher Perspektive.

Gastbeitrag

Wenn Trauernde nicht auf dem Friedhof dabei sein können, fehlt ihnen ein echter Abschied. Wie können wir jetzt unsere Verstorbenen auf dem letzten Gang begleiten, wo wir doch zuhause bleiben sollen? Wie können wir Anteilnahme zeigen? Der Gemeindepfarrer und Autor Rainer Liepold hat sich diesen Fragen angenommen - und zeigt auf, wie Bestattungskultur in der Corona-Krise aussehen kann.