Im ZDF wurde eine neue Sendung "Am Puls" ausgestrahlt. Ihr Titel lautet: "Die Innere (Un-)Sicherheit". Die Journalistin Dunja Hayali spürt dort dem Sicherheitsgefühl in der Republik nach.
Und zwar mit einigem Aufwand: Sie spricht mit Kriminalitätsopfern, der Polizei und einer Wissenschaftlerin. Aber auch die Polizeiliche Kriminalstatistik und die Rolle der Medien werden beleuchtet. Das klingt vielversprechend.
Wer die Sendung geschaut hat, dürfte allerdings enttäuscht sein. Sie ist recht oberflächlich und scheitert letztlich am eigenen Anspruch, die gefühlte Sicherheitslage mit der tatsächlichen abzugleichen.
Der Tenor der Sendung: Alles hat mit allem zu tun, und dann auch wieder nicht. Wie genau die einzelnen Zusammenhänge sind, erfährt man jedoch nicht. Die Devise lautet eher: schnell weiter zum nächsten Aspekt.
Von Bremen bis Belgien – eine atemlose Themenjagd
Und so geht es weiter von den Problemen am Bremer Hauptbahnhof über das Interview mit einer Extremismusforscherin nach Köln, wo junge Frauen über ihre Erfahrungen insbesondere mit aufdringlichen Männern berichten. Von dort geht es nach Belgien, wo es um Videoüberwachung im öffentlichen Raum geht, kurz zurück nach Bremen und dann nach Bremerhaven zur Konferenz der Innenministerinnen und Innenminister, um über KI-gestützte Recherche-Software zu sprechen.
Weiter geht‘s nach Magdeburg, wo es im letzten Jahr zu einem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt kam, dann nach Solingen, wo es um den Anschlag auf ein Stadtfest geht, und schließlich nach Konstanz zu Menschen, die sich um geflüchtete Personen mit traumatischen Erfahrungen kümmern. Das alles geschieht in nur 44 Minuten und damit in einem Tempo, in dem das Publikum atemlos zurückbleibt.
Auch wenn ich hier einen Teufel tun werde, die rechte Kritik an der Sendung zu flankieren, wie sie etwa auf "Nius" stattfand, muss doch klar gesagt werden: In der Kürze der Zeit ist es so kaum möglich, Zusammenhänge verständlich zu machen.
Und so entsteht der Eindruck, dass unter dem Titel "Innere (Un-)Sicherheit" einfach Themen aneinandergereiht wurden, die jedes für sich genommen zwar spannend und wichtig sind, aber weder direkt etwas miteinander zu tun haben noch in einer kurzen Sendung sinnvoll behandelt werden können.
Wenn gut gemeint in populistischem Ton endet
Doch damit nicht genug. Die Journalistin widersteht leider nicht den Verlockungen des Populismus. Sie spricht, wenn auch in guter Absicht, von "Messerstecher Uwe" und "Messerstecher Ali". Das ist jedoch weder witzig noch hilfreich oder sinnvoll. Im Gegenteil: Es ist AfD-Sound. Wir erinnern uns an die Anfragen der Berliner AfD zu den Vornamen von Tatverdächtigen im Zusammenhang mit sogenannten Messerstraftaten.
So entsteht am Ende ein Gefühl der Unsicherheit, und zwar bei Zuschauerinnen und Zuschauern, die nicht wissen, was die eigentliche Botschaft der Sendung ist. Ursächlich scheint mir: Die Sendung will zu vieles gleichzeitig. Man ist hin- und hergerissen zwischen True-Crime-Format, wissenschaftlicher Analyse, Reportage, Report und Kommentar.
Eine solche (bewusst?) unentschlossene Formatgestaltung lässt sich auch anderswo beobachten, etwa bei der ARD. Dort wurde am 15. Juli 2025 die Sendung "Fakt: Attentäter unter uns" ausgestrahlt, die über die Mediathek weiterhin erreichbar ist.
Dem Titel nach soll es zwar allgemein um Attentäter gehen. Kernpunkt und – so muss man vermuten – einziger Aufhänger der Sendung ist aber ein Interview, das die Journalisten mit einem Bekannten des Anschlagstatverdächtigen auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt geführt haben.
Was Medien wirklich bedenken sollten
Die Ausstrahlung dieses Interviews lässt sich kritisch sehen. Denn er bekommt so eine Plattform, seine kruden Weltansichten und Drohungen gegenüber der Gesellschaft zu äußern. Anschließend wird ohne nachvollziehbaren Zusammenhang unter anderem noch auf den Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019 Bezug genommen, dann endet diese Sendung, und lässt die Zuschauerinnen und Zuschauer ebenfalls in Unsicherheit über ihre Botschaft zurück.
Folgendes sei daher zu bedenken gegeben: Durch verkürzte Darstellung wird eher Desinformation oder zumindest Verwirrung und Verunsicherung Vorschub geleistet. Zudem droht die Gefahr, polarisierendes Framing zu übernehmen, obwohl das Gegenteil geleistet werden soll. Schließlich stellt sich die sehr zentrale Frage, wie viel Bühne die Medien (das öffentlich-rechtliche Fernsehen zumal) radikalen Meinungen geben möchten.