15. Mai 2021
Sebastian Kneipp

200 Jahre Sebastian Kneipp: Über die Lehren des Gesundheitspfarrers

Mit Kneipp verbinden die meisten nur kalte Güsse und Wasserwaten. Doch dem katholischen Priester ging es bei seiner Lehre um mehr als körperliche Gesundheit. Er hatte auch die Seele der Menschen im Blick. Das macht ihn bis heute aktuell.
Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897)
Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897)

Die Kneipp'sche Lieblingsanwendung von Thomas Hilzensauer ist der kalte Gesichtsguss. Dafür könne man zu Hause den Dusch-Schlauch in der Badewanne nutzen, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Kneippbunds. Mit einem kalten Wasserstrahl fährt man sich dann mehrmals übers Gesicht. "Anschließend streift man das Wasser mit den Händen ab", erklärt Hilzensauer: "Das hilft gut bei aufkommenden Kopfschmerzen - oder bei Stress."

Gesundheitspfarrer Sebastian Kneipp wäre im Mai 200 Jahre alt geworden

Ein wenig stressig ist es derzeit schon für Hilzensauer. Denn es ist ein Jubiläumsjahr für seine in Bad Wörishofen ansässige Organisation: Gesundheitspfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) wäre am 17. Mai 200 Jahre alt geworden.

Diesen Tag wollte die Allgäuer Kurstadt groß feiern. Doch wegen der Corona-Pandemie wurde der Festakt auf einen noch unbestimmten Termin verschoben. Auch der Kneipp-Bund hat wegen Corona seinen bundesweiten Auftakt fürs Jubiläumsjahr ins Internet verlegt.

Wörishofer Kur- und Kneippbetriebe bleiben leer

Und die Wörishofer Kur- und Kneippbetreiber müssen ihre Gäste weiter vertrösten: "Normalerweise sind wir von Mai bis Ende Oktober ausgebucht", sagt Martin Steinle, Leiter des gleichnamigen Kurhotels. Stattdessen seien nur ein paar Geschäftsreisende da - ausgerechnet im Kneipp-Jahr: "Die Auslastung liegt unter zehn Prozent."

Der katholische Pfarrer Sebastian Kneipp erlebte Mitte des 19. Jahrhunderts selbst eine Cholera-Epidemie, die von München ausging. Kneipp soll damals Kranke behandelt - und angeblich auch geheilt haben. "Cholera-Kaplan" nannte ihn die Bevölkerung deswegen.

Regelmäßige Bäder in der eiskalten Donau

Kneipp stammte aus Stephansried, einem kleinen Ort unweit von Memmingen. Die siebenköpfige Familie war arm. Doch der Sohn schaffte es aufs Gymnasium und später zum Theologie-Studium ins schwäbische Dillingen.

Dort erkrankte er an Tuberkulose. Angeregt durch ein Buch über die heilende "Krafft und Würkung des frischen Wassers" badete er mehrmals wöchentlich in der eiskalten Donau, übergoss sich regelmäßig mit kaltem Wasser. Er wurde wieder gesund.

Kneipp begann die Behandlung anderer Menschen

Die Wasseranwendungen waren fortan fester Bestandteil seines Lebens. Kneipp begann, auch andere Menschen zu behandeln. Als er bereits Priester war, wurde er erstmals wegen Kurpfuscherei verklagt. Der Richter verurteilte ihn zu einer Buße von zwei Gulden. Kneipp nahm die Strafe an - und stellte dem Juristen gleich eine Kuranweisung gegen dessen Gicht aus.

Jahrelang versuchten Mediziner, den Pfarrer wegen seiner naturkundlichen Heilmethoden ins Gefängnis zu bringen. Kneipp ließ sich nicht beirren.

Als er 1855 als Hauspfarrer der Dominikanerinnen ans Kloster in Wörishofen kam, folgten ihm im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Hilfesuchende. Wörishofen wurde zur Kurstadt, 1893 zählte der Ort bereits gut 30.000 Gäste, 2019 waren es 150.000.

Kneipps Lehre: Mehr als nur Wassertreten

Kneipps Lehre fußt dabei auf mehr als nur Wassertreten und kalten Anwendungen. Für den Pfarrer war auch Bewegung, gesunde Ernährung und die Kraft der Heilpflanzen wichtig.

"Und er hat gesehen, dass körperliches und seelisches Heil eng miteinander verknüpft sind", sagt Susanne Ohr. Die evangelische Pfarrerin war 14 Jahre lang Kurseelsorgerin in Bad Wörishofen. Viele Menschen erlebten während einer Kur, dass neben Wasseranwendungen und einer gesunden Lebensweise auch etwas anderes nötig sei, sagt Ohr: "Sie suchen dann das seelsorgerische Gespräch."

"Vergesst mir die Seele nicht", soll Kneipp einmal gesagt haben. Als Pfarrer sei ihm die innere Balance, die seelische Gesundheit ebenso wichtig gewesen wie die körperliche, meint Susanne Ohr: "Kneipp wollte die Menschen stark für den Alltag machen."

Einfache und kostengünstige Methoden

Das ist es auch, was Thomas Hilzensauer an Kneipps Lehre fasziniert. "Sie ist modern, weil sie alltagstauglich ist", sagt der Kneippbund-Chef. Auch deshalb erlebten die rund 500 Kneipp-Vereine gerade während der Corona-Pandemie mehr Aufmerksamkeit.

"Die Menschen sind interessiert an einfachen und kostengünstigen Methoden, um das Immunsystem zu stärken und zur Ruhe zu kommen", sagt Hilzensauer. Das sind Methoden wie etwa das Kneipp'sche Armbad, bei dem man die Arme in ein mit kaltem Wasser gefülltes Becken taucht. Ein guter Zeitpunkt dafür sei der frühe Nachmittag, sagt Hilzensauer: "Da hat man oft so einen Tiefpunkt - und das Armbad belebt." Nicht umsonst heißt es daher: Espresso der Kneippianer.

Die kleine Apotheke für Leib & Seele

Sebastian Kneipp hat schon vor über 150 Jahren
Wege gefunden, beides mit einfachen und natürlichen Mitteln zu erhalten. Bekannt geworden und weit verbreitet sind vor allem seine Wasserkuren, aber auch zur ausgewogenen Ernährung, den Kräutern und Heilmitteln der Schöpfung und allgemein zur richtigen Lebensführung wusste der Heilkundler und Pfarrer viel Weises zu sagen. Ein himmlischer Ratgeber für Leib und Seele!

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